Web-Serie ‚Technically Single‘ soll Lust auf MINT machen

Juli, eine emanzipierte Frau, die weiß, was sie will: Elektrotechnik studieren. Als sie aber die Zusage auf einen Studienplatz erhält, findet ihr Freund sie plötzlich gar nicht mehr so cool und serviert sie kurzerhand ab. Das wiederum findet Juli nicht cool, wer will schon gern verlassen werden, also versucht sie, ihren Thorsten zurückzuerobern, natürlich nur, um ihn dann selbst in den Wind zu schießen.

Doch was klingt, wie ein Teenie-Drama, ist eigentlich eine gut durchdachte Mini-Serie mit einem konkreten Ziel: „Technically Single soll jungen Frauen und Mädchen zwischen 14 und 17 Jahren Lust auf die sogenannten MINT-Studienfächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) machen und mit einigen damit verbundenen Klischees aufräumen“, so die Hochschule für Fernsehen und Film München (HFF).

TUM und HFF arbeiten zusammen

Die Idee zu der Serie hatte vor etwa vier Jahren der damalige Vizepräsident für Diversity und Talent Management an der Technischen Universität München (TUM), Klaus Diepold. „Helden aus den Ingenieurwissenschaften gibt es viel zu wenig. Heldinnen noch weniger“, sagt er zu der Idee. Mit dem Alumnus der TUM und späteren Creative Producer Tobias Grabmeier, drehte Diepold bereits zuvor mehrere Kurzfilme. Grabmeier trat mit der späteren Produzentin Helena Hufnagel und dem späteren Drehbuchautor und Regisseur Sebastian Stojetz, beide Alumni der HFF, in Kontakt. „Tobias kam dann auf mich zu und gemeinsam haben wir erste Ideen für die Umsetzung entwickelt“, erzählt Sebastian Stojetz. Insgesamt waren über hundert Personen an der Produktion beteiligt, darunter auch die Juli-Schauspielerin Alina Stiegler. Die Finanzierung des Projekts war eine der Hürden, die das junge Team bewältigen musste. Letzten Endes übernahmen dies die TUM, die HFF, der FilmFernsehFonds Bayern sowie weitere Sponsoren. Am 4. Oktober dieses Jahres fand auf den Filmfest Hamburg dann die Weltpremiere statt. Online abrufbar ist die Serie seit dem 13. Oktober.

Web-Serie als Format fĂĽr die junge Zielgruppe

Insgesamt hat die erste Staffel der Serie „Technically Single“ fünf Folgen, die jeweils etwa zehn Minuten dauern, charakteristisch für so genannte Web-Serien. Für dieses Format haben sich die Macher ganz bewusst entschieden, da es gut zum veränderten Mediennutzungsverhalten junger Leute passe, so der Creative Producer. Die Folgen sind zeit- und ortsunabhängig online abrufbar. Entweder über die kostenpflichtige Online-Videothek Maxdome oder kostenlos auf der Internetseite des TV-Senders „Sixx“.

Scully-Effekt: „Akte X“ dient als Inspiration

Ein großes Ziel der Serie ist, junge Frauen stärker für Studiengänge im MINT-Bereich zu gewinnen, ein Ziel, was sich schon viele andere Projekte gesetzt haben. Die Macher von „Technically Single“ setzen dabei auf den aus den USA bekannten „Scully-Effekt“, der auf die Serie „Akte X – Die unheimlichen Fälle des FBI“ zurückgeht. Denn die Hauptfigur der Serie, Dana Scully, FBI-Agentin und Forensikerin, soll zahlreiche Mädchen und Frauen dazu ermutigt haben, Berufe in den Naturwissenschaften zu ergreifen oder sich in anderen eher männerdominierten Berufen zu behaupten.

Eine Studie des „Geena Davis Institute on Gender in Media“ belegte in diesem Jahr, dass TV-Serien tatsächlich Wirkung auf die Berufswahl von Personen haben können. So seien die Befragten, die die Figur der Dana Scully kannten, eher bereit, einen Beruf im MINT-Bereich zu ergreifen, als diejenigen, die sie nicht kannten.

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Mit einem Lügendetektor-Roboter verhört Juli ihren Ex-Freund Thorsten.

 

Maria Furtwängler spielt Professorin für Elektrotechnik

Die wohl namhafteste Schauspielerin der Serie ist Maria Furtwängler, vor allem bekannt als „Tatort“-Kommissarin in Niedersachsen. In „Technically Single“ spielt sie die Professorin für Regelungstechnik Ulrike Bornholm. „Produktion und Regie hatten von Anfang an die Idee, für diese Rolle Maria Furtwängler anzufragen. Sie hat ja an der TUM Medizin studiert“, erzählt Klaus Diepold. Furtwängler engagiert sich in diversen sozialen Projekten zur Stärkung von Mädchen und Frauen, gemeinsam mit ihrer Tochter gründete sie vor einiger Zeit die Stiftung „MaLisa“. 2017 war das Ergebnis einer von ihr initiierten Studie, dass Frauen in Film und Fernsehen immer noch deutlich unterrepräsentiert sind, was hohe Wellen in den Medien schlug. „Es war ein hoch gestecktes Ziel, eine der bekanntesten deutschen Schauspielerinnen für unsere Serie zu gewinnen. Umso mehr haben wir uns gefreut, als die Zusage kam“, so Diepold.

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Maria Furtwängler spielt Julis Professorin für Regelungstechnik und ermutigt sie, sich von ihren Problemen nicht unterkriegen zu lassen.

 

Serien und Soaps bislang ohne Naturwissenschaftler/innen

Nach einem Monat, in dem die Serie nun online zu sehen ist, habe es viel positive Resonanz von Zuschauern gegeben, so die Verantwortlichen der TUM. Auch die Initiative Nationaler Pakt fĂĽr Frauen in MINT-Berufen – „Komm, mach MINT“, findet die Idee einer solchen Web-Serie sehr gut. „Eine Webserie, die das oftmals stereotype Berufswahlverhalten von jungen Frauen und Männern in den Blick nimmt und mit diesen Stereotypen spielt, ist ganz in unserem Sinne“, so Christina Haaf von „Komm, mach MINT“. 2013 habe das Projekt „MINTiFF“ der Initiative gezeigt, dass sich Jugendliche gerade an Rollenbildern in deutschen Fernsehfilmen, Serien und Soaps orientieren. „Dort bleiben wissenschaftliche Berufsmilieus jedoch weitgehend ausgespart, Naturwissenschaftler und Naturwissenschaftlerinnen und Ingenieure und Ingenieurinnen sind so gut wie nicht vertreten“, sagt Haaf.

„Sturm des Wissens“

Ein ähnliches Ziel wie nun „Technically Single“ verfolgte die Serie „Sturm des Wissens“, die im Jahr 2013 von dem Fernsehsender „MV1“ ausgestrahlt wurde. Die Verantwortlichen wollten wissenschaftliche Themen in eine leichte Soap verpacken und so vor allem junge Frauen für naturwissenschaftliche und technische Fächer begeistern. Entwickelt und gedreht wurde die so genannte „Science-Soap“ von Studierenden in Rostock. 

Ob es in Zukunft ähnliche gemeinsame Projekte zwischen der TUM und der HFF geben wird, steht noch nicht fest. Auch eine zweite Staffel der Serie ist noch nicht geplant. Die Macher freuen sich erst einmal über die erste Staffel, Ideen gebe es aber genug, so Klaus Diepold. „Der Abschluss der ersten Staffel ist das erste Semester – das war der Bogen, den wir spannen wollten, und natürlich gäbe es noch ein paar weitere Semester“, sagt Tobias Grabmeier dazu und macht Hoffnung auf mehr.

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Juli (2.v.l.) und ihre Kommilitonen freuen sich über den Sieg beim „hackaTUM“.

 

/ Johanna Schulze

/ Bilder: Technically Single

 

gender2technik auf Instagram

Die „technikfreundinnen“ sind online

Technik – Gender – Journalismus hat jetzt auch einen Instagram-Account. Seit Juni 2018 sind die „technikfreundinnen“ online. Die Zielgruppe sind Mädchen zwischen 13 und 17 Jahren. In den Beiträgen besuchen wir Technik-Ferienprojekte für Mädchen und stellen Technik-Pionierinnen und Computerspiele wie beispielsweise Serena Supergreen vor. Mit Bildern versuchen wir zu zeigen, wie schön, spannend, kreativ und vor allem wie vielfältig Technik sein kann. Da auch sehr junge Mädchen angesprochen werden sollen, war uns zunächst das Thema „Wie bewege ich mich sicher auf Instagram?“ wichtig. Einmal in der Woche haben wir in unseren Stories einen Teilaspekt davon vorgestellt, zum Beispiel „Wie kann ich kontrollieren, wer meine Beiträge sieht?“, „Was mache ich, wenn mir jemand ständig nervige Nachrichten schickt?“ oder „Wie schütze ich mein Konto vor fremden Zugriffen?“.

Instagram und Youtube bei Mädchen beliebt

Hintergrund des Instagram-Accounts sind Gruppendiskussionen, die wir im Frühjahr 2018 an fünf Gymnasien der Region Bonn-Rhein-Sieg mit Mädchen der 7. und 8. Klassen zum Thema Technik geführt haben. „Wie können Journalistinnen und Journalisten so über Technik berichten, dass sie auch das Interesse von Mädchen wecken?“ wollten wir von ihnen wissen. Dabei haben uns die Mädchen einen Einblick in ihr Verständnis von Technik gegeben und davon berichtet, welche Medien sie auf welche Art und Weise nutzen. Das Videoportal Youtube und der Foto-Blogger-Dienst Instagram stehen dabei ganz oben auf der Liste der genutzten Medien. Bei Youtube suchen die Mädchen gezielt auch nach Tipps und Tricks zu technischen Themen.
Die Gruppendiskussionen haben zudem gezeigt, dass gemeinsame Interessen in der Peer Group sehr wichtig sind. Interessiert man sich für die Reparatur des eigenen Smartphones, möchte man die Fragen und Infos dazu auch mit den Freundinnen teilen. Anhand dieser Erkenntnisse ist der Name unseres Accounts „technikfreundinnen“ (LINK: https://www.instagram.com/technikfreundinnen/) entstanden.technikfreundinnen_screenshot

Kreativ mit Technik

Der Instagram-Account ergänzt die bisherige Social-Media-Präsenz unseres Projekts. Dabei richten wir uns, anders als bei Facebook und Twitter, an junge Mädchen, die wir mit interessanten Beiträgen für das Thema Technik begeistern möchten. Wir wollen zeigen, wie vielfältig Technik sein kann, wo sie überall zu finden ist und dass Frauen genauso gut Technik entwickeln können wie Männer. Der Account wird bereits jetzt von über hundert Nutzern und Nutzerinnen abonniert, unter anderem auch von Projekten, die ebenfalls technisches Interesse bei Mädchen wecken wollen.

/Paulina Zacharias

Foto: Paulina Zacharias

Staunen an der Wasserstrahlschneidemaschine

Als Produktdesignerinnen haben sich zehn Mädchen im Alter von 10 bis 13 Jahren in den Herbstferien an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg betätigt. Mit einem CAD-Programm haben sie Wanduhren, etwa ein Schiff, eine Eule, einen Schmetterling oder den Big Ben, entworfen und per Schneidemaschine aus Styropor ausgeschnitten und gestaltet.

Vor der Arbeit an den eigenen Werken stand ein Besuch in der Maschinenhalle des Fachbereichs Elektrotechnik, Maschinenbau und Technikjournalismus auf dem Programm. An der Wasserstrahlschneidemaschine hat ihnen der Wissenschaftliche Mitarbeiter Sascha Breuer gezeigt, wie Metallformen, die ebenfalls per CAD entworfen worden sind, geschnitten werden.

Auch fĂĽr die kommenden Osterferien hat Gesche Neusel, Mitarbeiterin der Gleichstellungsstelle der Hochschule und zuständig fĂĽr die „Girls explore technidsc_0370cs together“-Kurse (GETogether), bereits wieder ein Programm zuammengestellt: Es werden Roboter gebaut und anschlieĂźend programmiert.

 

 
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Get Together-Kurse werden am Standort Sankt Augustin in der ersten Osterferienwoche für die Klassen 5-7, in der zweiten für Mädchen ab Klasse 8 angeboten. Informationen erteilt Gesche Neusel; E-Mail: gesche.neusel@h-brs.de;  Telefon: +49 2241 865 795.

/ske

Links:

Informationen zu den Get Together-Ferienprojekten an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg

Fotos: Gesche Neusel

Von der Akustik zum Hörspiel

zdi-Ferienlabor an der Hochschule-Bonn-Rhein-Sieg

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Foto: Sven Flessing

Wie nehmen wir Menschen mit unseren Ohren Schallwellen wahr? Und wie verarbeiten wir diese in unserem Gehirn zu Klängen und Tönen? Diesen Fragen sind zwölf Mädchen und Jungen in einem Ferien-Forscherlabor an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg nachgegangen. Dem Thema „Akustik“ haben sie sich in der ersten Ferienwoche in vielen Experimenten genähert: so etwa durch einen Geräuschespaziergang durch die Hochschule und den Bau von einfachen Musikinstrumenten. Zum Abschluss haben die Nachwuchsforscherinnen und -forscher im Hörfunk-Studio am Campus Sankt Augustin das Hörspiel „Der Schatz der Stille“ aufgenommen und hierbei nicht nur die Technik bedient und die verschiedenen Rollen gesprochen, sondern als Geräuschemacherinnen und -macher auch galoppierende Pferde, Schritte im Laub, Meeresrauschen und Hagel zu Gehör gebracht.

Ferienlabore fĂĽr SchĂĽlerinnen und SchĂĽler im Rahmend der nordrhein-westfälischen Initiative „Zukunft durch Innovation“ (zdi) werden von der Gleichstellungsstelle der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg schon seit 2008 Jahren angeboten. FĂĽr die Ideen und deren Umsetzung ist Ingrid KĂĽsgens verantwortlich.

/ske