HITECH CAMPUS it

Karriereperspektiven für MINT-Studentinnen

Arbeitgeber für junge Ingenieurinnen und Informatikerinnen

Wie geht es weiter, wenn ich den Hochschulabschluss in der Tasche habe? Was gibt es für Möglichkeiten? Wo soll ich mich bewerben? Vor dieser Frage stehen nicht wenige Studentinnen und Studenten am Ende ihres Studiums. Bei MINT Absolventinnen herrscht besonders große Unsicherheit: Oft gibt es keine Vorbilder, keine Orientierungshilfe. Frauen sind in technischen Berufen immer noch unterrepräsentiert – und der Einstieg in die Arbeitswelt ist eine Hürde, die Studentinnen erst nehmen müssen. Wie kann ich den richtigen Arbeitgeber für mich finden? Welche Möglichkeiten gibt es für mich, in einem technischen Beruf zu arbeiten?

Female Engineering

Die Karrierezeitschriften „Hitech Campus“ und „Hitech Campus it“ stellen einmal im Quartal mögliche Arbeitgeber für Hochschulabsolventen im Bereich Ingenieurwissenschaften und Informatik vor. Jährlich steht dabei eine Ausgabe unter dem Motto „Female Engineering“ – Karriereperspektiven für junge Ingenieurinnen und Informatikerinnen. Seit 2016 kommen hier Frauen zu Wort, die in den bis heute männlich dominierten Berufen Fuß gefasst haben. Sie erzählen von ihrem Werdegang und ihrer täglichen Arbeit. Vor allem aber werden Arbeitgeber vorgestellt, die für Frauen in Ingenieur- und Informatikstudiengängen attraktiv sein könnten.

Orientierung für Absolventinnen in MINT

Beide Zeitschriften werden von der Evoluzione Media AG verlegt, die sich auf die Rekrutierung junger akademischer Absolventen und Absolventinnen in verschiedenen Fachbereichen spezialisiert hat. Studierende sollen über Unternehmen informiert werden, an die sie bei ihrer bisherigen Suche nach einem späteren Arbeitsplatz vielleicht noch nicht gedacht haben. Arbeitgeber stellen sich vor und werben für eine Laufbahn in ihren Unternehmen. Dabei setzen die Macher auf persönliche Geschichten, Laufbahnen junger Mitarbeiter, Portraits und Ideen. Frauen berichten von ihrem Alltag im Unternehmen, ihren Aufgaben und Herausforderungen. Sie erzählen auch davon, wie es ist, als Frau in einem Männerberuf zu arbeiten. Negative Eindrücke kommen dabei selten zur Sprache. Die Unternehmen werden durchweg als gute Arbeitgeber präsentiert.

Trotzdem bieten die Zeitschriften gerade für Absolventinnen eine Erweiterung des Horizonts. Die verschiedenen Unternehmen und aufgezeigten Perspektiven können bei der Orientierung helfen. Ob im Bereich Mobilität, Handel oder Werkstoffforschung, Gaming-Branche oder Luft- und Raumfahrttechnik. Die Liste der vorgestellten Arbeitgeber ist lang. Und neben großen Namen wie Lidl, Edeka, Telekom und ThyssenKrupp präsentieren sich auch Spartenunternehmen, an die Berufseinsteigerinnen nicht unbedingt denken.

 

Die Ingenieurausgabe zum Themenspecial „Female Engineering“ erscheint dieses Jahr am 15. Juni, ebenso die IT-Ausgabe. Einige Exemplare liegen in Hochschulen aus, die meisten Beiträge sowie weitere Portraits von Frauen in Technikfirmen stehen auch auf dem Online-Portal der Hitech Campus Zeitschriften zur Verfügung: http://hitech-campus.de

/Franziska Franken

Foto: Hi Tech Campus

Grafik: Wunschthemen und Technik in Frauenzeitschriften

Mode, Make-up oder Motoren?

BA-Thesis zeigt: Leserinnen wünschen sich mehr technische Inhalte in Frauenzeitschriften

Frauen wollen in den an sie adressierten Zeitschriften zukünftig mehr über Technik lesen. So das Ergebnis einer Abschlussarbeit des Studiengangs Technikjournalismus an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Die Teilnehmerinnen der Erhebung kritisierten das derzeitige Angebot an Frauenzeitschriften vor allem wegen seiner Oberflächlichkeit. Die Themen spiegelten in ihren Augen nicht die Meinungen und Lebensweisen der aktuellen, modernen Frau wider. Die Probandinnen wünschten sich ein breiteres Themenspektrum, das über das bisherige Angebot am Frauenzeitschriftenmarkt hinausgeht. Neben Themen wie alltagstauglicher Mode, Ernährung, Sport und Psychologie sollten auch handwerkliche und technische Themen stehen.

Praktischer Nutzen durch Handwerktipps

Dass Frauen grundsätzlich weniger an Technik interessiert seien, konnte in der Studie – zumindest für die befragten sechs Frauen – widerlegt werden. Und auch die Aufbereitung technischer Texte sollte nicht einfacher, sondern stärker mit Bezug zu den Anwenderinnen gestaltet sein. Die Probandinnen, deren Wünsche an Frauenzeitschriften anhand einer Gruppendiskussion ermittelt wurden, wollen sich mit dem jeweiligen Thema identifizieren und im besten Falle einen praktischen Nutzen aus der Lektüre ziehen.

Die Teilnehmerinnen der Gruppe waren zum Zeitpunkt der Erhebung zwischen 20 und 54 Jahren alt und unterschieden sich in ihren beruflichen Tätigkeiten. Umso interessanter war es, dass alle Probandinnen ähnliche Ansprüche an eine neue Frauenzeitschrift und die Darstellung technischer Inhalte hatten. Auch wenn die Gruppendiskussion nur einen sehr kleinen Ausschnitt der weiblichen Bevölkerung abbildet, können auf Basis ihrer Ergebnisse weitere Forschungen zu eine Konzept für eine neue Art von Frauenzeitschriften, die auch Leserinnen unterschiedlichen Alters ansprechen könnte, betrieben werden.

Grafik: Wunschthemen in Frauenzeitschriften

So könnte die Themenverteilung einer neuen Generation von Frauenzeitschriften nach der Studie aussehen. Dargestellt ist die Anzahl der Teilnehmerinnen (Grundgesamtheit n=6) der Gruppendiskussion, die für das jeweilige Thema stimmen, sowie der Anteil, den das Thema am gesamten Inhalt erhalten soll. Quelle: Schneider

Bachelorthesis: Juliane Schneider (2016): Mode, Make-up oder Motoren – Eine qualitative Untersuchung zur inhaltlichen Konzeption von Frauenzeitschriften. Studiengang Technikjournalismus/PR der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg.

Variable(s) Geschlecht

Einblicke in Vorträge der Tagung der Fachgesellschaften für Geschlechterforschung/-studien

Oft wird der Geschlechterforschung selbst der Vorwurf gemacht, heteronormative gesellschaftliche Standards zu reproduzieren. Sie verweise beständig auf geschlechtliche Dichotomien oder nutze diese unhinterfragt als „Mann-Frau-Variable“ in quantitativen Umfragen und Analysen, um auf bestehende Ungerechtigkeiten oder Ungleichheiten hinzuweisen. Wie kann man in derartig angelegten Untersuchungen Menschen mit intersexueller Identität abbilden, ohne zu diskriminieren oder den Datenschutz zu verletzen? Auf der Tagung der Fachgesellschaften für Geschlechterstudien „Aktuelle Herausforderungen der Geschlechterforschung“ von 28.-30.9.2017 an der Universität zu Köln, widmete sich ein Panel der Geschlechtsabfrage in quantitativen Forschungen. Unter der Ägide von Chairman Dirk Schulz gab es drei Vorträge, die vorwiegend aus der Praxis, also dem konkreten Umgang mit der Variable Geschlecht berichteten.

Zu 100 Prozent weiblich?

Den Anfang machte Elisabeth Kittel aus Wien, die von einer Paper-and-Pencil-Befragung aus der Soziologie berichtete, in der die Befragten sich auf einer Skala von 10-100 Prozente für ihre jeweilige gefühlte Geschlechtlichkeit geben konnten. Die Anteile mussten dabei nicht 100 Prozent entsprechen, sondern man konnte auch angeben, sich zu 80 Prozent weiblich und zu 80 Prozent männlich zu fühlen (was dann allerdings in der Auswertung auf jeweils 50 Prozent bereinigt wurde).

Über die Hälfte aller Befragten gaben an, sich nicht zu 100 Prozent einem Geschlecht zugehörig zu fühlen. Je jünger und gebildeter die befragte Person war, desto uneindeutiger fiel die Zuordnung aus. Männer gestanden sich dabei durchschnittlich maximal 20 Prozent Weiblichkeit zu, Frauen gingen im Gegensatz auch bis auf 50 Prozent runter. Frauen wünschten sich auch häufiger nicht zu 100 Prozent männliche Partner als umgekehrt.

Allerdings muss man beachten, dass diese Befragung in einem allgemeineren Rahmen stattfand, in dem es um eine Befragung zu der Vereinbarkeit von Haushalt und Beruf ging. Daher spielte der Wunsch nach einem Mann, der sich stärker im Haushalt beteiligt, wahrscheinlich eine beeinflussende Rolle.

„Mann“, „Frau“, „Sonstige“

Konkreter wurde es in dem sich anschließenden Vortrag von Michaela Müller aus Gießen, die für die empirische Sozialforschung den Vorschlag einer Nichtangabe von Geschlecht ablehnte. Die Nicht-Angabe von Geschlecht, die von einigen KollegInnen gefordert würde, würde die Realität nicht abbilden und Minderheiten das Recht auf Sichtbarwerdung und Partizipation verweigern. Allerdings wäre eine prozentuale Angabe von geschlechtlicher Identität oder auch ein offenes Feld derzeit nicht praktikabel. Bei einer derartig offenen Befragung von 500 Personen, gaben beispielsweise knapp 50 kein eindeutiges Geschlecht an, was eine Auswertung bzw. Nachkodierung schier unmöglich machte. Besser allerdings als ein drittes Feld „Sonstige“ neben „Mann“ und „Frau“ sei, so Müller, die Bezeichnung „Weitere“ da sie nicht den Beigeschmack eines seltsamen Sonderwegs trage. Das Problem eines unfreiwilligen „Outings“ bei der Befragung kleinerer Gruppen bliebe aber auch hier bestehen.

Erzwungene weibliche Schwäche im Hochleistungssport

Den Abschluss bildete ein Einblick in die zutiefst heteronorme Welt des Sports von der Sportwissenschaftlerin und Sportsoziologin Karolin Heckemeyer von der FH Nordwestschweiz. Mit teilweise verstörenden Berichten von Geschlechtertests in den 1960er-Jahren und noch heute erzwungenen Hormontherapien bei Sportlerinnen, kritisierte die Referentin die Maßnahmen zur Aufrechterhaltung von Geschlechterdifferenzen und damit verbundener Hierarchien.

Sie sieht ihre Aufgabe als Sportsoziologin darin, hier andere Wege aufzuzeigen, Fragen nach der Chancengleichheit zu beantworten und antidiskriminierungspolitische Visionen des Sports in die Verbände einzubringen.

/kim

 

Wettbewerb #lieblingsinnovation

Um die Begeisterung für Technik in der Bevölkerung zu fördern, lässt das Bundesministerium für Bildung und Forschung dieser Zeit nicht nur den Innotruck durch das Land brausen (nächster Termin Bad Honnef 10.10. auf dem ABB-Betriebsgelände), sondern veranstaltet auch den Wettbewerb #lieblingsinnovation. Hier können Personen aller Altersklassen auf verschiedenen Social-Media-Kanälen (FacebookTwitter, Instagram, Snapchat) ihre Lieblingsinnovation posten. Es kann sich dabei um bereits vorhandene Erfindungen handeln oder auch um noch nicht erfundene, aber wünschenswerte technische Neuerungen. Mehr Infos auch unter https://www.innotruck.de/mitmachen/kreativwettbewerb/.

/kim

 

Wissenschaftlerin oder Studentin im Labor mit Schutzbrille von komm mach MINT.

Mit Mentoring zu MINT

Beweggründe von Frauen für technische Studiengänge

Welche Beweggründe haben Studentinnen der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg (H-BRS) ein MINT Fach zu studieren? Mithilfe einer explorativen Studie ging Sabrina Anna-Maria Meinerzhagen-Brumm, Absolventin des Studiengangs Technikjournalismus/PR der H-BRS, im Rahmen ihrer BA-Thesis dieser Frage nach. Ihr Fazit: Vorbilder in MINT- und Mentoringprogramme begeistern für Technik.

Unter den Befragungsteilnehmerinnen befanden sich 30 Studentinnen der kooperativen und Vollzeit-Studiengänge aus dem MINT-Bereich der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg sowie 40 Schülerinnen staatlicher Schulen und Mädchenschulen. Die Teilnehmerinnen waren zwischen 15 bis 26 Jahre alt. Die Befragung und Auswertung wurde während des Sommersemesters 2016 durchgeführt.

70 Prozent der Mütter und 73,3 Prozent der Väter der befragten Studentinnen in MINT-Fächern üben keinen technischen Beruf aus. Dennoch spielen Vor- und Leitbilder bei der Studienfachwahl eine besonders große Rolle. Auch Vorbilder aus dem persönlichen Umfeld, wie etwa Geschwister, Kommilitoninnen und Freundinnen, sind sehr wichtig. Weiter bestätigte die Studie, dass sich ein Technikinteresse oft schon zu Schulzeiten zeigt. Etwa die Hälfte der Studentinnen wählte Fächer wie Informatik oder nahm an Projekten im Bereich Elektrotechnik und Maschinenbau teil. Darüber hinaus nutzen 53,3 Prozent der befragten Studentinnen das Mentoringprogramm der Hochschule. Somit ist eine Bezugsperson für etwa die Hälfte der Studentinnen wichtig.

/dmi

Bachelorthesis: Sabrina Anna-Maria Meinerzhagen-Brumm (2016): Beweggründe für ein MINT-Studium: Bedeutung der Informationswege der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Studiengang Technikjournalismus/PR der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg.

Foto: Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit e.V. | Ort: Alfred-Wegener-Institut Bremerhaven

Ein Thema, zwei Zielgruppen

Ein Vergleich der Technikzeitschriften c’t und smartWoman von Anne Schiebener

SmartWoman ist die erste Technikzeitschrift auf dem deutschen Markt, die sich speziell an Frauen richtet. Jedoch hat diese Zeitschrift nicht viel mit klassischen Technikzeitschriften wie beispielsweise dem c’t magazin für computertechnik gemeinsam. Mit welchen Mitteln werden smartWoman-Leserinnen und die überwiegend männliche Leserschaft der c’t erreicht? Dieser Frage bin ich in meiner BA-Thesis im Studiengang Technikjournalismus/PR an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg nachgegangen.

Frauen lesen selten klassische Technikzeitschriften

Auf dem deutschen Zeitschriftenmarkt gibt es 54 Frauenzeitschriften (Stand 2017). Die inhaltliche Themenpalette ist dabei meist sehr beschränkt und hat sich seit Jahrzehnten nicht verändert. „Pille ja oder nein, die Spargeldiät, mein Freund verlangt von mir xy, was soll ich machen.“ Bei diesem Zitat handelt es sich nicht um Schlagzeilen auf dem Titelblatt einer kürzlich erschienenen Frauenzeitschrift beim Kiosk um die Ecke. Tatsächlich steht das Zitat in einem Buch, das vor über 30 Jahren veröffentlicht wurde.

Frauenzeitschriften vermeiden Technikthemen

Im März 2016 ist eine neue Zeitschrift auf dem Markt erschienen. Dabei handelt es sich um eine Technikzeitschrift speziell für Frauen. Das Konzept der smartWoman ist bislang einzigartig in Deutschland. Während Technik früher nur etwas für Bastler, Programmierer und Nerds war, wird es heute verstärkt mit dem alltäglichen Nutzen in Verbindung gebracht. Beim Durchblättern der Zeitschrift fällt jedoch auf, dass die smartWoman kaum Gemeinsamkeiten mit klassischen Technikzeitschriften aufweist.

Etablierte Technikzeitschriften, erreichen eine zum Großteil männliche Leserschaft. Die Leserschaft der c’t beispielsweise besteht zu über 90 Prozent aus Lesern.

Inhaltsanalyse der smartWoman und c’t

In der Bachelorarbeit wurde erforscht, mit welchen inhaltlichen und formalen Mitteln die Technikzeitschriften c’t und smartWoman ihre Zielgruppen erreichen. Aus dieser Analyse lassen sich Erkenntnisse zu stereotypen Vermittlungsformen gewinnen.

Für die Durchführung der Inhaltsanalyse wurden jeweils fünf Hefte der smartWoman und fünf Hefte der c’t anhand eines Kategoriensystems analysiert und anschließend die Ergebnisse miteinander verglichen. Auf folgende Kategorien wurde dabei ein besonderes Augenmerk gelegt: Titelblatt, Fotos, Werbeanzeigen, Darstellungsformen, Aufhänger, Komplexität der Technikberichterstattung sowie Geschlechterstereotype.

Ergebnisse:

Technik

Die Ergebnisse der Inhaltsanalyse zeigen, dass die c’t ihre Zielgruppe mithilfe von drei Aspekten erreicht: Texte, Technik und Männer. Sowohl bei der Untersuchung des Titelblatts als auch bei der Textanalyse wird deutlich, dass der Fokus auf Texten liegt. Bilder nehmen einen untergeordneten Stellenwert ein. Diesen Punkt bestätigt ebenfalls Jürgen Rink, Chefredakteur der c’t. Er sagt, dass die Leserschaft der c’t an harten Fakten interessiert sei: „Denen ist lieber, dass wir viel Text und viele Informationen in das Heft packen, als dass wir ein lockeres und angenehmes Layout gestalten.“

Texte

Der zweite Aspekt ist das Thema Technik. Alle präsentierten Bilder und Texte haben einen eindeutigen Technikbezug. Das wird dem Kunden bereits bei der Betrachtung des Titelblattes deutlich. Darauf werden ausschließlich Technikthemen und Fotomontagen von technischen Produkten dargestellt. Ebenso haben die Branchen, die in der Zeitschrift Werbeanzeigen schalten, einen technischen Bezug.

Typen

Der dritte Aspekt sind die Männer. Auch wenn sich dieser Punkt nur unterschwellig in der c’t zeigt, zieht er sich dennoch durch die Zeitschrift. Die Leserschaft besteht zu über 90 Prozent aus Lesern. Ebenfalls werden über 90 Prozent der Artikel von Autoren geschrieben. In den Texten werden häufiger Männer als Frauen erwähnt und nur die männlichen Personen agieren in den untersuchten Artikeln als Zitatgeber. Es werden zwar kaum geschlechtsspezifische Stereotypen verwendet, trotzdem entsteht der Eindruck, als würde die c’t vorrangig von Männern für Männer geschrieben werden. Chefredakteur Jürgen Rink sieht ein Problem dabei eher in der Branche: „Mein Eindruck ist, dass es branchenspezifisch ist, dass die c’t von wenig Frauen gelesen wird, und nicht von einer genderspezifischen Sprache abhängt.“

smartWoman: Unterhaltende Themen, wenig Technik

Die smartWoman erreicht ihre Zielgruppe hingegen, indem sie die Frau und das Vergnügen in das Zentrum der Zeitschrift stellt und die Technik in den Hintergrund rückt. Präsentierte Themen auf dem Titelblatt und auch im Heft haben häufig nur einen nebensächlichen Technikbezug. Anja Deininger, Chefredakteurin der smartWoman, bestätigt dieses Ergebnis: „Wir stellen die Technik nicht in den Vordergrund.“ In den meisten Fällen wird ein Technikthema durch ein anderes Thema wie Freizeit oder Vergnügen eingeleitet, um einen Leseanreiz für die Leserinnen zu schaffen.

Es werden darüber hinaus überwiegend Frauen in den Texten erwähnt, die aber zum Teil mit stereotypen Adjektiven beschrieben werden. Auch geschlechtsspezifische Stereotype kommen in der smartWoman vor. Keine der erwähnten Frauen tritt als MINT-Rollenmodell in Erscheinung. Die Zielgruppe der smartWoman stellt eine Frau dar, die kaum Technikkenntnisse und -interessen hat.

Wie können Technikzeitschriften mehr Leserinnen erreichen?

  1. Aufhänger für Technikberichterstattung nutzen

Die Untersuchung hat gezeigt, dass die c’t nur vereinzelt Aufhänger für die Technikberichterstattung nutzt. In der smartWoman hingegen werden häufiger Aufhänger verwendet. Dadurch lässt sich vermuten, dass mehr Frauen die c’t lesen würden, wenn häufiger Aufhänger für die Technikberichterstattung genutzt werden. Einen geschlechterneutralen Aufhänger könnte das Thema Freizeit darstellen, welches in dieser Untersuchung sowohl in der c’t als auch der smartWoman verwendet wurde.

  1. Mehr Fotos von Personen abbilden

Artikel mit Bildern lösen einen stärkeren Leseanreiz für Frauen aus als Artikel ohne Bilder. In dieser Untersuchung hat die smartWoman mehr Bilder pro Artikel verwendet als die c’t. Außerdem können sich die Betrachter am besten mit den Fotos identifizieren, wenn Personen darauf abgebildet sind. Auch das kam bei der smartWoman häufiger vor. Es lässt sich vermuten, dass die c’t mehr weibliche Leserinnen erreichen würde, wenn die Zeitschrift mehr Fotos im Heft abbilden würde. Werden zudem Personen in Verbindung mit Technik gezeigt, kann der Betrachter auch eine Verbindung zur Technik aufbauen.

  1. Geschlechterneutral schreiben

In den untersuchten Texten der c’t werden mehr Männer als Frauen erwähnt. Die c’t könnte mehr weibliche Leserinnen erreichen, wenn sie genauso häufig auch über Frauen schreiben würde. Das sollte geschlechterneutral geschehen. Eine Berichterstattung über erfolgreiche Frauen im Bereich Technik könnte mehr weibliche Leserinnen erreichen und die vorhandenen Geschlechterstereotypen überwinden.

Fazit: Technikzeitschriften schreiben für Männer und Frauen unterschiedlich

Die Inhaltanalyse ist nur eine kleine Stichprobe und ist somit nicht flächendeckend repräsentativ für alle Technikzeitschriften. Trotzdem zeigt sie eine Tendenz des deutschen Technikzeitschriftenmarktes. Die Zeitschriften c’t und smartWoman erreichen ihre Zielgruppen mit unterschiedlichen Mitteln, obwohl es sich in beiden Fällen um Technikzeitschriften handelt. Das liegt einerseits am unterschiedlichen Wissensstand der Leserschaft. Die c’t richtet sich an ein Fachpublikum während die smartWoman für Laien in diesem Themengebiet schreibt. Die anderen Unterschiede lassen sich zum Großteil auf die beiden Geschlechter zurückführen. Daraus lässt sich ableiten, dass Redakteure von Technikzeitschriften für ein bestimmtes Geschlecht schreiben und bei den klassischen Technikzeitschriften ist das zumeist eine männliche Leserschaft.

Gestik Tagung 2017

Aktuelle Herausforderungen der Geschlechterforschung

Vom 28.09. bis 30.09. findet die Gestik Tagung in der Universität zu Köln statt. Die Tagung ist die erste Kooperation der wissenschaftlichen Einrichtung für Gender Studies in Köln (GeStiK) und der Universität zu Köln. Inhaltlich werden die aktuellen Herausforderungen der Geschlechterforschung angesprochen. Auch wir, „gender2technik“, sind dabei und stellen unsere aktuellen Forschungsergebnisse zu einer gendergerechten Technikberichterstattung vor.

Das aktuelle Tagungsprogramm ist als pdf über folgenden Link erhältlich: Programm der Tagung „Aktuelle Herausforderungen der Geschlechterforschung“

Eine Anmeldung für die Konferenz ist über die Universität Köln möglich. Anmeldeschluss ist der 31. August: Anmeldeformular für die GeStiK

/dmi

Die Beiträge mit dem Thema Technik auf dem studentischen Ausbildungsportal Technikjournal sind zum großen Teil mit Alltagsthemen verknüpft. Dadurch wird Technik Männern und Frauen auf interessante Weise näher gebracht.

Technikjournal auf dem Prüfstand

Technikjournal.de: Vorbild für gendergerechten Journalismus?

Im Online-Magazin „technikjournal.de“, einem Ausbildungsportal des Studiengangs „Technikjournalismus“ an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, publizieren die Studierenden multimediale Berichte zu Technik- und Umweltthemen. Doch wie gendergerecht berichtet technikjournal.de über Technik? Wie viele junge Frauen und Männer schreiben hier über technische Themen und wie viele Technik-Expertinnen kommen in den Beiträgen zu Wort?  Im Wintersemester 2016/17 sind Studierende im Projekt “Technikjournal auf dem Prüfstand” auch dieser Frage mithilfe einer empirischen Untersuchung nachgegangen. Marcel Tittko und Marvin Sommershof schildern im Folgenden ihre Erfahrungen und Ergebnisse.

Gendergerechtigkeit im Technikjournalismus

Das Thema Gendergerechtigkeit im Journalismus beschäftigt Fachleute seit einiger Zeit. Dadurch war klar, dass eine entsprechende Untersuchung auch Teil eines Prüfstandes für die Lehrredaktion der Hochschule, das “Technikjournal” sein muss.

Der erste Schritt war die Aufarbeitung der bereits vorhandenen Ergebnisse anderer Autoren. Das Wiki der Hochschule zum Thema Gendergerechtigkeit erwies sich in diesem Zusammenhang als essenziell. Schwierig war hierbei der Begriff des “Technikjournalismus”. Denn die Untersuchungen und Studien beziehen sich in vielen Fällen entweder auf Gendergerechtigkeit im Ingenieurberuf oder im Journalismus. Beide Bereiche hatten jedoch eines gemeinsam: Frauen waren im Vergleich mit ihren männlichen Kollegen in der Unterzahl. Und die Gründe waren vielfältig. Ein durch Männer geprägtes Umfeld und ungleiche Bezahlung sind dabei nur zwei von vielen.

Frauen, Männer und Technik

Nach der Sichtung der allgemeinen Ergebnisse wurden die Artikel des Technikjournals unter Zuhilfenahme eines Kodierbuchs einzeln begutachtet. Untersucht wurden Artikel aus dem Zeitraum vom Sommersemester 2015 bis zum Sommersemester 2016. Bei der Analyse ging es unter anderem um die Darstellung von Frauen, Männern und Technik in Fotos, die Expertenwahl und das Geschlecht der Autoren. Hinzu kam der Studienschwerpunkt (Umwelt- oder Ingenieurwissenschaften). Mit dem IBM-Tool SPSS und der quelloffenen Alternative PSPP wurden die Daten ausgewertet und grafisch aufbereitet. Im Folgenden ein kurzer Überblick über die Ergebnisse.

Viele Autorinnen, wenig Expertinnen

Im Ressort Technik arbeiten nach wie vor überwiegend Journalisten. Das ist beim Ausbildungsportal technikjournal anders: Mit etwa 40 Prozent entspricht der Frauenanteil unter den Autoren und Autorinnen hier sogar dem für Deutschland geschätzten Journalistinnen-Anteil über alle Ressorts hinweg.

Bei den in den Beiträgen zu Wort kommenden Expertinnen und Experten überwiegen allerdings sowohl in den Texten als auch in Fotos und Videos ganz klar Männer. So kann etwa für die in den Texten erwähnten Fachleute festgehalten werden, dass Männer etwa doppelt so häufig technische Zusammenhänge erklären und einordnen können wie Frauen.

Der geringe Frauenanteil in der Berichterstattung deutet ein Problem an: Wenn erheblich mehr Männer als Technik-Experten zu Wort kommen, erscheint der Eindruck, dass Technik eher etwas für Männer ist. Wenn Technik-Expertinnen nicht oder nur wenig präsent in den Medien sind, fehlt eine Vorbildfunktion für junge Frauen, die unschlüssig sind, ob sie sich für einen technischen Beruf entscheiden sollten.

Positiv zu werten ist wiederum, dass in mehr als 80 Prozent der Beiträge der Nutzen von Technik im privaten Alltag thematisiert wird. Damit dürfte die Berichterstattung im Online-magazin „Technikjournal“ Frauen wie Männer gleichermaßen ansprechen.

Technikjournalismus ist Vorbild für andere Berufsfelder

Aber zurück zu den Autorinnen und Autoren: Die Frauenanteile in den journalistischen Studiengängen und selbst im Fach Technikjournalismus, das vor wenigen Jahren noch überwiegend von jungen Männern gewählt wurde, zeigen, dass sich eine Frauenquote von 50 Prozent auch im Technikjournalismus realisieren ließe. Gleichzeitig kann ein interdisziplinärer Studiengang wie Technikjournalismus durch die Abdeckung journalistischer und technischer Kompetenzen junge Frauen und Männer ausbilden, die sich sowohl für Technik als auch für deren Vermittlung interessieren.

/Marcel Tittko und Marvin Sommershof editiert von ske

Grafiken von gender2technik auf Grundlage der Daten von Marcel Tittko und Marvin Sommershof 

Mikrobiologin im Labor beim Pipetieren. Forschungsarbeit einer Wissenschaftlerin.

Lesetipp: Darwins Schwestern

Vorreiterinnen der Biologie

Anlässlich des internationalen Tags der biologischen Vielfalt am 22. Mai hat „gender2technik“ einen Lesetipp für alle, die gerne mehr über Vorreiterinnen aus dem biologischen Forschungsfeld wissen möchten:

Fischer, Gudrun (Hg.) (2009): Darwins Schwestern: Porträts von Naturforscherinnen und Biologinnen. Orlanda Frauenverlag.

Darwin ist weltweit bekannt als Forscher und Entdecker der Welt. Doch nur wenig ist bekannt über Entdeckerinnen, obwohl sie schon seit Jahrhunderten Expeditionen unternehmen und Flora und Fauna erforschen und katalogisieren. Diese Frauen stehen Darwin in nichts nach, bekamen jedoch nicht die gebührende Anerkennung aufgrund ihres Geschlechts. Das im März 2009 erschienene Buch der Herausgeberin Gudrun Fischer portratiert diese Pionirinnen und Naturforscherinnen. Neben bereits verstorbenen Vorreiterinnen, wie Maria Sibylla Merian, die von 1647-1717 lebende Insektenkundlerin, stellt sie auch weibliche Vorbilder der heutigen Zeit vor, wie die Entwicklungsbiologin Christiane Nüsslein-Volhard. Trotz unterschiedlicher Autorinnen gelingt es, die Leidenschaft der Forscherinnen wiederzugeben.

Foto: Pixabay.com / FotoshopTofs

Letzte Änderung: 23.05.2017

/dmi