Traumfigur und schmale Taille?

Technikberichterstattung aus MĂ€nnerperspektive

Wir haben uns ja mit diesem Blog vorgenommen, nicht nur ĂŒber das Thema „Frauen und MĂ€nner und Technik“ zu informieren, sondern auch die Technikberichterstattung kritisch unter die Lupe zu nehmen. Ein Beispiel fĂŒr einen aus meiner Sicht nicht gendergerechten Journalismus lieferte unlĂ€ngst ein Student, der sich mit einer Reportage dem italienischen Motorroller Vespa gewidmet hat. Dieser kam 1946, also vor genau 70 Jahren auf den Markt. Hier der Teaser zu seinem Beitrag:

70 Jahre und noch immer eine Traumfigur. Mit schmaler Taille und wohlgeformtem Hintern zieht die Vespa auch heute noch viele Blicke auf sich. 2016 feiert sie ihren runden Geburtstag. Lernt man die Fahrer der zweirÀdrigen Wespe kennen, zeigt sich schnell, dass die alte Dame mehr kann als gut auszusehen: Sie verbindet Menschen.

Meine Nachfrage unter den Studentinnen und Studenten in der nĂ€chsten Redaktionssitzung ergab, dass dieser Texteinstieg bei den jungen Frauen und MĂ€nnern gleichermaßen Anklang fand: Er wĂŒrde wirklich dazu animieren, die Reportage zu lesen. Zugegeben: Vespa heißt im Italienischen und Lateinischen nun mal Wespe. Weibliche Namen fĂŒr Fahrzeuge sind ja erst einmal nicht verkehrt. Und Maschinen in der Berichterstattung zu personalisieren, ist durchaus ein gĂ€ngiges journalistisches Mittel, um mehr Aufmerksamkeit zu erzeugen. Warum dann von einer Vespa nicht als 70-jĂ€hrige alte Dame sprechen? Was meinen Unmut heraufbeschworen hat, war eher, dass die 70-JĂ€hrige eine „Traumfigur“ hat und aufgrund ihrer körperlichen Reize immer noch „viele Blicke“ auf sich zieht.

Wie sehr hier mit stereotypen (mĂ€nnlichen) Vorstellungen von Weiblichkeit gearbeitet wird, wird erst deutlich, wenn man Ă€hnlich stereotyp gĂ€ngige mĂ€nnliche Schönheitsideale verarbeitet. Stellen wir uns den inzwischen in die Jahre gekommenen Opel Senator vor (Produktionszeitraum 1978 bis 1993), heute noch als Gebrauchtwagen erhĂ€ltlich. Ein vergleichbarer Teaser wĂŒrde dann in etwa so lauten:

Fast 40 Jahre und noch immer eine Traumfigur. Mit breiten Schultern und knackigem Heck zieht der Senator auch heute noch viele Blicke auf sich. 2018 feiert er seinen runden Geburtstag. Spricht man mit den Fahrerinnen des vierrÀdrigen Oberklasse-Modells, zeigt sich schnell, dass der stattliche Mann im besten Alter mehr kann als gut auszusehen: Er geht auch heute noch aus jedem Wettbewerb als Sieger hervor.

ske

Sinnvolle Technik

Klein, rund und sĂŒĂŸ war gestern – Frauen achten beim Autokauf vor allem PraktikabilitĂ€t und Sicherheit

Achtzig Prozent aller Auto-Kaufentscheidungen werden von Frauen getroffen oder zumindest beeinflusst, so das Ergebnis einer Studie des japanischen Automobilherstellers Nissan. Anders als MĂ€nner entscheiden sich Frauen meist fĂŒr ein Familienauto, das auf  lĂ€ngere Sicht allen AnsprĂŒchen gerecht wird. So ist es ihnen beispielsweise wichtig, dass auch die Kinder einfach ein- und aussteigen können. Auch die UmweltvertrĂ€glichkeit und ein gutes Preis-Leistungs-VerhĂ€ltnis spielen beim Kaufprozess eine große Rolle. Weibliche Kunden legen zudem Wert auf eine geschmackvolle Innenausstattung und achten beim Fahrersitz vor allem auf eine erhöhte Sitzposition. Frauen behalten eben immer gerne den Überblick.

/kim