8 Fragen zum Equal Pay Day

Wer, Wiso, Weshalb und Warum?

Am 18.03.2017 ist Equal Pay Day in Deutschland. Anlass für uns zu fragen, wofür der Tag steht und warum er so wichtig ist. Daher haben wir uns 8 Fragen gestellt und 8 Antworten gefunden.

Was ist der Equal Pay Day?

Der Equal Pay Day markiert den Tag im Jahr, bis zu dem Frauen durchschnittlich umsonst arbeiten, wenn man ihre Gehälter mit denen von Männern vergleicht. Frauen arbeiten bis zu 77 Tage im Jahr umsonst, da sie auf die Stunde umgerechnet weniger Gehalt verdienen als Männer.

Wer berechnet den Equal Pay Day?

Das Statistische Bundesamt errechnet jedes Jahr den durchschnittlichen Bruttostundenverdienst von Männern und Frauen. Daraus ergibt sich der Gender Pay Gap, der prozentuale Unterschied im durchschnittlichen Bruttoverdienst. Dies bezeichnet man auch als unbereinigten Gender Pay Gap, da der Durchschnittverdienst aller Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen miteinander verglichen wird. Somit wird auch der Unterschied in Gehältern erfasst, der durch unterschiedliche Zugangschancen, zum Beispiel zu höher bezahlten Jobs, entsteht. Der unbereinigte Gender Pay Gap schließt also auch möglicherweise benachteiligende Strukturen für Frauen mit ein.

Der bereinigte Gender Pay Gap vergleicht lediglich die Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen mit ähnlichen Qualifikationen, Tätigkeiten und Erwerbsbiografien. So werden zum Beispiel die Einflüsse von Teilzeit und Vollzeitarbeit, unterschiedlicher Berufserfahrung und unterschiedlicher Ausbildungen herausgerechnet. Je nach Datengrundlage und welche Faktoren berücksichtigt werden kann der bereinigte Gender Pay Gap zwischen unter 2 Prozent (vgl. IW-Pressemitteilung (2013) bis hin zu 16,6 Prozent (vgl. Schmidt, Jörg (2016): Entgeltgleichheit – Die gesamtwirtschaftliche Perspektive.) betragen. Der bereinigte Gender Pay Gap wird nur alle vier Jahre ermittelt.

Der Equal Pay Day wird aus den Daten des unbereinigten Gender Pay Gap ermittelt: Der prozentuale Unterschied zwischen dem Verdienst von Frauen und Männern wird auf das kommende Jahr umgerechnet. Bei einem Verdienstunterschied von 21 Prozent im Jahre 2016 ergeben sich somit 77 Tage unbezahlter Arbeit von Frauen im Jahr 2017.

Wie ist der Equal Pay Day entstanden?

Der Equal Pay Day entstand durch die Red Purse Campaign der amerikanischen Business and Professional Women (BPW) 1988. Red Purse war dabei ein Symbol für die roten Zahlen in den Geldbörsen der Frauen. Dieses Symbol hat auch BPW Germany aufgenommen und 2008 die Initiative Rote Tasche gestartet. 2009 wurde der Equal Pay Day bundesweit eingeführt, wofür die Initiatorinnen den Innovationspreis Ausgewählter Ort im Land der Ideen erhielten.

Was sind die Ursachen der Gender Pay Gap?

Aus den Studien kristallisieren sich drei zentrale Ursachen heraus:

  1. Frauen sind in bestimmten Branchen oftmals unterrepräsentiert. Zu diesen Branchen zählen Berufe in MINT-Bereichen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik), welche oftmals besser bezahlt werden. Zusätzlich steigen Frauen seltener die Karriereleiter auf als Männer, obwohl sie statistisch gesehen oftmals besser ausgebildet sind.
  2. Familienbedingt unterbrechen und/oder reduzieren Frauen ihre Erwerbstätigkeit deutlich häufiger als Männer. Diese Erwerbspausen erschweren es den Frauen zum einen, wieder zurück in den Beruf zu finden. Zum anderen wirken sie sich auch negativ auf die Einkommensentwicklung aus, was Folgen bis hin zur Rentenphase hat.
  3. Von Frauen dominierte Berufe, wie zum Beispiel in der Erziehung und der Pflege, werden durch ihr geringes Ansehen oftmals schlecht bezahlt.

Was ist das Ziel des Equal Pay Day?

Ziel ist es daher, mit dem Equal Pay Day die Debatte über die Gründe der Entgeltunterschiede zwischen Männern und Frauen in Deutschland in die Öffentlichkeit zu tragen, ein Bewusstsein für die Problematik zu schaffen, zu sensibilisieren und Entscheider zu mobilisieren, damit sich die Lohnschere schließt.

Zitat: BPW Germany Wiki

Kritik am Equal Pay Day?

Laut dem Institut der Deutschen Wirtschaft seien viele Entscheidungen von Frauen bezüglich ihrer Karriere rein privat und sollten daher nicht im Lohnunterschied berücksichtigt werden (vgl. Schmidt, Jörg (2016): Der Staat muss nicht handeln). Entscheidungen, ob die Frau oder der Mann die Erziehung der Kinder übernimmt und damit eine Berufspause einlegt, seien demnach ausschließlich von privaten Präferenzen und Wünschen geprägt. Jedoch werden so Einflussfaktoren der Umwelt ignoriert: Zum Beispiel, ob der Mann oder die Frau das größere Gehalt erhält und somit die Familie besser ernähren kann. Auch eine Beförderung kann nicht alleine vom Arbeitnehmer vorgenommen werden. Weitere Faktoren haben Einfluss auf die Entscheidungen: Zum Beispiel verhindet oftmals die unzureichende Betreuungsinfrastruktur für Kinder und Pflegebedürftige, dass beide Partner einer Vollzeitbeschäftigung nachgehen können. Zudem führt die Berufspause oder Teilzeitarbeit zu weiteren Folgen: Es besteht kein Recht auf Arbeitszeitaufstockung, somit ist der Weg aus der Teilzeitarbeit zur Vollzeitarbeit erschwert.

Zusätzlich seien die Berufsentscheidungen von Männern und Frauen rein private Entscheidungen, die nicht durch vorherrschende Strukturen oder der Gesellschaft beeinflusst würden. Dies würde bedeuten, dass es keinen Sinn ergeben würde, mehr weibliche Vorbilder in MINT Bereichen zu zeigen, da sie keinen Einfluss auf die Entscheidung der Person haben können. Dies steht im Gegensatz zu den zahlreichen Studien, die belegen, dass kulturelle Erwartungen und Einstellungen die Berufswahl beeinflussen.

Lesetipps zum Einfluss von Rollenbildern und Kultur:

Vorbildliche Technik-Frauen: Role Models ebnen den Weg für Mädchen und Frauen in technischen Berufen

Talent kennt kein Geschlecht

Was Frauen in MINT-Berufen wichtig ist: Aktuelle Auswertung internationaler Arbeitsmarkstudien

MINT-Studiengänge für Frauen: Pro und Contra Frauenstudiengänge

Wer macht mit?

Mittlerweile findet der Equal Pay Day in über 20 europäischen Ländern statt. Dazu gehören unter anderem Österreich, Schweiz, Frankreich, Italien, Spanien, Polen und Schweden. Auch in den USA, in Australien und Neuseeland wird der Equal Pay Day veranstaltet. Je nach landesspezifischer Lohnlücke findet der Equal Pay Day zu unterschiedlichen Tagen statt. So wurde er in der Schweiz bereits am 24. Februar veranstaltet (vgl. BPW Switzerland: equal pay day,- Webseite), während der Lohngerechtigkeitstag in Frankreich erst am 31. März stattfinden wird (vgl. BPW France Webseite).

Veranstaltungen am 18. März 2017?

BPW Germany informiert umfassend über Veranstaltungen am 18. März auf ihrer Webseite. Neben dem Kongress in Berlin zum Equal Pay Day gibt es zahlreiche Aktionen im ganzen Land. Von Info-Veranstaltungen bis hin zu Flashmobs.

/dmi

Beitragsbild: Businessfotografie Inga Haar / BPW Germany e.V.

Quellen:

Webseite des BPW Germany zum Equal Pay Day

Equal Pay Wiki von BPW Germany

Statistisches Bundesamt (16.03.2016): Verdienstunterschied zwischen Frauen und Männern in Deutschland bei 21 %. Pressemitteilung Nr. 097. Abrufdatum [16.03.2017]

Klenner, Christina (2016): Gender Pay Gap – die geschlechtsspezifische Lohnlücke und ihre Ursachen. Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WIS), Policy Brief NR. 7 07/2016. [Abrufdatum 16.03.2017]

Schmidt, Jörg (16.06.2016): Der Staat muss nicht handeln, Pressemitteilung Nr. 34 des Institut der deutschen Wirtschaft Köln. [Abrufdatum 16.03.2016]

Schmidt, Jörg (2016): Entgeltgleichheit – Die gesamtwirtschaftliche Perspektive. Welche Ursachen hat der Gender Pay Gap? IW-Kurzbericht. [Abrufdatum 16.03.2017]

IW-Pressemitteilung (2013): Nur 2 Prozent Gehaltsunterschied. Instituts der deutschen Wirtschaft Köln 2013. IW-Pressemitteilung Nr. 3 vom 14. Januar 2013. [Abrufdatum 16.03.2017]

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