Technik und Geschlecht. Wie objektiv sind Algorithmen?

Vortrag von Corinna Bath im Rahmen der Ringvorlesung „Technik- und Umweltethik“ Corinna_Bath

Am kommenden Donnerstag ist Professorin Corinna Bath zu Gast an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg in Sankt Augustin. In ihrem Vortrag widmet sie sich Fragen wie:¬†„Welche Rolle spielt die Gleichberechtigung in der Technik-Ethik?“ und „Wie objektiv sind Algorithmen?“¬†Dabei¬†skizziert die¬†Informatikerin und Geschlechterforscherin der TU Braunschweig¬†beispielhaft den Zusammenhang zwischen Technik, Ethik und der Geschlechterfrage.¬†Der Vortrag am 23. Juni von 18.15 bis 19.45 Uhr in H√∂rsaal 4 ist √∂ffentlich. Interessierte Zuh√∂rer und Zuh√∂rerinnen sind herzlich willkommen.

/kim

MINT-Studieng√§nge f√ľr Frauen

Pro und Contra Frauenstudiengänge

Frauen sind in MINT-Studieng√§ngen immer noch unterrepr√§sentiert. Dies best√§tigen die Daten des Statistischen Bundesamtes. 2014 waren in den Ingenieurwissenschaften nur¬†knapp √ľber 24 Prozent der Studienanf√§nger Frauen.

Doch auch¬†hier gibt es Unterschiede: Elektrotechnik ist mit 14,3 Prozent Studienanf√§ngerinnen das m√§nnerlastigste Fach, w√§hrend es in Mathematik und Chemie √ľber 40 Prozent Frauen gibt.

Selbstvertrauen aufbauen

Eine m√∂gliche Antwort auf den geringen Frauenanteil sind Studieng√§nge nur f√ľr Frauen. Mit diesem monoedukativen Ansatz soll das Selbstvertrauen der Studienanf√§ngerinnen in ihre technischen F√§higkeiten gest√§rkt werden. Denn die √úberzahl an m√§nnlichen Studierenden im MINT-Bereich macht vielen Frauen zu schaffen. F√ľr¬†sie ist das Studium so¬†eine gr√∂√üere Herausforderung, da sie oft zwischen dem Ideal des typischen m√§nnlichen Ingenieurs und weiblichen Rollenbildern hin und her gerissen sind. Au√üerdem fallen Frauen in den technischen Studieng√§ngen st√§rker auf und es mangelt an weiblichen Vorbildern, so genannten ‚role models‘, die zur Orientierung wichtig w√§ren.

Entspannt lernen

Ein Hintergrundgedanke¬†monoedukativer¬†Studieng√§nge ist es, f√ľr Frauen eine entspannte Lernatmosph√§re zu schaffen. Viele werben damit, dass sie keine technischen oder naturwissenschaftlichen Vorkenntnisse erwarten. Dies soll die Hemmschwelle f√ľr Studienanf√§ngerinnen weiter senken. Einzig Interesse und Begeisterung sind Vorraussetzung f√ľr den Studienanfang. Die Studieninhalte sind¬†letztlich aber¬†dieselben, die auch ihre m√§nnlichen Kommilitonen bew√§ltigen m√ľssen.

Zus√§tzlich bieten einige Studieng√§nge Mentorinnen-Programme an. Hier k√∂nnen Studienanf√§ngerinnen Kontakte mit fortgeschrittenen Semestern und Absolventinnen kn√ľpfen¬†und so unter Umst√§nden ihr pers√∂nliches ‚role model‘ finden.

Vorurteile und Entwicklungspotenzial

Frauenstudieng√§nge kommen nicht bei jedem gut an. Aufgrund des monoedukativen Modells werden¬†Absolventinnen oft weniger wertgesch√§tzt als ihre¬†koedukativen Kommilitoninnen. Ausschlaggebend daf√ľr sind nicht die Studieninhalte. Oft wird angenommen, dass sich Absolventinnen im sp√§teren Berufsleben nicht gegen√ľber ihren m√§nnlichen Kollegen durchsetzen k√∂nnten.

Durch die entspannte Lernatmosphäre stärken die Frauen jedoch ihre fachlichen Kompetenzen und damit auch ihr Selbstvertrauen. Treffen sie dann auf männliche Kollegen, haben sie genug Selbstbewusstsein und ernten Respekt, so Professorin Gerlinde Schreiber von der Hochschule Bremen. Zudem sind Frauenstudiengänge sehr individuell aufgebaut. Einige Studentinnen sind bis zum Abschluss unter Frauen und in anderen Studiengängen werden die Studentinnen nach wenigen Semestern in den koedukativen Studiengang integriert. Manche haben auch von Beginn an einzelne Fächer zusammen mit männlichen Kommilitonen.

Regine Komo√ü kommt in ihrer Dissertation „Frauenstudieng√§nge ‚Äď zwischen Vorteil und Vorurteil“ zu dem Schluss, dass Frauenstudieng√§nge viele Vorteile bieten, sich jedoch noch in der Entwicklung befinden :

¬†„Entscheidend wird sein, wie mit diesen Vorurteilen umgegangen wird, ob es gelingt, sich auch l√§ngerfristig als qualitativ hochwertige Studienangebote zu etablieren und ob sich Frauenstudieng√§nge damit ein eigenes fachlich anerkanntes Profil verschaffen k√∂nnen. Frauenstudieng√§nge sind aber zu diesem Zeitpunkt als ein innovatives Zukunftsmodell mit hohem Entwicklungspotential zu werten.“(S. 276 f.)

MINT-Frauenstudiengänge im Überblick

M√§nner f√ľr soziale Berufe

Neben der Forderung, Frauen in technische Berufe zu bringen, steht oft auch der Wunsch M√§nner f√ľr die sozialen Bereiche zu begeistern. Diesen Ansatz verfolgt das Portal „Neue Wege f√ľr Jungs“.¬† Es ist ein bundesweites Netzwerk und Fachportal zur Berufswahl und Lebensplanung von Jungen und versucht sie zum Beispiel mit dem Boys‘ Day f√ľr soziale Berufe zu gewinnen.

Quellen

Regine Komo√ü (2005): Frauenstudieng√§nge ‚Äď zwischen Vorteil und Vorurteil. Universit√§t Dortmund. https://eldorado.tu-dortmund.de/bitstream/2003/23259/4/Dissertation.pdf

Lisa Oenning (28.04.2016): Angehende IT-Expertinnen unter sich. In der Wirtschafts Woche. http://www.wiwo.de/erfolg/campus-mba/frauen-studiengaenge-angehende-it-expertinnen-unter-sich-/13514736.html

Merle Schmalenbach, dpa (20.01.2011): Frauen-Studieng√§nge: M√§nner m√ľssen drau√üen bleiben. In Spiegel Online, Unispiegel.http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/frauen-studiengaenge-maenner-muessen-draussen-bleiben-a-736153.html

Janna Degener (30.06.2015): Frauenstudiengänge in Deutschland. In Studis Online. http://www.studis-online.de/Studienfuehrer/frauenstudiengaenge.php

komm mach MINT: Daten zu Studienanfängerinnen in technisch-naturwissenschaftlichen Studienbereichen 2014. http://www.komm-mach-mint.de/Service/Daten-Fakten

/dmi

Freikarten f√ľr Gr√ľnderinnen

Bits & Pretzels eröffnet Chancen

In der Gr√ľnderszene haben Frauen nicht die gleichen Chancen wie M√§nner, zu dem Ergebnis kam¬†eine 2015 erschienene Studie des Computerkonzerns Dell. Es fehlen weibliche Vorbilder und Netzwerke. Auch auf Gr√ľnderkonferenzen sind Frauen meist unterrepr√§sentiert. Daher verlost „Bits & Pretzels“ 300 Freikarten¬†bei der Aktion „Women in Tech“ f√ľr ihr¬†Gr√ľnderfestival vom 25. bis zum 27. September 2016 in M√ľnchen. Bis zum 29. April k√∂nnen sich Frauen hier bewerben.

/dmi

So sehen Ingenieurinnen aus

Fotoreportagen von Studierenden der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg (H-BRS)

Schilling1

Als Entwicklungs-Ingenieurin bei einem Autobauer, Bergbauingenieurin im Tagebau Hambach oder Projekt-Ingenieurin bei einem Chemie-Unternehmen ‚Äď es gibt sie, die Frauen, denen es Spa√ü macht, in diesen Bereichen zu arbeiten. Dabei k√∂nnen sich laut einer aktuellen OECD-Studie nur 15 Prozent der Eltern in Deutschland vorstellen, dass ihre Tochter einmal Ingenieurin wird.

Im vergangenen Semester haben Studierende des Studiengangs Technikjournalismus an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg sieben Ingenieurinnen an ihrem Arbeitsplatz mit der Kamera begleitet. Die Frauen, die in ganz unterschiedlichen Unternehmen der Region Rhein-Sieg arbeiten, haben dabei nicht nur von ihren Aufgaben und ihrem Berufsweg erzählt, sondern auch einen Einblick in ihr Verständnis von Technik gegeben.

Mehr Bilder und Einblicke finden Sie hier

 

Vorbildliche Technik-Frauen

Role Models¬†ebnen den Weg f√ľr M√§dchen und Frauen in technischen Berufen

Um den¬†Nachwuchsbedarf in technischen und naturwissenschaftlichen F√§chern zu sichern und die Gesellschaft nachhaltig zu ver√§ndern,¬†m√ľssen langfristig mehr Frauen und M√§dchen f√ľr¬†technische Berufe¬†gewonnen werden. Weibliche Role Models sollen dabei mit den Vorurteilen von „m√§nnlichen“ Berufen aufr√§umen. Denn: M√§dchen und junge Frauen lernen Technik und Naturwissenschaften am besten durch Vorbilder kennen.

Die Firma Pieron in Bochholt geht mit gutem Beispiel voran und zeigt das mit einem neuen Imagefilm: „F√ľr mich macht dat Spa√ü“. Vier von sechs Ausbildungstellen waren 2015 von jungen Frauen besetzt. Vorbild ist ihnen die Ausbilderin Jennifer Steffens. Die jungen Frauen sch√§tzen die Unterst√ľtzung ihrer Ausbilderin sehr. Sie drehen und fr√§sen mit Begeisterung technische Federn und¬†raten jungen M√§dchen: Traut euch!

 /dmi

 

Sinnvolle Technik

Klein, rund und s√ľ√ü war gestern – Frauen achten beim Autokauf vor allem Praktikabilit√§t und Sicherheit

Achtzig Prozent aller Auto-Kaufentscheidungen werden von Frauen getroffen oder zumindest beeinflusst, so das Ergebnis einer Studie des japanischen Automobilherstellers Nissan. Anders als M√§nner entscheiden sich Frauen meist f√ľr ein Familienauto, das auf¬† l√§ngere Sicht allen Anspr√ľchen gerecht wird. So ist es ihnen beispielsweise wichtig, dass auch die Kinder einfach ein- und aussteigen k√∂nnen. Auch die Umweltvertr√§glichkeit und ein gutes Preis-Leistungs-Verh√§ltnis spielen beim Kaufprozess eine gro√üe Rolle. Weibliche Kunden legen zudem Wert auf eine geschmackvolle Innenausstattung und achten beim Fahrersitz vor allem auf eine erh√∂hte Sitzposition. Frauen behalten eben immer gerne den √úberblick.

/kim

Erfolgreich mit Elektrotechnik

Die 23-J√§hrige Sabina Fichtner ist Absolventin der Elektro- und Informationstechnik an der Ostbayerischen Technischen Hochschule in Regensburg.¬†Durch den guten Abschluss ihres dualen Studiums¬†hat sie gleich nach dem Studium einen Job als Entwicklerin gefunden und bekommt¬†zudem den diesj√§hrigen Preis des Soroptimist Clubs Regensburg verliehen. Dieser Verein berufst√§tiger Frauen ehrt allj√§hrlich Frauen, M√§nner oder Organisationen, die sich in besonderer Weise um eine Verbesserung der gesellschaftlichen Stellung von Frauen verdient gemacht haben. Wie die Mittelbayerische Zeitung berichtet, engagiert sich Fichtner im Rahmen von Infoveranstaltungen ihres neuen Arbeitgebers ebenfalls daf√ľr, mehr Frauen f√ľr technische Berufe zu begeistern und sich einfach¬†mehr zuzutrauen.

/kim

Leuchtt√ľrme f√ľr Technikfrauen

Der F√∂rderpreis „Frauen + Medientechnologie“ zeichnet junge¬†Wissenschaftlerinnen aus

Der¬†Preis solle eine Leuchtturmfunktion haben und exzellente Studentinnen f√ľr ihre Abschlussarbeiten ehren und auszeichnen, so Martin Paul vom ARD/ZDF F√∂rderpreis. Dar√ľber hinaus sollen die ausgezeichneten Wissenschaftlerinnen als Vorbilder f√ľr Studierende und Sch√ľlerinnen dienen. Im Vordergrund steht dabei¬†die herausragende wissenschaftliche Leistung.

2015 wurden drei bedeutende Arbeiten honoriert.

Den ersten Preis¬†bekam Carola Mayr¬†f√ľr¬†eine Masterarbeit,¬†in der sie¬†beschreibt, wie sich Bewegtbilder optimal entzerren lassen. mehr zu Carola Mayr auf Youtube

Den zweiten Platz erhielt Britta Meixner. In ihrer Diplomarbeit¬†geht es darum, die Ladezeiten von Hypervideos –¬†das sind Videos die durch Hyperlinks erg√§nzt werden –¬†zu verk√ľrzen. mehr zu Britta Meixner auf Youtube

Der dritte Preis¬†ging an¬†Theresa Liebl¬†f√ľr ihre Bachelorarbeit „Voice-Over-Voice-Situation.“¬†In ihr¬†macht sie Vorschl√§ge zur Verbesserung der Verst√§ndlichkeit f√ľr Situationen, in denen sich zwei Stimmen √ľberlagern, wie zum Beispiel bei Voice-Over-√úbersetzungen im Radio oder Fernsehen.¬†Ihre Vorschl√§ge hat¬†sogar das Institut f√ľr Rundfunktechnik (IRT) in M√ľnchen in seine Empfehlung des IRT zur Sprachverst√§ndlichkeit im Fernsehen aufgenommen. mehr zu Theresa Liebl auf Youtube

Seit dem¬†ersten November k√∂nnen Bewerbungen f√ľr 2016 eingereicht werden.

/dmi

Keine Mathematikerinnen

In Hollywoodfilmen gibt es keine Mathematikerinnen und auch sonst wenig Frauen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Geena Davis Institut on Gender in Media, das sich Fragen zu Geschlecht und Film widmet. Überhaupt hat sich seit 1946 in der Rollenauswahl und beim Frauenanteil kaum etwas geändert. So werden beispielsweise nur 23 Prozent aller Filmhelden von Frauen verkörpert. Weitere Ergebnisse spiegeln ebenfalls ein extrem konservatives Frauenbild wider, das lediglich zwischen Hausfrau und Sexbombe changiert.

/kim