Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) berichtet ĂŒber verschiedene Technikthemen in ihrem Ressort Technik und Motor.

MÀnner erklÀren Technik

Bachelorthesis zeigt: Im FAZ-Ressort Technik & Motor sind Journalistinnen unterreprÀsentiert

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) berichtet im Ressort Technik & Motor von Computerthemen ĂŒber Technik und Umwelt bis hin zu Themen aus dem Automobilbereich. Doch wie viele Journalistinnen schreiben in diesem Ressort und wie viele Expertinnen kommen zu Wort? Mithilfe einer empirischen Untersuchung ist Vanessa Hömig, Absolventin des Studiengangs Technikjournalismus/PR der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, diesen Fragen im Sommersemester 2016 nachgegangen. Ihr Ergebnis: Sowohl als Autorinnen, vor allem aber als Expertinnen kommen Frauen in der Berichterstattung selten vor.

Die quantitative Inhaltsanalyse umfasste Artikel aus einem Zeitraum von vier Monaten (Januar bis April 2016). Sie zeigte, dass der Anteil der Autorinnen sehr gering ausfĂ€llt. Nur 11 von 220 Artikeln wurden von Journalistinnen verfasst. Die insgesamt sechs schreibenden Frauen entsprechen in dieser Analyse einem Anteil von knapp fĂŒnf Prozent. Dabei geht man ĂŒber alle Medien und Ressorts hinweg inzwischen von einem Journalistinnenanteil von etwa 40 Prozent aus. Zudem haben die Journalistinnen nur fĂŒr zwei der vier Onlinerubriken der FAZ geschrieben: „Auto & Motor“ und „Umwelt & Technik“. In den Rubriken „Audio & Video“ und „Computer & Internet“ stammte im Untersuchungszeitraum kein Artikel von einer Frau.

Die Analyse von Vanessa Hömig ergab zudem, dass sowohl Journalisten als auch Journalistinnen in ihren Artikeln hauptsĂ€chlich mĂ€nnliche Experten zu Wort kommen lassen. Nur eine von 22 erwĂ€hnten Expert/-innen war eine Frau. Der Ă€ußerst geringe Anteil an Expertinnen in den Artikeln macht es Leserinnen vermutlich schwerer, sich mit den handelnden Personen zu identifizieren. Insgesamt vermitteln die journalistischen BeitrĂ€ge dieses Ressorts immer noch den Eindruck,  dass Technik eher eine MĂ€nnerdomĂ€ne ist.

/dmi

Bachelorthesis: Vanessa Marlene Hömig (2016): Technikjournalismus: eine MĂ€nnerdomĂ€ne? Eine Analyse des Ressorts Technik & Motor der Frankfurter Allgemeinen Zeitung unter besonderer BerĂŒcksichtigung der Journalistinnen. Studiengang Technikjournalismus/PR der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg.

Foto: Keil

 

Studentinnen aus dem Bereich MINT (Informatik) betrachten eine Platine.

Frauenanteil in MINT-StudiengÀngen steigt

Die MINT-StudiengĂ€nge werden bei Frauen immer beliebter, wie der Nationale Pakt fĂŒr Frauen in MINT-Berufen in einer Pressemitteilung von Ende 2016 mitteilte. Die Statistiken zeigen, dass die Zahlen der MINT-StudienanfĂ€ngerinnen deutlich gestiegen sind. Dennoch beginnen weniger Frauen ein Studium aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik.

Der Anteil der StudienanfĂ€ngerinnen in den FĂ€chern Elektrotechnik und Informationstechnik ist mit 15,3 Prozent so hoch wie nie zuvor. Im Vergleich zum Vorjahr 2014 stieg der Anteil der StudienanfĂ€ngerinnen um fast 10 Prozent. Seit Beginn der Aufzeichnung im Jahre 1976 stieg der Anteil der StudienanfĂ€ngerinnen kontinuierlich an. Dennoch ist ihr Anteil mit 15,3 Prozent sehr gering. Besser sieht es in der Informatik aus, hier ist mittlerweile fast jeder vierte StudienanfĂ€nger eine Frau. Im Bauingenieurswesen liegt der Frauenanteil sogar noch etwas höher. Er steigt erstmals auf ĂŒber 30 Prozent. Ähnlich gut sieht es in der Physik und Astronomie aus. In der Chemie und Mathematik liegt der Frauenanteil sogar nah an der 50 Prozent Marke.

studienanfaengerinnen-2000-2008-und-2015

Aktuelle Daten aus dem Wintersemester 2015/2016

Elektrotechnik und Informationstechnik

  • Frauenanteil unter den StudienanfĂ€ngern mit 15,3 % so hoch wie nie zuvor
  • 28.086 Studierende im 1. Fachsemester (Studienbereich Elektrotechnik und Informationstechnik)
  • 4.310 (15,3 %) StudienanfĂ€ngerinnen | 23.776 (84,7 %) StudienanfĂ€nger
  • VerĂ€nderung 2014 auf 2015: insgesamt +2,2 % | Frauen: +9,6 % | MĂ€nner: +0,9 %

Informatik

  • Fast jeder vierte StudienanfĂ€nger in der Informatik ist mittlerweile eine Frau
  • 68.998 Studierende im 1. Fachsemester (Studienbereich Informatik)
  • 16.947 (24,6 %) StudienanfĂ€ngerinnen | 52.051 (75,4 %) StudienanfĂ€nger
  • VerĂ€nderung 2014 auf 2015: insgesamt +7,2 % | Frauen: +11,3 % | MĂ€nner: +5,9 %

Bauingenieurwesen

  • Frauenanteil unter den StudienanfĂ€ngern im Bauingenieurwesen steigt erstmals auf ĂŒber 30%
  • 18.896 Studierende im 1. Fachsemester (Studienbereich Bauingenieurwesen)
  • 5.689 (30,1 %) StudienanfĂ€ngerinnen | 13.207 (69,9 %) StudienanfĂ€nger
  • VerĂ€nderung 2014 auf 2015: insgesamt +2,7 % | Frauen: +8,3 % | MĂ€nner: +0,5 %

Mathematik

  • 12.691 (47,8 %) StudienanfĂ€ngerinnen | 13.847 (52,2 %) StudienanfĂ€nger
  • VerĂ€nderung 2014 auf 2015: insgesamt +1,5 % | Frauen: +0,9 % | MĂ€nner: +2,0 %

Physik & Astronomie

  • 5.962 (32,5 %) StudienanfĂ€ngerinnen | 12.363 (67,5 %) StudienanfĂ€nger
  • VerĂ€nderung 2014 auf 2015: insgesamt: +3,5 % | Frauen: +6,3 % | MĂ€nner: +2,2 %

Chemie

  • 8.488 (45,0 %) StudienanfĂ€ngerinnen | 10.369 (55,0 %) StudienanfĂ€nger
  • VerĂ€nderung 2014 auf 2015: insgesamt +4,1 % | Frauen: +7,2 % | MĂ€nner: +1,6 %

/dmi

Quelle: 

Pressemitteilung vom 19.12.2016: MINT-FĂ€cher stark nachgefragt

Nationaler Pakt fĂŒr Frauen in MINT-Berufen

Grundlage fĂŒr die Statistiken sind Daten des Statistischen Bundesamtes und eigene Berechnungen des Kompetenzzentrums Technik – Diversity – Chancengleichheit

Fotos:

Beistragsfoto: Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit e.V. | Ort: zdi-SchĂŒlerlabor coolMINT.paderborn

Grafik: Kompetenzzentrum Technik – Diversity – Chancengleichheit

 

 

 

 

 

 

MINT-StudiengĂ€nge fĂŒr Frauen

Pro und Contra FrauenstudiengÀnge

Frauen sind in MINT-StudiengĂ€ngen immer noch unterreprĂ€sentiert. Dies bestĂ€tigen die Daten des Statistischen Bundesamtes. 2014 waren in den Ingenieurwissenschaften nur knapp ĂŒber 24 Prozent der StudienanfĂ€nger Frauen.

Doch auch hier gibt es Unterschiede: Elektrotechnik ist mit 14,3 Prozent StudienanfĂ€ngerinnen das mĂ€nnerlastigste Fach, wĂ€hrend es in Mathematik und Chemie ĂŒber 40 Prozent Frauen gibt.

Selbstvertrauen aufbauen

Eine mögliche Antwort auf den geringen Frauenanteil sind StudiengĂ€nge nur fĂŒr Frauen. Mit diesem monoedukativen Ansatz soll das Selbstvertrauen der StudienanfĂ€ngerinnen in ihre technischen FĂ€higkeiten gestĂ€rkt werden. Denn die Überzahl an mĂ€nnlichen Studierenden im MINT-Bereich macht vielen Frauen zu schaffen. FĂŒr sie ist das Studium so eine grĂ¶ĂŸere Herausforderung, da sie oft zwischen dem Ideal des typischen mĂ€nnlichen Ingenieurs und weiblichen Rollenbildern hin und her gerissen sind. Außerdem fallen Frauen in den technischen StudiengĂ€ngen stĂ€rker auf und es mangelt an weiblichen Vorbildern, so genannten ‚role models‘, die zur Orientierung wichtig wĂ€ren.

Entspannt lernen

Ein Hintergrundgedanke monoedukativer StudiengĂ€nge ist es, fĂŒr Frauen eine entspannte LernatmosphĂ€re zu schaffen. Viele werben damit, dass sie keine technischen oder naturwissenschaftlichen Vorkenntnisse erwarten. Dies soll die Hemmschwelle fĂŒr StudienanfĂ€ngerinnen weiter senken. Einzig Interesse und Begeisterung sind Vorraussetzung fĂŒr den Studienanfang. Die Studieninhalte sind letztlich aber dieselben, die auch ihre mĂ€nnlichen Kommilitonen bewĂ€ltigen mĂŒssen.

ZusĂ€tzlich bieten einige StudiengĂ€nge Mentorinnen-Programme an. Hier können StudienanfĂ€ngerinnen Kontakte mit fortgeschrittenen Semestern und Absolventinnen knĂŒpfen und so unter UmstĂ€nden ihr persönliches ‚role model‘ finden.

Vorurteile und Entwicklungspotenzial

FrauenstudiengĂ€nge kommen nicht bei jedem gut an. Aufgrund des monoedukativen Modells werden Absolventinnen oft weniger wertgeschĂ€tzt als ihre koedukativen Kommilitoninnen. Ausschlaggebend dafĂŒr sind nicht die Studieninhalte. Oft wird angenommen, dass sich Absolventinnen im spĂ€teren Berufsleben nicht gegenĂŒber ihren mĂ€nnlichen Kollegen durchsetzen könnten.

Durch die entspannte LernatmosphÀre stÀrken die Frauen jedoch ihre fachlichen Kompetenzen und damit auch ihr Selbstvertrauen. Treffen sie dann auf mÀnnliche Kollegen, haben sie genug Selbstbewusstsein und ernten Respekt, so Professorin Gerlinde Schreiber von der Hochschule Bremen. Zudem sind FrauenstudiengÀnge sehr individuell aufgebaut. Einige Studentinnen sind bis zum Abschluss unter Frauen und in anderen StudiengÀngen werden die Studentinnen nach wenigen Semestern in den koedukativen Studiengang integriert. Manche haben auch von Beginn an einzelne FÀcher zusammen mit mÀnnlichen Kommilitonen.

Regine Komoß kommt in ihrer Dissertation „FrauenstudiengĂ€nge – zwischen Vorteil und Vorurteil“ zu dem Schluss, dass FrauenstudiengĂ€nge viele Vorteile bieten, sich jedoch noch in der Entwicklung befinden :

 „Entscheidend wird sein, wie mit diesen Vorurteilen umgegangen wird, ob es gelingt, sich auch lĂ€ngerfristig als qualitativ hochwertige Studienangebote zu etablieren und ob sich FrauenstudiengĂ€nge damit ein eigenes fachlich anerkanntes Profil verschaffen können. FrauenstudiengĂ€nge sind aber zu diesem Zeitpunkt als ein innovatives Zukunftsmodell mit hohem Entwicklungspotential zu werten.“(S. 276 f.)

MINT-FrauenstudiengĂ€nge im Überblick

MĂ€nner fĂŒr soziale Berufe

Neben der Forderung, Frauen in technische Berufe zu bringen, steht oft auch der Wunsch MĂ€nner fĂŒr die sozialen Bereiche zu begeistern. Diesen Ansatz verfolgt das Portal „Neue Wege fĂŒr Jungs“.  Es ist ein bundesweites Netzwerk und Fachportal zur Berufswahl und Lebensplanung von Jungen und versucht sie zum Beispiel mit dem Boys‘ Day fĂŒr soziale Berufe zu gewinnen.

Quellen

Regine Komoß (2005): FrauenstudiengĂ€nge – zwischen Vorteil und Vorurteil. UniversitĂ€t Dortmund. https://eldorado.tu-dortmund.de/bitstream/2003/23259/4/Dissertation.pdf

Lisa Oenning (28.04.2016): Angehende IT-Expertinnen unter sich. In der Wirtschafts Woche. http://www.wiwo.de/erfolg/campus-mba/frauen-studiengaenge-angehende-it-expertinnen-unter-sich-/13514736.html

Merle Schmalenbach, dpa (20.01.2011): Frauen-StudiengĂ€nge: MĂ€nner mĂŒssen draußen bleiben. In Spiegel Online, Unispiegel.http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/frauen-studiengaenge-maenner-muessen-draussen-bleiben-a-736153.html

Janna Degener (30.06.2015): FrauenstudiengÀnge in Deutschland. In Studis Online. http://www.studis-online.de/Studienfuehrer/frauenstudiengaenge.php

komm mach MINT: Daten zu StudienanfÀngerinnen in technisch-naturwissenschaftlichen Studienbereichen 2014. http://www.komm-mach-mint.de/Service/Daten-Fakten

/dmi