Professorin Dr. Carmen Leicht-Scholten engagiert sich für das Thema soziale Verantwortung von Ingenieurinnen udn Ingenieuren

Soziale Verantwortung von Ingenieurinnen und Ingenieuren

Carmen Leicht-Scholten ist ganz in ihrem Element: Mit der nötigen Freiheit durch Headset und Laserpointer ausgestattet durchquert sie den Raum hinter dem Rednerpult von rechts nach links. Sie spricht engagiert und schnell. Immer wieder unterbricht sie ihren Vortrag durch Fragen an die angehenden Ingenieur/-innen und Technikjournalist/-innen der Hochschule Bonn-Rhein Sieg, nimmt deren Einschätzungen und Fragen auf und entwickelt so zusammen mit dem Auditorium das Thema ihres Vortrags: Die soziale Verantwortung von Ingenieurinnen und Ingenieuren.

Damit lebt die Professorin der RWTH Aachen die zentrale Botschaft ihres Vortrags am 28. Juni quasi vor: Ja, Ingenieurinnen und Ingenieure haben insbesondere in einer Zeit, in der die Technik unser aller Leben immer mehr durchdringt, auch eine soziale Verantwortung. Dieser gerecht zu werden, ist aber gar nicht so schwer: Möglichst viele und unterschiedliche gesellschaftliche Gruppierungen sollten beteiligt werden, wenn etwa Ideen zu den Funktionalitäten von Smart Homes entwickelt und erste Umsetzungen diskutiert werden.

EU-Konzept Responsible Research and Innovation

Mit ihren Thesen ist die Inhaberin der sogenannten Brückenprofessur für Gender und Diversity in den Ingenieurwissenschaften nicht allein. Sie weiß sogar die EU-Kommission hinter sich. Denn diese hat im Zuge der Entwicklung des bald auslaufenden Europäischen Forschungsrahmenprogramms Horizon 2020 das Konzept für „Responsible Research and Innovation (RRI)“ ausgearbeitet. Auf einer eigenen Website werden die sechs normativen Richtlinien der RRI erläutert und Umsetzungsszenarien aufgezeigt: Ethik, Gleichstellung der Geschlechter, Unternehmensführung mit geteilter Verantwortung, freier Zugang zu wissenschaftlichen Erkenntnissen, aktive Einbeziehung der Bürger/-innen in Forschungs- und Entwicklungsprozesse und entsprechende Bildung, die sie hierzu in die Lage versetzt.

Der normativer Rahmen für RRI: Ethik, Gleichberechtigung der Geschlechter, Regierung, offener Zugang, öffentliches Engagement und naturwissenschaftliche Ausbildung

Die Leitlinien des Resposible Research and Innovation-Konzepts (RRI), Quelle: RRI-Toolkit, rri-tools.eu

Ethik-Grundsätze des Vereins Deutscher Ingenieure

Doch auch auf deutscher Ebene hat die Professorin Rückendeckung. Sie wirft die Ethischen Grundsätze des Ingenieurberufs des VDI (Verein Deutscher Ingenieure) an die Wand, und es entsteht der Eindruck, dass manch eine/r staunt, als er oder sie dort liest, Ingenieure und Ingenieurinnen sollten nachhaltige Lösungen und sinnvolle Entwicklungen vorantreiben und sich ihres Handelns in technischer, gesellschaftlicher, ökonomischer und ökologischer Sicht bewusst sein. Sie sollten fach- und kulturübergreifend über Wertevorstellungen diskutieren und sich zur ständigen Weiterbildung verpflichten. Leicht-Scholten konstatiert nüchtern: „Die Leitlinien zur sozialen Verantwortung von Ingenieurinnen und Ingenieuren sind da; es kennt sie nur keiner.“ Daher ist es ihr Anliegen, diese in Ausbildung und Studium zu verankern.

Diverse Crash-Test Dummys

Hierbei ist der Professorin qua ihrer Denomination die Berücksichtigung diverser Bedürfnisse an die Technikentwicklung besonders wichtig. Sie erläutert dies anhand des bekannten, aber sehr einleuchtenden Beispiels von Crash-Test Dummys. Die Position der Autogurte orientierte sich zunächst an einem 80 Kilogramm schwerer Durchschnitts Mann, und bot damit vielen, die dieser Norm nicht entsprachen, keinen Schutz, sondern war vielmehr gefährlich (wie z.B. für schwangere Frauen). Mittlerweile gibt es unterschiedliche Dummies, die die Proportionen von Männern, Frauen und Kindern, kleinen und großen Menschen wiedergeben und dadurch zu mehr Sicherheit für alle führen. Ein Team aus diversen Entwickler/-innen hätte vielleicht eher ein Gurtsystem entwickelt, das verschiedenen Körpergrößen, Geschlechtern und Proportionen angepasst ist, so die Gender- und Diversity-Expertin.

Lösungen durch Dialog

Ingenieur/-innen, die ihre Verantwortung in der Gesellschaft aktiv gestalten, sollten sich also fragen wer ihre Produkte anwenden wird. Zusätzlich könnten sie ihre Anwender/-innen fragen, welche Wünsche sie an eine neue technische Entwicklung haben. Dies ist insbesondere bei den großen gesellschaftlichen Herausforderungen, wie Globalisierung, Klimawandel und Ressourcenknappheit, neue Arbeitsformen durch Digitalisierung oder weltweite Gesundheit, von Bedeutung. In anderen Ländern, wie den USA, ist man hier schon weiter, so Leicht-Scholten. Aber auch deutsche Unternehmen, die international agieren, haben sich dem Konzept der verantwortungsvollen Forschung und Technologie-Entwicklung verschrieben. „In meine Vorlesungen lade ich gerne  Personalverantwortliche großer international agierender Unternehmen ein“, berichtet die Professorin, „diese erklären den Studierenden dann, welchen Mehrwert dies für das Unternehmen hat: Stärkung der Glaubwürdig- und Innovationsfähigkeit sowie Wettbewerbsfähigkeit durch ein Alleinstellungsmerkmal. Umgekehrt ermuntert sie die angehenden Ingenieur/-innen, nach den Ethik-Regeln eines Unternehmens zu fragen, wenn sie sich dort bewerben.

Deutscher Ethik-Rat ohne Ingenieur/-innen

Noch hat auch die Politik Ingenieurinnen und Ingenieure offenbar nicht als potenzielle Ratgeber/-innen bei ethischen Fragen entdeckt. Und es bedarf gefühlt sieben Antworten der Studierenden auf die Frage, wer aus ihrer Sicht im Deutschen Ethikrat sitzen sollte, bis zuletzt eine Studentin auf die Idee kommt, dass ein Ingenieur oder eine Ingenieurin doch auch dazu gehören sollte. „Fehlanzeige“, löst Leicht-Scholten die aufgekommene Spannung auf, „bis heute sind dort noch keine Ingenieurinnen und Ingenieure vertreten“.

Carmen Leicht-Scholten war eine der Vortragenden der Ringvorlesung zur Technik- und Umweltethik an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, die sich im Sommersemester 2018 dem Thema „CO2-Entzug – Climate Engineering – Negativemissionen“ gewidmet hat. Weitere Informationen zu der von Professorin Dr. Katharina Seuser seit 2013 jährlich organisierten Ringvorlesung finden Sie unter www.technik-umwelt-ethik.de.

/ske/dmi

Foto: dmi

Grafik: Fundación Bancaria „la Caixa“: RRI -Tools, European Project for Responsible Research and Innovation Toolkit. Online unter: https://www.rri-tools.eu/de

 

Gender Studies als kritische Wissenschaft

Warum gibt es eigentlich diesen Blog und warum betreiben wir Geschlechterforschung? Auch wir wollen anlässlich des Aktionstages #4genderstudies am 18. Dezember 2017 erläutern, wozu wir arbeiten und forschen und warum es sich bei den Gender Studies um eine Wissenschaft handelt.

Wir lehren und forschen in einem interdisziplinären Fachbereich, in dem die Studiengänge Elektrotechnik, Maschinenbau und Technikjournalismus angeboten werden. Die angehenden Technikjournalistinnen und –journalisten sollen lernen, Technik multimedial und gut verständlich zu vermitteln. Zugleich erwarten wir von ihnen eine kritische Begleitung neuer technischer Entwicklungen. Sie sollen ihren Userinnen und Usern dabei helfen, die Bedeutung künstlicher Intelligenz für die Gesellschaft einzuschätzen, aber auch erklären, wer wieviel Geld in welche technischen Entwicklungen investiert und welche Interessen damit verbunden sind.

Die Gender Studies helfen mit ihrem analytischen und kritischen Blick dabei, genau diese Fragen zu stellen und zu beantworten: Exemplarisch für viele andere Kategorien, die unsere Gesellschaft strukturieren, zeigen sie: Nicht jede technische Entwicklung kommt gleichermaßen Jungen und Alten, Menschen aus unterschiedlichen Kulturen oder Männer und Frauen zugute. Und diejenigen, die Forschungsgelder in Technik investieren, tun dies nicht immer zum Wohle aller Mitglieder einer Gesellschaft.

Auf einer pragmatischen, durchaus wirtschaftlich nutzbaren Ebene können die Gender Studies aber auch dabei helfen, Deutschland innovativer zu machen und das Potenzial und die Ideen von Frauen dabei zu nutzen. Und das ist nötig: An der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg studierten im Wintersemester 2016/17 im BA-Studiengang Elektrotechnik 7,6 Prozent Frauen und im Maschinenbau 10,3 Prozent. Laut einer OECD-Studie von 2015 können sich lediglich 15 Prozent der Eltern in Deutschland für ihre Tochter einen Ingenieurberuf vorstellen. Dagegen sehen 40 Prozent in ihrem Sohn den Ingenieur in spe. Aber auch zu den Leser/-innen der Zeitschrift Technology Review zählen nur 10 Prozent Frauen und unter den zehn angesagtesten deutschen Technik-Youtubern gibt es nur ein Team, das aus einer jungen Frau und einem jungen Mann besteht. Die anderen neun Kanäle, die der Corporate Blog Magix im Juli 2016 vorgestellt hat, werden von jungen Männern produziert.

Mit Hilfe der Gender Studies fragen wir, warum Technik in Deutschland immer noch überwiegend mit Männlichkeit konnotiert wird und sich dies auch in der Mediennutzung widerspiegelt. Wir analysieren die Technikberichterstattung deutscher und internationaler Medien und fragen, welche Technikbilder hier vermittelt werden.

In Lehrforschungsprojekten entwickeln wir Ideen für eine Technikberichterstattung, die Technik nicht nur in „männliche“ Lebenszusammenhänge, sondern genauso in „weibliche“ einbettet. Dabei verstehen wir „Männlichkeit“ und „Weiblichkeit“ als Kategorien, die ständigen Verschiebungen und Veränderungen unterliegen und nicht essentialistisch festgelegt sind. Ein Beispiel sind unsere Fotoreportagen mit Ingenieurinnen. Unserer Studierenden haben sie mit der Kamera begleitet und nach ihrem Technikverständnis gefragt:

Zu den Fotoreportagen „So sehen Ingenieurinnen aus

/kim/ske

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) berichtet über verschiedene Technikthemen in ihrem Ressort Technik und Motor.

Männer erklären Technik

Bachelorthesis zeigt: Im FAZ-Ressort Technik & Motor sind Journalistinnen unterrepräsentiert

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) berichtet im Ressort Technik & Motor von Computerthemen über Technik und Umwelt bis hin zu Themen aus dem Automobilbereich. Doch wie viele Journalistinnen schreiben in diesem Ressort und wie viele Expertinnen kommen zu Wort? Mithilfe einer empirischen Untersuchung ist Vanessa Hömig, Absolventin des Studiengangs Technikjournalismus/PR der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, diesen Fragen im Sommersemester 2016 nachgegangen. Ihr Ergebnis: Sowohl als Autorinnen, vor allem aber als Expertinnen kommen Frauen in der Berichterstattung selten vor.

Die quantitative Inhaltsanalyse umfasste Artikel aus einem Zeitraum von vier Monaten (Januar bis April 2016). Sie zeigte, dass der Anteil der Autorinnen sehr gering ausfällt. Nur 11 von 220 Artikeln wurden von Journalistinnen verfasst. Die insgesamt sechs schreibenden Frauen entsprechen in dieser Analyse einem Anteil von knapp fünf Prozent. Dabei geht man über alle Medien und Ressorts hinweg inzwischen von einem Journalistinnenanteil von etwa 40 Prozent aus. Zudem haben die Journalistinnen nur für zwei der vier Onlinerubriken der FAZ geschrieben: „Auto & Motor“ und „Umwelt & Technik“. In den Rubriken „Audio & Video“ und „Computer & Internet“ stammte im Untersuchungszeitraum kein Artikel von einer Frau.

Die Analyse von Vanessa Hömig ergab zudem, dass sowohl Journalisten als auch Journalistinnen in ihren Artikeln hauptsächlich männliche Experten zu Wort kommen lassen. Nur eine von 22 erwähnten Expert/-innen war eine Frau. Der äußerst geringe Anteil an Expertinnen in den Artikeln macht es Leserinnen vermutlich schwerer, sich mit den handelnden Personen zu identifizieren. Insgesamt vermitteln die journalistischen Beiträge dieses Ressorts immer noch den Eindruck,  dass Technik eher eine Männerdomäne ist.

/dmi

Bachelorthesis: Vanessa Marlene Hömig (2016): Technikjournalismus: eine Männerdomäne? Eine Analyse des Ressorts Technik & Motor der Frankfurter Allgemeinen Zeitung unter besonderer Berücksichtigung der Journalistinnen. Studiengang Technikjournalismus/PR der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg.

Foto: Keil

 

Gestik Tagung 2017

Aktuelle Herausforderungen der Geschlechterforschung

Vom 28.09. bis 30.09. findet die Gestik Tagung in der Universität zu Köln statt. Die Tagung ist die erste Kooperation der wissenschaftlichen Einrichtung für Gender Studies in Köln (GeStiK) und der Universität zu Köln. Inhaltlich werden die aktuellen Herausforderungen der Geschlechterforschung angesprochen. Auch wir, „gender2technik“, sind dabei und stellen unsere aktuellen Forschungsergebnisse zu einer gendergerechten Technikberichterstattung vor.

Das aktuelle Tagungsprogramm ist als pdf über folgenden Link erhältlich: Programm der Tagung „Aktuelle Herausforderungen der Geschlechterforschung“

Eine Anmeldung für die Konferenz ist über die Universität Köln möglich. Anmeldeschluss ist der 31. August: Anmeldeformular für die GeStiK

/dmi

Die Beiträge mit dem Thema Technik auf dem studentischen Ausbildungsportal Technikjournal sind zum großen Teil mit Alltagsthemen verknüpft. Dadurch wird Technik Männern und Frauen auf interessante Weise näher gebracht.

Technikjournal auf dem Prüfstand

Technikjournal.de: Vorbild für gendergerechten Journalismus?

Im Online-Magazin „technikjournal.de“, einem Ausbildungsportal des Studiengangs „Technikjournalismus“ an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, publizieren die Studierenden multimediale Berichte zu Technik- und Umweltthemen. Doch wie gendergerecht berichtet technikjournal.de über Technik? Wie viele junge Frauen und Männer schreiben hier über technische Themen und wie viele Technik-Expertinnen kommen in den Beiträgen zu Wort?  Im Wintersemester 2016/17 sind Studierende im Projekt “Technikjournal auf dem Prüfstand” auch dieser Frage mithilfe einer empirischen Untersuchung nachgegangen. Marcel Tittko und Marvin Sommershof schildern im Folgenden ihre Erfahrungen und Ergebnisse.

Gendergerechtigkeit im Technikjournalismus

Das Thema Gendergerechtigkeit im Journalismus beschäftigt Fachleute seit einiger Zeit. Dadurch war klar, dass eine entsprechende Untersuchung auch Teil eines Prüfstandes für die Lehrredaktion der Hochschule, das “Technikjournal” sein muss.

Der erste Schritt war die Aufarbeitung der bereits vorhandenen Ergebnisse anderer Autoren. Das Wiki der Hochschule zum Thema Gendergerechtigkeit erwies sich in diesem Zusammenhang als essenziell. Schwierig war hierbei der Begriff des “Technikjournalismus”. Denn die Untersuchungen und Studien beziehen sich in vielen Fällen entweder auf Gendergerechtigkeit im Ingenieurberuf oder im Journalismus. Beide Bereiche hatten jedoch eines gemeinsam: Frauen waren im Vergleich mit ihren männlichen Kollegen in der Unterzahl. Und die Gründe waren vielfältig. Ein durch Männer geprägtes Umfeld und ungleiche Bezahlung sind dabei nur zwei von vielen.

Frauen, Männer und Technik

Nach der Sichtung der allgemeinen Ergebnisse wurden die Artikel des Technikjournals unter Zuhilfenahme eines Kodierbuchs einzeln begutachtet. Untersucht wurden Artikel aus dem Zeitraum vom Sommersemester 2015 bis zum Sommersemester 2016. Bei der Analyse ging es unter anderem um die Darstellung von Frauen, Männern und Technik in Fotos, die Expertenwahl und das Geschlecht der Autoren. Hinzu kam der Studienschwerpunkt (Umwelt- oder Ingenieurwissenschaften). Mit dem IBM-Tool SPSS und der quelloffenen Alternative PSPP wurden die Daten ausgewertet und grafisch aufbereitet. Im Folgenden ein kurzer Überblick über die Ergebnisse.

Viele Autorinnen, wenig Expertinnen

Im Ressort Technik arbeiten nach wie vor überwiegend Journalisten. Das ist beim Ausbildungsportal technikjournal anders: Mit etwa 40 Prozent entspricht der Frauenanteil unter den Autoren und Autorinnen hier sogar dem für Deutschland geschätzten Journalistinnen-Anteil über alle Ressorts hinweg.

Bei den in den Beiträgen zu Wort kommenden Expertinnen und Experten überwiegen allerdings sowohl in den Texten als auch in Fotos und Videos ganz klar Männer. So kann etwa für die in den Texten erwähnten Fachleute festgehalten werden, dass Männer etwa doppelt so häufig technische Zusammenhänge erklären und einordnen können wie Frauen.

Der geringe Frauenanteil in der Berichterstattung deutet ein Problem an: Wenn erheblich mehr Männer als Technik-Experten zu Wort kommen, erscheint der Eindruck, dass Technik eher etwas für Männer ist. Wenn Technik-Expertinnen nicht oder nur wenig präsent in den Medien sind, fehlt eine Vorbildfunktion für junge Frauen, die unschlüssig sind, ob sie sich für einen technischen Beruf entscheiden sollten.

Positiv zu werten ist wiederum, dass in mehr als 80 Prozent der Beiträge der Nutzen von Technik im privaten Alltag thematisiert wird. Damit dürfte die Berichterstattung im Online-magazin „Technikjournal“ Frauen wie Männer gleichermaßen ansprechen.

Technikjournalismus ist Vorbild für andere Berufsfelder

Aber zurück zu den Autorinnen und Autoren: Die Frauenanteile in den journalistischen Studiengängen und selbst im Fach Technikjournalismus, das vor wenigen Jahren noch überwiegend von jungen Männern gewählt wurde, zeigen, dass sich eine Frauenquote von 50 Prozent auch im Technikjournalismus realisieren ließe. Gleichzeitig kann ein interdisziplinärer Studiengang wie Technikjournalismus durch die Abdeckung journalistischer und technischer Kompetenzen junge Frauen und Männer ausbilden, die sich sowohl für Technik als auch für deren Vermittlung interessieren.

/Marcel Tittko und Marvin Sommershof editiert von ske

Grafiken von gender2technik auf Grundlage der Daten von Marcel Tittko und Marvin Sommershof 

Mikrobiologin im Labor beim Pipetieren. Forschungsarbeit einer Wissenschaftlerin.

Lesetipp: Darwins Schwestern

Vorreiterinnen der Biologie

Anlässlich des internationalen Tags der biologischen Vielfalt am 22. Mai hat „gender2technik“ einen Lesetipp für alle, die gerne mehr über Vorreiterinnen aus dem biologischen Forschungsfeld wissen möchten:

Fischer, Gudrun (Hg.) (2009): Darwins Schwestern: Porträts von Naturforscherinnen und Biologinnen. Orlanda Frauenverlag.

Darwin ist weltweit bekannt als Forscher und Entdecker der Welt. Doch nur wenig ist bekannt über Entdeckerinnen, obwohl sie schon seit Jahrhunderten Expeditionen unternehmen und Flora und Fauna erforschen und katalogisieren. Diese Frauen stehen Darwin in nichts nach, bekamen jedoch nicht die gebührende Anerkennung aufgrund ihres Geschlechts. Das im März 2009 erschienene Buch der Herausgeberin Gudrun Fischer portratiert diese Pionirinnen und Naturforscherinnen. Neben bereits verstorbenen Vorreiterinnen, wie Maria Sibylla Merian, die von 1647-1717 lebende Insektenkundlerin, stellt sie auch weibliche Vorbilder der heutigen Zeit vor, wie die Entwicklungsbiologin Christiane Nüsslein-Volhard. Trotz unterschiedlicher Autorinnen gelingt es, die Leidenschaft der Forscherinnen wiederzugeben.

Foto: Pixabay.com / FotoshopTofs

Letzte Änderung: 23.05.2017

/dmi

 

Gender und Technik Literatur, eine Auflistung von wissenschaftlichen Beiträgen zum Thema Gender und Technik.

Gender und Technik Literatur

Welttag des Buches und des Urheberrechts

Der 23. April wurde weltweit als Tag des Buches und Urheberrecht gefeiert. Dies nimmt sich „gender2technik“ zum Anlass, um auf Literatur zum Thema Gender und Technik aufmerksam zu machen. Diese Literaturliste wurde im Projekt „Technik-Frauen-Journalismus“ 2014 unter der Leitung von Prof. Dr. Susanne Keil und Dr. Nina Leonhardt an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg zusammengestellt und dient als wissenschaftliche Grundlage des Projekts „Gendergerechter Technikjournalismus“.

Aldag, Isabell (2003): Technikberichterstattung in Frauenzeitschriften. Eine Analyse der Zeitschriften „Brigitte“, „Cosmopolitan“, „Freundin“, „Für Sie“ und „Glamour“ im Zeitraum 2002/2003. Unveröffentlichte Diplomarbeit, Hochschule Bonn-Rhein-Sieg.

Bath, Corinna/Schelhowe, Heidi/Wiesner, Heike (2008): Informatik: Geschlechteraspekte einer technischen Disziplin. In: Becker, Ruth/Kortendiek, Beate (Hrsg.): Handbuch Frauen- und Geschlechterforschung. Theorie, Methoden, Empirie. Geschlecht & Gesellschaft, Band 35, 2. Erweiterte und aktualisierte Auflage, Wiesbaden: VS-Verlag für Sozialwissenschaften, 821-833.

Bertram, Bärbel (2012): Lippenstift und Motoröl. Eine Untersuchung zur Technologiekompetenz weiblicher Auszubildender am Beispiel von Kraftfahrzeugmechatronikerinnen. Dissertation, Universität Bremen, 2012. Bielefeld: W. Bertelsmann Verlag.

Buhr, Regina (2006): Innovationen – Technikwelten, Frauenwelten: Chancen für einen geschlechtergerechten Wandel des Innovationssystems in Deutschland. Berlin: Wostok Verlag.

Deutscher Gewerkschaftsbund Bundesvorstand (2013): Newsletter Arbeitsmarkt aktuell: Studie „Frauen in MINT Berufen“ – Weibliche Fachkräfte im Spannungsfeld Familie, Beruf und beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten. Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB). Berlin, Nr. 3 / Juni 2013. Online unter: http://www.dgb.de/themen/++co++55947064-dff5-11e2-8fc5-00188b4dc422 [Abrufdatum 22.07.2014].

Ebeling, Helga (2006): Frauen in der industriellen Forschung und Entwicklung in Europa. In: Buhr, Regina (Hrsg.) (2006): Innovationen: Technikwelten, Frauenwelten. Chancen für einen geschlechtergerechten Wandel des Innovationssystems in Deutschland. 57-72. Online unter: http://www.iit-berlin.de/de/publikationen/innovationen-technikwelten-frauenwelten/at_download/download [Abrufdatum 23.07.2014].

Endres, Helene (2013): Frauen in Ingenieurberufen – Karriere technisch unmöglich. In: Spiegel Online. Online unter: http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/studie-trotz-fachkraeftemangels-keine-chance-fuer-mint-frauen-a-914507.html  [Abrufdatum 23.07.2014].

Greif, Moniko (2000): Ingenieurinnen erwünscht! Handbuch zur Steigerung der Attraktivität ingenieurwissenschaftlicher Studiengänge für Frauen. Bochum, S. 5-7;14-18; 24-31.

Götsch, Monika/Heine, Yvonne/Kleinn, Kari (2013): „… dass auf einmal ’n blue screen ’n pink screen wäre“ – Diversity-Konzepte von Studierenden der Informatik. In Informatik Spektrum Juni 2013, Volume 36, Issue 3, S.278-286.

Harding, Sandra (2008): Wissenschafts- und Technikforschung: Multikulturelle und postkoloniale Geschlechteraspekte. In: Becker, Ruth/Kortendiek, Beate (2008): Handbuch Frauen- und Geschlechterforschung. Theorie, Methoden, Empirie. Geschlecht & Gesellschaft, Band 35, 2. Auflage. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, 312-321.

Heinrich, Elkedagmar/Rentschler, Michael (Hrsg.) (2003): Frauen studieren Technik. Bedingungen – Kontext – Perspektiven. Report – Beiträge zur Hochschuldidaktik, Band 41. Aachen: Shaker Verlag.

Horwath, Ilona et al. (2007): Tequality – Technik. Gender. Equality: Das Technikstudium aus der Sicht von Männern und Frauen. Institut für Frauen- und Geschlechterforschung, Johannes Kepler Universität Linz. Online unter: http://www.tequality.at/ [Abrufdatum 23.07.2014].

Ihsen, Susanne (2006): Technische Fachkultur und Frauenbilder – Warum sich die Technik mit den Fachfrauen so schwer tut. In Buhr, Regina (Hrsg.) (2006): Innovationen – Technikwelten, Frauenwelten. Berlin. S. 103-114.

Ihsen, Susanne (2008): Ingenieurinnen: Frauen in einer Männerdomäne. In: Becker, Ruth/Kortendiek, Beate (Hrsg): Handbuch Frauen- und Geschlechterforschung. Theorie, Methoden, Empirie. Geschlecht & Gesellschaft, Band 35, 2. Auflage. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, 799-805.

Knoll, Bente/Ratzer, Brigitte (2010): Gender Studies in den Ingenieurwissenschaften. Wien: Facultas.

Neusel, Ayla (2005): Technik und Gender. Ingenieurwissenschaften als Studium und Wissenschaft von Frauen. In: Spellerberg, Annette (Hrsg.) (2005): Die Hälfte des Hörsaals. Frauen in Hochschule, Wissenschaft und Technik. Berlin: edition sigma, 75-95.

Paulitz, Tanja/Prietl, Bianca (2013): Spielarten von Männlichkeit in den „Weltbildern“ technikwissenschaftlicher Fachgebiete. In: Informatik Spektrum, Volume 36, 3/2013, S. 300-308.

Paulitz, Tanja (2012): Mann und Maschine. Eine genealogische Wissenssoziologie des Ingenieurs und der modernen Technikwissenschaften, 1850-1930. Bielefeld: transcript.

Pfenning, Uwe et al. (2011): Frauen für Technik – Technik für Frauen. Zur Attraktivität von Technik und technischen Berufen bei Mädchen und Frauen. In: Wentzel, Wenka et al. (Hrsg.) (2011): Generation Girls’Day. Opladen: Budrich UniPress, 123-157.

Quaiser-Pohl, Claudia (2012): Mädchen und Frauen in MINT: Ein Überblick. In: Stöger, Heidrun et al. (Hrsg.) (2012): Mädchen und Frauen in MINT-Bedingungen von Geschlechtsunterschieden und Interventionsmöglichkeiten.  Lehr-Lern-Forschung, Band 1. Berlin: Lit Verlag, 13-39.

Ruprecht, Anja (2007): Berufe haben (k)ein Geschlecht? Grenzziehungsprozesse bei Projekten für Mädchen im Bereich Technik und Handwerk. Dissertationsprojekt Eberhard-Karls-Universität Tübingen.

Schreyer, Franziska (2006): Hochqualifizierte Technikfrauen – Studium, Arbeitsmarkt, Zukunft. In: Buhr, Regina (Hrsg.) (2006): Innovationen – Technikwelten, Frauenwelten. Chancen für einen geschlechtergerechten Wandel des Innovationssystems in Deutschland. Berlin: Wostok Verlag, 43-56. Online unter:http://www.iit-berlin.de/de/publikationen/innovationen-technikwelten-frauenwelten/at_download/download  [Abrufdatum 23.07.2014].

Schreyer, Franziska (2008): Akademikerinnen im technischen Feld. Der Arbeitsmarkt von Frauen aus Männerfächern. IAB-Bibliothek, Bd. 3, herausgegeben vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Frankfurt/New York: Campus Verlag.

Schröder, Hans Joachim (2007): Technik als biographische Erfahrung 1930-2000. Dokumentation und Analyse lebensgeschichtlicher Interviews. Zürich: Chronos.

Solga, Heike (2009): Das falsche Geschlecht: Warum ich nicht Ingenieurin geworden bin – obwohl ich fast alle Voraussetzungen erfüllte. In: Die Zeit, Spezial: Ingenieure & Techniker, Ausgabe 37/2009. Online unter: http://www.zeit.de/2009/37/C-Frauen [Abrufdatum 23.07.2014].

Solga, Heike/Pfahl, Lisa (2009): Wer mehr Ingenieurinnen will, muss bessere Karrierechancen für Frauen in Technikberufen schaffen. WZBrief Bildung, Ausgabe 4/2009, Berlin: Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung. Online unter: http://bibliothek.wzb.eu/wzbrief-bildung/WZBriefBildung072009_solga_pfahl.pdf. [Abrufdatum 23.07.2014].

Schwarze, Barbara/David, Michael/Belker, Charlote Bettina (2008): Gender und Diversity in den Ingenieurwissenschaften und der Informatik. Bielefeld: Universitätsverlag Webler.

SORA Institut for Social Research and Consulting (2012): Studie „Frauen und Mädchen in technischen Berufen“. Online unter: http://technikqueen.at/frauen-technik/studie/ [Abrufdatum 15.11.2014].

Stöger, Heidrun et al. (2012): Mädchen und Frauen in MINT – Bedingungen von Geschlechterunterschieden und Interventionsmöglichkeiten, Lehr-Lern-Forschung Band 1. Berlin: LIT.

Trauth, Eileen Moore et al. (2008): A Multicultural Analysis of Factors Influencing Career Choice for Women in the Information Technology Workforce, Journal of Global Information Management, Ausgabe 16/2008. Online unter: http://www.eileentrauth.com/uploads/4/6/7/6/4676002/0629_001.pdf [Abrufdatum 23.07.2014].

Walter, Christel (1998): Technik, Studium und Geschlecht: Was verändert sich im Technik- und Selbstkonzept der Geschlechter? Reihe Geschlecht und Gesellschaft, Band 11. Opladen: Springer VS.

Wajcman, Judy (2007): From women and technology to gendered technoscience. In: Information, Communication & Society, Ausgabe 3/2007, Taylor & Francis, S. 287-298. Online unter: http://www.jenjenson.com/courses/gendertech/wp-content/uploads/2010/01/25727273.pdf [Abrufdatum 23.07.2014].

Wächter, Christine (2003): Technik-Bildung und Geschlecht. Reihe Technik- und Wissenschaftsforschung Band 42. Wien: Profil Verlag GMBH.

Wensierski, Hans-Jürgen von/Langfeld, Andreas/Puchert, Lea (2015): Bildungsziel Ingenieurin. Biographien und Studienfachorientierungen von Ingenieurstudentinnen – eine qualitative Studie. Opladen/Berlin/Toronto: Verlag Barbara Budrich.

Wentzel, Wenka (2008): „Ich will das und das ist mein Weg!“ – Junge Frauen auf dem Weg zum Technikberuf. Schriftenreihe Heft 7, Bielefeld: Kompetenzzentrum Technik – Diversity – Chancengleichheit e.V.. Online unter: http://www.humboldt-duesseldorf.de/work/pdf/GirlsBoysDay/H7_StudieGD_qualitativ.pdf [Abrufdatum 23.07.2014].

Wissenschaftliches Sekretariat für die Studienreformim Land Nordrhein-Westfalen (2000): Ingenieurinnen erwünscht! Handbuch zur Steigerung der Attraktivität ingenieurwissenschaftlicher Studiengänge für Frauen. Online unter: https://www.think-ing.de/index.php?media=985 [Abrufdatum 23.07.2014].

Zachmann, Karin (2004): Mobilisierung der Frauen. Technik, Geschlecht und Kalter Krieg in der DDR. Frankfurt/Main: Campus.

Foto: Pixabay.de | lil_foot_

/dmi

Portrait von Maria Telkes, die bedeutende Erfindungen in der Solarenergie entwickelte und so den Titel „The Sun Queen“ erhielt.

Maria Telkes

The Sun Queen

22. April war der Tag der Erde – er steht für die Wertschätzung der natürlichen Umwelt und soll zum Überdenken des Konsumverhaltens anregen. „gender2technik“ möchte daher an Maria Telkes erinnern. Ihre Erfindungen machten die Energie der Sonne nutzbar und brachten ihr so den Titel „The Sun Queen“ ein. Sie erfand den ersten funktionierenden Solarofen, ein Heizungssystem betrieben mit Solarenergie und ein Solare Meerwasserentsalzung zur Gewinnung von Trinkwasser.

Telkes wurde am 12. Dezember 1900 in Budapest geboren. Schon vor ihrem Bachelor in der Physikalischen Chemie 1920 an der Universität in Budapest, interessierte sich Telkes für Solarenergie. 1924 promivierte Telkes, ebenfalls in der Physikalischen Chemie. Ein Jahr später emmigrierte sie in die USA um als Biophysikerin an der Cleverland Clinic Foundation zu arbeiten, wo sie an life-transformative energy forschte. Später, 1937 arbeitete und forschte sie bei Westinghouse Electric Corporation an der Energieumwandlung, im speziellen von der Umwandlung von Wäremeenergie zu elektrischer Energie.

1940 wechselte Telkes an das Massachusetts Institute of Technology, wo sie am Solarenergieumwandlungs Projekt arbeitete. 50 Jahre lang forschte Telkes an neuen Möglichkeiten Solarenergie zu nutzen. Maria Telkes und Architektin Eleanor Raymond entwickelten 1948 gemeinsam das erste mit Solarenergie beheizte Haus – das Drover Sun House.

Die Erneuerbaren Energien sind auch heute ein sehr beliebtes Berufsfeld. Durch den konkreten gesellschaftlichen Nutzen sind die technischen Berufe unter Frauen besonders beliebt. Eine Analyse des Wissenschaftsladen Bonn von 2014/15 zeigt, dass im Bereich der Erneuerbaren Energien vor allem technische Berufe wie Elektroniker/innen, Anlagenmechaniker/innen für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, Mechatroniker/innen, Elektroanlagenmonteur/in und Mechaniker/innen gefragt sind.

Um Berufe in den erneuerbaren Energien auch Mädchen näher zu bringen hat der Wissenschaftsladen Bonn in Zusammenarbeit mit dem Game Studios the Good Evil und der Technischen Universität Dresden das Serious Game Serena entwickelt. Serena soll 13- bis 15-jährigen Mädchen auf spielerische Weise Wissen und Kompetenzen vermitteln.

Quellen:

Lemelson-Massachusetts Institute of Technology

Argentur für Erneuerbare Energien (7. März 2017): Erneuerbare Energien motivieren Frauen zu technischen Berufen

Analyse des Wissenschaftsladen Bonn (2015): Technische Ausbildungsberufe im Bereich Erneuerbare Energien

Serena Supergreen, Webseite des Serious Game

Foto: Dr. Maria Telkes New York World-Telegram and the Sun staff photographer – Library of Congress Prints and Photographs Division. New York World-Telegram and the Sun Newspaper Photograph Collection.

/dmi

Potrait der ersten Nobellpreisträgerin der Physiologie oder Medizin 1947, Gerty Theresa Cori.

Wegbereiterin Gerty Cori

Erste Nobelpreisträgerin der Physiologie oder Medizin

Am 7. April war der Weltgesundheitstag. Anlass für „gender2technik“ das Leben der Vorreiterin Gerty Cori näher zu beleuchten. 1947 erhielt sie zusammen mit ihrem Mann Carl Ferdinand Cori den Nobelpreis für die Entdeckung des Verlaufs des katalytischen Glykogen-Stoffwechsels, umgangssprachlich auch als Zuckerstoffwechsel bekannt. Sie war die erste Frau, die einen Nobelpreis der Physiologie oder Medizin verliehen bekam und somit Vorbild für viele weitere Wissenschaftlerinnen.

Der zyklische Verlauf des Glykogen-Stoffwechsels wird auch heute noch als Cori-Zyklus bezeichnet. Der Kreislauf beschreibt folgendes: Zucker wird in der Muskulatur zu Energie umgewandelt. Dabei entsteht Lactat als Abfallprodukt. Das Lactat wird dann durch den Blutkreislauf in die Leber transportiert. Hier kann es durch die Energie von Fett(säuren) wieder in Zucker umgewandelt werden. Der entstehende Zucker kann dann entweder gespeichert werden oder er gelangt durch den Blutkreislauf wieder zur Muskulatur. Die Entdeckungen der Coris zum Zucherstoffwechsel legten den Grundstein für weitere Forschungen und Entdeckungen.

Das effektive Cori-Team forschte auch an den Effekten der Hormone Insulin und Adrenalin im Zuckerstoffwechsel. 1936 konnten sie erstmals Glucose-1-phosphat isolieren, welches auch den Namen Cori-Ester trägt. Den Lohn für diese Errungenschaft wurde jedoch zunächst nur ihrem Mann zugeschrieben. Zahlreiche weitere Erfolge auf dem Gebiet der Biochemie folgten. Jedoch wurden ihre wissenschaftlichen Erfolge nicht gewürdigt. Während Carl Cori 1931 auf eine Professur berufen wurde, erhielt Gerty Cori erst 1943 eine Assistenz-Professur. Fünf Jahre später, 1947 wurde auch Gerty auf eine „vollständige“ Professur berufen – dem selben Jahr, in dem Gerty und Carl Cori den Nobelpreis der Physiologie/Medizin erhielten.

Ein Jahr nach der Nobelpreisverleihung wurde bei Gerty Cori die seltene Krankheit Myelofibrose, eine Erkrankung des Knochenmarks, festgestellt. Dennoch arbeitete sie engagiert bis zu ihrem Tod weiter. Sie war somit nicht nur Vorreiterin für Frauen in der Medizin, sondern auch Vorbild für sie. Dennoch vergingen 30 Jahre, bis erneut eine Frau – Rosalyn Sussman Yalow – 1977 den Nobelpreis der Physiologie/Medizin erhielt.

Auch 70 Jahre nachdem die erste Frau einen Nobelpreis in der Physiologie erhalten hat ist der Frauenanteil erschreckend gering: Bisher haben nur 12 Frauen einen Nobelpreis für Physiologie/Medizin erhalten. Im Vergleich dazu liegt der Männeranteil mit 199 Nobelpreisträgern in der Disziplin deutlich höher. Jedoch zeigt sich, dass der Abstand zwischen den Verleihungen an eine Frau sich mittlerweile verkürzt hat. Waren es vor dem Jahre 2000 noch durchschnittlich acht bis neun Jahre, so vergehen nach 2000 im Durchschnitt nur noch rund zwei bis drei Jahre bis zu einer Nobelpreisträgerin in der Physiologie/Medizin.

Nobelpreisträgerinnen für Physiologie oder Medizin:

  • 1947: Gerty Cori und Carl Ferdinand Cori: „für ihre Entdeckung des Verlaufs des katalytischen Glykogen-Stoffwechsels“
  • 1977: Rosalyn Sussman Yalow: „für die Entwicklung radioimmunologischer Methoden der Bestimmung von Peptidhormonen“
  • 1983: Barbara McClintock: „für ihre Entdeckung der beweglichen Strukturen in der Erbmasse“
  • 1986: Rita Levi-Montalcini und Stanley Cohen: „für ihre Entdeckung des Nervenwachstumsfaktors“
  • 1988: Gertrude Belle Elion, James Whyte Black und George Herbert Hitchings: „für ihre wegweisenden Entdeckungen wichtiger biochemischer Prinzipien der Arzneimitteltherapie“
  • 1995: Christiane Nüsslein-Volhard, Edward B. Lewis und Eric F. Wieschaus: „für ihre grundlegenden Erkenntnisse über die genetische Kontrolle der frühen Embryonalentwicklung“
  • 2004: Linda B. Buck und Richard Axel: „für die Erforschung der Riechrezeptoren und der Organisation des olfaktorischen Systems“
  • 2008: Françoise Barré-Sinoussi und Luc Montagnier: „für die Entdeckung des HI-Virus“
  • 2009: Elizabeth H. Blackburn, Carol W. Greider und Jack Szostak: für die Entdeckung, „wie Chromosomen durch Telomere und das Enzym Telomerase geschützt werden“
  • 2014: May-Britt Moser, Edvard Moser und John O’Keefe: „für Entdeckungen von Zellen, die ein Positionierungssystem im Gehirn bilden“
  • 2015: Youyou Tu: „für ihre Entdeckungen betreffend eine neuartige Therapie für Malaria“

Quellen:

Nobelprize.org (2014): „Gerty Cori – Biographical“. Nobel Media AB 2014.

Nobelprize.org: Nobel Prize Awarded Women

Marc Scheloske (2008): Karriere im Schatten: Die Nobelpreisträgerin Gerty Theresa Cori. In: Science Blogs.

Foto: von National Library of Medicine, Images from the History of Medicine, B05353 [Public domain], via Wikimedia Commons

/dmi

Letzte Aktualisierung: 22.05.2017

8 Fragen zum Equal Pay Day

Wer, Wiso, Weshalb und Warum?

Am 18.03.2017 ist Equal Pay Day in Deutschland. Anlass für uns zu fragen, wofür der Tag steht und warum er so wichtig ist. Daher haben wir uns 8 Fragen gestellt und 8 Antworten gefunden.

Was ist der Equal Pay Day?

Der Equal Pay Day markiert den Tag im Jahr, bis zu dem Frauen durchschnittlich umsonst arbeiten, wenn man ihre Gehälter mit denen von Männern vergleicht. Frauen arbeiten bis zu 77 Tage im Jahr umsonst, da sie auf die Stunde umgerechnet weniger Gehalt verdienen als Männer.

Wer berechnet den Equal Pay Day?

Das Statistische Bundesamt errechnet jedes Jahr den durchschnittlichen Bruttostundenverdienst von Männern und Frauen. Daraus ergibt sich der Gender Pay Gap, der prozentuale Unterschied im durchschnittlichen Bruttoverdienst. Dies bezeichnet man auch als unbereinigten Gender Pay Gap, da der Durchschnittverdienst aller Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen miteinander verglichen wird. Somit wird auch der Unterschied in Gehältern erfasst, der durch unterschiedliche Zugangschancen, zum Beispiel zu höher bezahlten Jobs, entsteht. Der unbereinigte Gender Pay Gap schließt also auch möglicherweise benachteiligende Strukturen für Frauen mit ein.

Der bereinigte Gender Pay Gap vergleicht lediglich die Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen mit ähnlichen Qualifikationen, Tätigkeiten und Erwerbsbiografien. So werden zum Beispiel die Einflüsse von Teilzeit und Vollzeitarbeit, unterschiedlicher Berufserfahrung und unterschiedlicher Ausbildungen herausgerechnet. Je nach Datengrundlage und welche Faktoren berücksichtigt werden kann der bereinigte Gender Pay Gap zwischen unter 2 Prozent (vgl. IW-Pressemitteilung (2013) bis hin zu 16,6 Prozent (vgl. Schmidt, Jörg (2016): Entgeltgleichheit – Die gesamtwirtschaftliche Perspektive.) betragen. Der bereinigte Gender Pay Gap wird nur alle vier Jahre ermittelt.

Der Equal Pay Day wird aus den Daten des unbereinigten Gender Pay Gap ermittelt: Der prozentuale Unterschied zwischen dem Verdienst von Frauen und Männern wird auf das kommende Jahr umgerechnet. Bei einem Verdienstunterschied von 21 Prozent im Jahre 2016 ergeben sich somit 77 Tage unbezahlter Arbeit von Frauen im Jahr 2017.

Wie ist der Equal Pay Day entstanden?

Der Equal Pay Day entstand durch die Red Purse Campaign der amerikanischen Business and Professional Women (BPW) 1988. Red Purse war dabei ein Symbol für die roten Zahlen in den Geldbörsen der Frauen. Dieses Symbol hat auch BPW Germany aufgenommen und 2008 die Initiative Rote Tasche gestartet. 2009 wurde der Equal Pay Day bundesweit eingeführt, wofür die Initiatorinnen den Innovationspreis Ausgewählter Ort im Land der Ideen erhielten.

Was sind die Ursachen der Gender Pay Gap?

Aus den Studien kristallisieren sich drei zentrale Ursachen heraus:

  1. Frauen sind in bestimmten Branchen oftmals unterrepräsentiert. Zu diesen Branchen zählen Berufe in MINT-Bereichen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik), welche oftmals besser bezahlt werden. Zusätzlich steigen Frauen seltener die Karriereleiter auf als Männer, obwohl sie statistisch gesehen oftmals besser ausgebildet sind.
  2. Familienbedingt unterbrechen und/oder reduzieren Frauen ihre Erwerbstätigkeit deutlich häufiger als Männer. Diese Erwerbspausen erschweren es den Frauen zum einen, wieder zurück in den Beruf zu finden. Zum anderen wirken sie sich auch negativ auf die Einkommensentwicklung aus, was Folgen bis hin zur Rentenphase hat.
  3. Von Frauen dominierte Berufe, wie zum Beispiel in der Erziehung und der Pflege, werden durch ihr geringes Ansehen oftmals schlecht bezahlt.

Was ist das Ziel des Equal Pay Day?

Ziel ist es daher, mit dem Equal Pay Day die Debatte über die Gründe der Entgeltunterschiede zwischen Männern und Frauen in Deutschland in die Öffentlichkeit zu tragen, ein Bewusstsein für die Problematik zu schaffen, zu sensibilisieren und Entscheider zu mobilisieren, damit sich die Lohnschere schließt.

Zitat: BPW Germany Wiki

Kritik am Equal Pay Day?

Laut dem Institut der Deutschen Wirtschaft seien viele Entscheidungen von Frauen bezüglich ihrer Karriere rein privat und sollten daher nicht im Lohnunterschied berücksichtigt werden (vgl. Schmidt, Jörg (2016): Der Staat muss nicht handeln). Entscheidungen, ob die Frau oder der Mann die Erziehung der Kinder übernimmt und damit eine Berufspause einlegt, seien demnach ausschließlich von privaten Präferenzen und Wünschen geprägt. Jedoch werden so Einflussfaktoren der Umwelt ignoriert: Zum Beispiel, ob der Mann oder die Frau das größere Gehalt erhält und somit die Familie besser ernähren kann. Auch eine Beförderung kann nicht alleine vom Arbeitnehmer vorgenommen werden. Weitere Faktoren haben Einfluss auf die Entscheidungen: Zum Beispiel verhindet oftmals die unzureichende Betreuungsinfrastruktur für Kinder und Pflegebedürftige, dass beide Partner einer Vollzeitbeschäftigung nachgehen können. Zudem führt die Berufspause oder Teilzeitarbeit zu weiteren Folgen: Es besteht kein Recht auf Arbeitszeitaufstockung, somit ist der Weg aus der Teilzeitarbeit zur Vollzeitarbeit erschwert.

Zusätzlich seien die Berufsentscheidungen von Männern und Frauen rein private Entscheidungen, die nicht durch vorherrschende Strukturen oder der Gesellschaft beeinflusst würden. Dies würde bedeuten, dass es keinen Sinn ergeben würde, mehr weibliche Vorbilder in MINT Bereichen zu zeigen, da sie keinen Einfluss auf die Entscheidung der Person haben können. Dies steht im Gegensatz zu den zahlreichen Studien, die belegen, dass kulturelle Erwartungen und Einstellungen die Berufswahl beeinflussen.

Lesetipps zum Einfluss von Rollenbildern und Kultur:

Vorbildliche Technik-Frauen: Role Models ebnen den Weg für Mädchen und Frauen in technischen Berufen

Talent kennt kein Geschlecht

Was Frauen in MINT-Berufen wichtig ist: Aktuelle Auswertung internationaler Arbeitsmarkstudien

MINT-Studiengänge für Frauen: Pro und Contra Frauenstudiengänge

Wer macht mit?

Mittlerweile findet der Equal Pay Day in über 20 europäischen Ländern statt. Dazu gehören unter anderem Österreich, Schweiz, Frankreich, Italien, Spanien, Polen und Schweden. Auch in den USA, in Australien und Neuseeland wird der Equal Pay Day veranstaltet. Je nach landesspezifischer Lohnlücke findet der Equal Pay Day zu unterschiedlichen Tagen statt. So wurde er in der Schweiz bereits am 24. Februar veranstaltet (vgl. BPW Switzerland: equal pay day,- Webseite), während der Lohngerechtigkeitstag in Frankreich erst am 31. März stattfinden wird (vgl. BPW France Webseite).

Veranstaltungen am 18. März 2017?

BPW Germany informiert umfassend über Veranstaltungen am 18. März auf ihrer Webseite. Neben dem Kongress in Berlin zum Equal Pay Day gibt es zahlreiche Aktionen im ganzen Land. Von Info-Veranstaltungen bis hin zu Flashmobs.

/dmi

Beitragsbild: Businessfotografie Inga Haar / BPW Germany e.V.

Quellen:

Webseite des BPW Germany zum Equal Pay Day

Equal Pay Wiki von BPW Germany

Statistisches Bundesamt (16.03.2016): Verdienstunterschied zwischen Frauen und Männern in Deutschland bei 21 %. Pressemitteilung Nr. 097. Abrufdatum [16.03.2017]

Klenner, Christina (2016): Gender Pay Gap – die geschlechtsspezifische Lohnlücke und ihre Ursachen. Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WIS), Policy Brief NR. 7 07/2016. [Abrufdatum 16.03.2017]

Schmidt, Jörg (16.06.2016): Der Staat muss nicht handeln, Pressemitteilung Nr. 34 des Institut der deutschen Wirtschaft Köln. [Abrufdatum 16.03.2016]

Schmidt, Jörg (2016): Entgeltgleichheit – Die gesamtwirtschaftliche Perspektive. Welche Ursachen hat der Gender Pay Gap? IW-Kurzbericht. [Abrufdatum 16.03.2017]

IW-Pressemitteilung (2013): Nur 2 Prozent Gehaltsunterschied. Instituts der deutschen Wirtschaft Köln 2013. IW-Pressemitteilung Nr. 3 vom 14. Januar 2013. [Abrufdatum 16.03.2017]