MINT-StudiengĂ€nge fĂŒr Frauen

Pro und Contra FrauenstudiengÀnge

Frauen sind in MINT-StudiengĂ€ngen immer noch unterreprĂ€sentiert. Dies bestĂ€tigen die Daten des Statistischen Bundesamtes. 2014 waren in den Ingenieurwissenschaften nur knapp ĂŒber 24 Prozent der StudienanfĂ€nger Frauen.

Doch auch hier gibt es Unterschiede: Elektrotechnik ist mit 14,3 Prozent StudienanfĂ€ngerinnen das mĂ€nnerlastigste Fach, wĂ€hrend es in Mathematik und Chemie ĂŒber 40 Prozent Frauen gibt.

Selbstvertrauen aufbauen

Eine mögliche Antwort auf den geringen Frauenanteil sind StudiengĂ€nge nur fĂŒr Frauen. Mit diesem monoedukativen Ansatz soll das Selbstvertrauen der StudienanfĂ€ngerinnen in ihre technischen FĂ€higkeiten gestĂ€rkt werden. Denn die Überzahl an mĂ€nnlichen Studierenden im MINT-Bereich macht vielen Frauen zu schaffen. FĂŒr sie ist das Studium so eine grĂ¶ĂŸere Herausforderung, da sie oft zwischen dem Ideal des typischen mĂ€nnlichen Ingenieurs und weiblichen Rollenbildern hin und her gerissen sind. Außerdem fallen Frauen in den technischen StudiengĂ€ngen stĂ€rker auf und es mangelt an weiblichen Vorbildern, so genannten ‚role models‘, die zur Orientierung wichtig wĂ€ren.

Entspannt lernen

Ein Hintergrundgedanke monoedukativer StudiengĂ€nge ist es, fĂŒr Frauen eine entspannte LernatmosphĂ€re zu schaffen. Viele werben damit, dass sie keine technischen oder naturwissenschaftlichen Vorkenntnisse erwarten. Dies soll die Hemmschwelle fĂŒr StudienanfĂ€ngerinnen weiter senken. Einzig Interesse und Begeisterung sind Vorraussetzung fĂŒr den Studienanfang. Die Studieninhalte sind letztlich aber dieselben, die auch ihre mĂ€nnlichen Kommilitonen bewĂ€ltigen mĂŒssen.

ZusĂ€tzlich bieten einige StudiengĂ€nge Mentorinnen-Programme an. Hier können StudienanfĂ€ngerinnen Kontakte mit fortgeschrittenen Semestern und Absolventinnen knĂŒpfen und so unter UmstĂ€nden ihr persönliches ‚role model‘ finden.

Vorurteile und Entwicklungspotenzial

FrauenstudiengĂ€nge kommen nicht bei jedem gut an. Aufgrund des monoedukativen Modells werden Absolventinnen oft weniger wertgeschĂ€tzt als ihre koedukativen Kommilitoninnen. Ausschlaggebend dafĂŒr sind nicht die Studieninhalte. Oft wird angenommen, dass sich Absolventinnen im spĂ€teren Berufsleben nicht gegenĂŒber ihren mĂ€nnlichen Kollegen durchsetzen könnten.

Durch die entspannte LernatmosphÀre stÀrken die Frauen jedoch ihre fachlichen Kompetenzen und damit auch ihr Selbstvertrauen. Treffen sie dann auf mÀnnliche Kollegen, haben sie genug Selbstbewusstsein und ernten Respekt, so Professorin Gerlinde Schreiber von der Hochschule Bremen. Zudem sind FrauenstudiengÀnge sehr individuell aufgebaut. Einige Studentinnen sind bis zum Abschluss unter Frauen und in anderen StudiengÀngen werden die Studentinnen nach wenigen Semestern in den koedukativen Studiengang integriert. Manche haben auch von Beginn an einzelne FÀcher zusammen mit mÀnnlichen Kommilitonen.

Regine Komoß kommt in ihrer Dissertation „FrauenstudiengĂ€nge – zwischen Vorteil und Vorurteil“ zu dem Schluss, dass FrauenstudiengĂ€nge viele Vorteile bieten, sich jedoch noch in der Entwicklung befinden :

 „Entscheidend wird sein, wie mit diesen Vorurteilen umgegangen wird, ob es gelingt, sich auch lĂ€ngerfristig als qualitativ hochwertige Studienangebote zu etablieren und ob sich FrauenstudiengĂ€nge damit ein eigenes fachlich anerkanntes Profil verschaffen können. FrauenstudiengĂ€nge sind aber zu diesem Zeitpunkt als ein innovatives Zukunftsmodell mit hohem Entwicklungspotential zu werten.“(S. 276 f.)

MINT-FrauenstudiengĂ€nge im Überblick

MĂ€nner fĂŒr soziale Berufe

Neben der Forderung, Frauen in technische Berufe zu bringen, steht oft auch der Wunsch MĂ€nner fĂŒr die sozialen Bereiche zu begeistern. Diesen Ansatz verfolgt das Portal „Neue Wege fĂŒr Jungs“.  Es ist ein bundesweites Netzwerk und Fachportal zur Berufswahl und Lebensplanung von Jungen und versucht sie zum Beispiel mit dem Boys‘ Day fĂŒr soziale Berufe zu gewinnen.

Quellen

Regine Komoß (2005): FrauenstudiengĂ€nge – zwischen Vorteil und Vorurteil. UniversitĂ€t Dortmund. https://eldorado.tu-dortmund.de/bitstream/2003/23259/4/Dissertation.pdf

Lisa Oenning (28.04.2016): Angehende IT-Expertinnen unter sich. In der Wirtschafts Woche. http://www.wiwo.de/erfolg/campus-mba/frauen-studiengaenge-angehende-it-expertinnen-unter-sich-/13514736.html

Merle Schmalenbach, dpa (20.01.2011): Frauen-StudiengĂ€nge: MĂ€nner mĂŒssen draußen bleiben. In Spiegel Online, Unispiegel.http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/frauen-studiengaenge-maenner-muessen-draussen-bleiben-a-736153.html

Janna Degener (30.06.2015): FrauenstudiengÀnge in Deutschland. In Studis Online. http://www.studis-online.de/Studienfuehrer/frauenstudiengaenge.php

komm mach MINT: Daten zu StudienanfÀngerinnen in technisch-naturwissenschaftlichen Studienbereichen 2014. http://www.komm-mach-mint.de/Service/Daten-Fakten

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