Professorin Dr. Carmen Leicht-Scholten engagiert sich für das Thema soziale Verantwortung von Ingenieurinnen udn Ingenieuren

Soziale Verantwortung von Ingenieurinnen und Ingenieuren

Carmen Leicht-Scholten ist ganz in ihrem Element: Mit der nötigen Freiheit durch Headset und Laserpointer ausgestattet durchquert sie den Raum hinter dem Rednerpult von rechts nach links. Sie spricht engagiert und schnell. Immer wieder unterbricht sie ihren Vortrag durch Fragen an die angehenden Ingenieur/-innen und Technikjournalist/-innen der Hochschule Bonn-Rhein Sieg, nimmt deren Einschätzungen und Fragen auf und entwickelt so zusammen mit dem Auditorium das Thema ihres Vortrags: Die soziale Verantwortung von Ingenieurinnen und Ingenieuren.

Damit lebt die Professorin der RWTH Aachen die zentrale Botschaft ihres Vortrags am 28. Juni quasi vor: Ja, Ingenieurinnen und Ingenieure haben insbesondere in einer Zeit, in der die Technik unser aller Leben immer mehr durchdringt, auch eine soziale Verantwortung. Dieser gerecht zu werden, ist aber gar nicht so schwer: Möglichst viele und unterschiedliche gesellschaftliche Gruppierungen sollten beteiligt werden, wenn etwa Ideen zu den Funktionalitäten von Smart Homes entwickelt und erste Umsetzungen diskutiert werden.

EU-Konzept Responsible Research and Innovation

Mit ihren Thesen ist die Inhaberin der sogenannten Brückenprofessur für Gender und Diversity in den Ingenieurwissenschaften nicht allein. Sie weiß sogar die EU-Kommission hinter sich. Denn diese hat im Zuge der Entwicklung des bald auslaufenden Europäischen Forschungsrahmenprogramms Horizon 2020 das Konzept für „Responsible Research and Innovation (RRI)“ ausgearbeitet. Auf einer eigenen Website werden die sechs normativen Richtlinien der RRI erläutert und Umsetzungsszenarien aufgezeigt: Ethik, Gleichstellung der Geschlechter, Unternehmensführung mit geteilter Verantwortung, freier Zugang zu wissenschaftlichen Erkenntnissen, aktive Einbeziehung der Bürger/-innen in Forschungs- und Entwicklungsprozesse und entsprechende Bildung, die sie hierzu in die Lage versetzt.

Der normativer Rahmen für RRI: Ethik, Gleichberechtigung der Geschlechter, Regierung, offener Zugang, öffentliches Engagement und naturwissenschaftliche Ausbildung

Die Leitlinien des Resposible Research and Innovation-Konzepts (RRI), Quelle: RRI-Toolkit, rri-tools.eu

Ethik-Grundsätze des Vereins Deutscher Ingenieure

Doch auch auf deutscher Ebene hat die Professorin Rückendeckung. Sie wirft die Ethischen Grundsätze des Ingenieurberufs des VDI (Verein Deutscher Ingenieure) an die Wand, und es entsteht der Eindruck, dass manch eine/r staunt, als er oder sie dort liest, Ingenieure und Ingenieurinnen sollten nachhaltige Lösungen und sinnvolle Entwicklungen vorantreiben und sich ihres Handelns in technischer, gesellschaftlicher, ökonomischer und ökologischer Sicht bewusst sein. Sie sollten fach- und kulturübergreifend über Wertevorstellungen diskutieren und sich zur ständigen Weiterbildung verpflichten. Leicht-Scholten konstatiert nüchtern: „Die Leitlinien zur sozialen Verantwortung von Ingenieurinnen und Ingenieuren sind da; es kennt sie nur keiner.“ Daher ist es ihr Anliegen, diese in Ausbildung und Studium zu verankern.

Diverse Crash-Test Dummys

Hierbei ist der Professorin qua ihrer Denomination die Berücksichtigung diverser Bedürfnisse an die Technikentwicklung besonders wichtig. Sie erläutert dies anhand des bekannten, aber sehr einleuchtenden Beispiels von Crash-Test Dummys. Die Position der Autogurte orientierte sich zunächst an einem 80 Kilogramm schwerer Durchschnitts Mann, und bot damit vielen, die dieser Norm nicht entsprachen, keinen Schutz, sondern war vielmehr gefährlich (wie z.B. für schwangere Frauen). Mittlerweile gibt es unterschiedliche Dummies, die die Proportionen von Männern, Frauen und Kindern, kleinen und großen Menschen wiedergeben und dadurch zu mehr Sicherheit für alle führen. Ein Team aus diversen Entwickler/-innen hätte vielleicht eher ein Gurtsystem entwickelt, das verschiedenen Körpergrößen, Geschlechtern und Proportionen angepasst ist, so die Gender- und Diversity-Expertin.

Lösungen durch Dialog

Ingenieur/-innen, die ihre Verantwortung in der Gesellschaft aktiv gestalten, sollten sich also fragen wer ihre Produkte anwenden wird. Zusätzlich könnten sie ihre Anwender/-innen fragen, welche Wünsche sie an eine neue technische Entwicklung haben. Dies ist insbesondere bei den großen gesellschaftlichen Herausforderungen, wie Globalisierung, Klimawandel und Ressourcenknappheit, neue Arbeitsformen durch Digitalisierung oder weltweite Gesundheit, von Bedeutung. In anderen Ländern, wie den USA, ist man hier schon weiter, so Leicht-Scholten. Aber auch deutsche Unternehmen, die international agieren, haben sich dem Konzept der verantwortungsvollen Forschung und Technologie-Entwicklung verschrieben. „In meine Vorlesungen lade ich gerne  Personalverantwortliche großer international agierender Unternehmen ein“, berichtet die Professorin, „diese erklären den Studierenden dann, welchen Mehrwert dies für das Unternehmen hat: Stärkung der Glaubwürdig- und Innovationsfähigkeit sowie Wettbewerbsfähigkeit durch ein Alleinstellungsmerkmal. Umgekehrt ermuntert sie die angehenden Ingenieur/-innen, nach den Ethik-Regeln eines Unternehmens zu fragen, wenn sie sich dort bewerben.

Deutscher Ethik-Rat ohne Ingenieur/-innen

Noch hat auch die Politik Ingenieurinnen und Ingenieure offenbar nicht als potenzielle Ratgeber/-innen bei ethischen Fragen entdeckt. Und es bedarf gefühlt sieben Antworten der Studierenden auf die Frage, wer aus ihrer Sicht im Deutschen Ethikrat sitzen sollte, bis zuletzt eine Studentin auf die Idee kommt, dass ein Ingenieur oder eine Ingenieurin doch auch dazu gehören sollte. „Fehlanzeige“, löst Leicht-Scholten die aufgekommene Spannung auf, „bis heute sind dort noch keine Ingenieurinnen und Ingenieure vertreten“.

Carmen Leicht-Scholten war eine der Vortragenden der Ringvorlesung zur Technik- und Umweltethik an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, die sich im Sommersemester 2018 dem Thema „CO2-Entzug – Climate Engineering – Negativemissionen“ gewidmet hat. Weitere Informationen zu der von Professorin Dr. Katharina Seuser seit 2013 jährlich organisierten Ringvorlesung finden Sie unter www.technik-umwelt-ethik.de.

/ske/dmi

Foto: dmi

Grafik: Fundación Bancaria „la Caixa“: RRI -Tools, European Project for Responsible Research and Innovation Toolkit. Online unter: https://www.rri-tools.eu/de

 

KIM Studie 2016. Themeninteressen von Jungen und Mädchen. Jungen und Mädchen sind sehr interessiert an Freundschaften und Smartphones. Sport, Computer und Konsolenspiele sind besonders bei Jungen beliebt, während Mädchen an Tieren, Musik und Mode interessiert sind. Das Interesse an Technik liegt bei allen Kindern weiter hinten, wobei 22 Prozent der Jungen an Technik sehr interessiert sind.

Interesse an Technik wissenschaftlich untersucht

Welches Interesse an Technik haben Mädchen und Jungen, Männer und Frauen? Und wie hat es sich über die Jahre verändert? Ein Blick in aktuelle Studien.

Interesse an Technik von Kindern

Der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest hat im Jahr 2016 in der seit 1999 regelmäßig durchgeführten KIM-Studie (Kinder und Medien) untersucht, für welche Themengebiete sich Kinder besonders interessieren. Dafür hat er 1229 Kinder im Alter zwischen 6 und 13 Jahren befragt, 51 Prozent Mädchen und 49 Prozent Jungen. Beleuchtet wurden vor allem Medieninteressen der Kinder, gerade in Bezug auf Digitalisierung, Internet, Handy und Computernutzung. Es geht aber auch um Freizeitgestaltung und weitere Interessen.

Handys und Computer sind wichtiger als Technik

Das Ergebnis: Technik und technische Themen spielen bei Kindern eher eine untergeordnete Rolle. Mit Abstand an erster Stelle sind die „Freunde und Freundschaften“ (95 Prozent), hierfür interessieren sich sowohl Jungen als auch Mädchen in besonderem Maße. Es folgen die Schule (mit 70 Prozent) und der Sport (mit 69 Prozent). Die Themen Handy (Platz 4.), Internet/Computer/Laptop (Platz 6) und Computer/Computerspiele (Platz 7) liegen im oberen Mittelfeld. Der Themenbereich „Technik“ liegt auf dem 15. Platz, gefolgt nur noch von „Fremde Länder“ (39 Prozent) und „Aktuelles Weltgeschehen“ (30 Prozent). Auf der anderen Seite geben immerhin 45 Prozent der Kinder an, sich für „Technik“ zu interessieren oder sehr zu interessieren.

Interesse an Technik von Jungen und Mädchen ist unterschiedlich

Dabei geben Jungen im direkten Vergleich mit den Mädchen häufiger an, dass sie sich sehr gerne mit Technik beschäftigen. Während sich nur 3 Prozent der Mädchen für Technik begeistern können, sind es in derselben Altersgruppe 22 Prozent der Jungen. Diese favorisieren Bereiche wie Computer, Handy, Sport und Computerspiele, bei den Mädchen sind die Top-Themen Tiere, Kleidung und Schule.  Im Bereich Umwelt und Natur liegen die Mädchen vorne: 15 Prozent der Mädchen und 11 Prozent der Jungen bekunden hier sehr großes Interesse.

Handynutzung auf dem zweiten Platz

Allerdings zeigt die KIM-Studie auch, dass mit zunehmendem Alter vor allem die Medienthemen wie Handy und Social Media wichtiger werden. Bei der Handynutzung sind kaum Unterschiede zwischen den Gechlechtern vorhanden. Hier geben 37 Prozent der Mädchen und 38 Prozent der Jungen an, sich sehr für Handy und Social Media zu interessieren. Bei den „Ich interessiere mich sehr für…“-Themen liegt die Handynutzung auf dem zweiten Platz, nur übertroffen von der „Freunde/Freundschafts“-Sparte, die bei beiden Geschlechtern äußerst beliebt ist.

Vergleich mit 2006: Technikinteresse konstant

Vergleicht man die Ergebnisse mit denen, die zehn Jahre vorher (im Jahre 2006) in der KIM-Studie erhoben wurden, fällt auf, dass sich an den Reihenfolgen der Interessensgebiete nur wenig geändert hat. Hier wurden 1203 Kinder, davon 49 Prozent Mädchen und 51 Prozent Jungen, im selben Alter zu ähnlichen Themen befragt. Auch hier liegen die Freunde und Freundschaften bei beiden Geschlechtern an erster Stelle. Dabei gaben insgesamt 96 Prozent der Kinder an, dass sie sich für Freunde interessieren oder sehr interessieren. Auf Platz zwei liegt Musik (80 Prozent), auf Platz drei der Sport (78 Prozent). „Technik“ belegt den vorletzten Platz mit insgesamt 46 Prozent. Auf dem letzten Platz liegen „Autos“ mit 44 Prozent, dieser Bereich wurde 2016 nicht mehr erhoben. „Technik“ war somit schon damals für die Kinder weniger interessant, wobei immerhin die Hälfte aller Kinder 2006 ein Interesse an Technik bekundet hat. Auch das Geschlechterverhältnis hat sich in dieser Sparte kaum verändert. 3 Prozent der Mädchen und 26 Prozent der Jungen zeigten sich sehr interessiert. Themen wie Handys und Computer lagen 2006 im Mittelfeld der Interessen. Gerade bei Handys war allerdings schon damals das Interesse bei Mädchen und Jungen gleich. 21 Prozent der Mädchen und 22 Prozent der Jungen gaben an, sich sehr für dieses Thema zu interessieren.

Handys und Computer immer wichtiger für Kinder

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Kinder zwar durchaus Interesse an technischen Themen zeigen, dieses im Vergleich aber nicht so stark ist wie bei anderen Themengebieten. Das geringere Technikinteresse der Mädchen hat sich seit 2006 kaum geändert. Interessant ist jedoch: Bei Medientechnik sieht das anders aus. Nicht nur sind Themen wie „Handys“ und „Computer“ mit den Jahren für Kinder interessanter geworden, sodass sie sich nun im oberen Mittelfeld der Themengebiete befinden. Gerade bei „Handys“ sind die Interessen von Mädchen und Jungen gleich stark und das nicht erst seit Kurzem. Schon vor 10 Jahren gab es hier zwischen den Geschlechtern keinen Unterschied.

 

Technikinteresse von Erwachsenen

Welches Interesse Erwachsene daran haben, die neueste Technik zu verstehen, haben die Wochenzeitung Die ZEIT und das Institut für angewandte Sozialwissenschaft Berlin im Jahr 2015 untersucht. In der Umfrage zum Technikinteresse bei Erwachsenen mit 3104 Teilnehmern zeigten sich ebenfalls Unterschiede zwischen den Geschlechtern. 39 Prozent der Frauen und 59 Prozent der Männer haben an, die neuesten technischen Entwicklungen verstehen zu wollen. Kein Interesse an technischen Themen bekundeten 18 Prozent der Frauen und 7 Prozent der Männer.

Mediennutzung von Erwachsenen

Die KIM-Studie hat gezeigt, dass das Interesse an Medientechnik und damit verbunden den sozialen Medien, mit steigendem Alter zunehmen. Die Informationsbeschaffung über die sozialen Medien ist Thema einer Befragung der TommorowFocus-Media-Gruppe 2015. Hier wurden 589 Teilnehmer gefragt, nach was sie bei Facebook, Twitter und Co. suchen. 27 Prozent der Frauen gaben an, sich explizit über Technik zu informieren, bei den Männern waren es 56,7 Prozent. Auch bei Finanzen und Autos zeigte die männliche Teilnehmergruppe vergleichsweise mehr Interesse, während die Frauen häufiger Interesse an Themen aus dem Gebiet Mode und Lifestyle angaben.

 

Quellen:

Bild: Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest: KIM Studie 2016. Online unter: https://www.mpfs.de/studien/kim-studie/2016/

Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest (2016): KIM-Studie 2016. Online unter: https://www.mpfs.de/fileadmin/files/Studien/KIM/2016/KIM_2016_Web-PDF.pdf [Abrufdatum 02.05.2018]

Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest (2006): KIM-Studie 2006. Online unter: https://www.mpfs.de/fileadmin/files/Studien/KIM/2006/KIM_Studie_2006.pdf [Abrufdatum 02.05.2018]

TomorowFocus-Media-Gruppe (2015): Informationsbeschaffung über soziale Medien. Online unter: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/218295/umfrage/informationsinteresse-der-nutzer-von-sozialen-netzwerken-nach-beliebtesten-themen/ [Abrufdatum 02.05.2018]

ZEIT/ Insitut für angewandte Sozialwissenschaft Berlin (2015): Technikinteresse. Online unter: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/631662/umfrage/neueste-technik-verstehen-nach-geschlecht-in-deutschland/ [Abrufdatum 02.05.2018]

/Franziska Franken

 

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HITECH CAMPUS it

Karriereperspektiven für MINT-Studentinnen

Arbeitgeber für junge Ingenieurinnen und Informatikerinnen

Wie geht es weiter, wenn ich den Hochschulabschluss in der Tasche habe? Was gibt es für Möglichkeiten? Wo soll ich mich bewerben? Vor dieser Frage stehen nicht wenige Studentinnen und Studenten am Ende ihres Studiums. Bei MINT Absolventinnen herrscht besonders große Unsicherheit: Oft gibt es keine Vorbilder, keine Orientierungshilfe. Frauen sind in technischen Berufen immer noch unterrepräsentiert – und der Einstieg in die Arbeitswelt ist eine Hürde, die Studentinnen erst nehmen müssen. Wie kann ich den richtigen Arbeitgeber für mich finden? Welche Möglichkeiten gibt es für mich, in einem technischen Beruf zu arbeiten?

Female Engineering

Die Karrierezeitschriften „Hitech Campus“ und „Hitech Campus it“ stellen einmal im Quartal mögliche Arbeitgeber für Hochschulabsolventen im Bereich Ingenieurwissenschaften und Informatik vor. Jährlich steht dabei eine Ausgabe unter dem Motto „Female Engineering“ – Karriereperspektiven für junge Ingenieurinnen und Informatikerinnen. Seit 2016 kommen hier Frauen zu Wort, die in den bis heute männlich dominierten Berufen Fuß gefasst haben. Sie erzählen von ihrem Werdegang und ihrer täglichen Arbeit. Vor allem aber werden Arbeitgeber vorgestellt, die für Frauen in Ingenieur- und Informatikstudiengängen attraktiv sein könnten.

Orientierung für Absolventinnen in MINT

Beide Zeitschriften werden von der Evoluzione Media AG verlegt, die sich auf die Rekrutierung junger akademischer Absolventen und Absolventinnen in verschiedenen Fachbereichen spezialisiert hat. Studierende sollen über Unternehmen informiert werden, an die sie bei ihrer bisherigen Suche nach einem späteren Arbeitsplatz vielleicht noch nicht gedacht haben. Arbeitgeber stellen sich vor und werben für eine Laufbahn in ihren Unternehmen. Dabei setzen die Macher auf persönliche Geschichten, Laufbahnen junger Mitarbeiter, Portraits und Ideen. Frauen berichten von ihrem Alltag im Unternehmen, ihren Aufgaben und Herausforderungen. Sie erzählen auch davon, wie es ist, als Frau in einem Männerberuf zu arbeiten. Negative Eindrücke kommen dabei selten zur Sprache. Die Unternehmen werden durchweg als gute Arbeitgeber präsentiert.

Trotzdem bieten die Zeitschriften gerade für Absolventinnen eine Erweiterung des Horizonts. Die verschiedenen Unternehmen und aufgezeigten Perspektiven können bei der Orientierung helfen. Ob im Bereich Mobilität, Handel oder Werkstoffforschung, Gaming-Branche oder Luft- und Raumfahrttechnik. Die Liste der vorgestellten Arbeitgeber ist lang. Und neben großen Namen wie Lidl, Edeka, Telekom und ThyssenKrupp präsentieren sich auch Spartenunternehmen, an die Berufseinsteigerinnen nicht unbedingt denken.

 

Die Ingenieurausgabe zum Themenspecial „Female Engineering“ erscheint dieses Jahr am 15. Juni, ebenso die IT-Ausgabe. Einige Exemplare liegen in Hochschulen aus, die meisten Beiträge sowie weitere Portraits von Frauen in Technikfirmen stehen auch auf dem Online-Portal der Hitech Campus Zeitschriften zur Verfügung: http://hitech-campus.de

/Franziska Franken

Foto: Hi Tech Campus

Grafik: Wunschthemen und Technik in Frauenzeitschriften

Mode, Make-up oder Motoren?

BA-Thesis zeigt: Leserinnen wünschen sich mehr technische Inhalte in Frauenzeitschriften

Frauen wollen in den an sie adressierten Zeitschriften zukünftig mehr über Technik lesen. So das Ergebnis einer Abschlussarbeit des Studiengangs Technikjournalismus an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Die Teilnehmerinnen der Erhebung kritisierten das derzeitige Angebot an Frauenzeitschriften vor allem wegen seiner Oberflächlichkeit. Die Themen spiegelten in ihren Augen nicht die Meinungen und Lebensweisen der aktuellen, modernen Frau wider. Die Probandinnen wünschten sich ein breiteres Themenspektrum, das über das bisherige Angebot am Frauenzeitschriftenmarkt hinausgeht. Neben Themen wie alltagstauglicher Mode, Ernährung, Sport und Psychologie sollten auch handwerkliche und technische Themen stehen.

Praktischer Nutzen durch Handwerktipps

Dass Frauen grundsätzlich weniger an Technik interessiert seien, konnte in der Studie – zumindest für die befragten sechs Frauen – widerlegt werden. Und auch die Aufbereitung technischer Texte sollte nicht einfacher, sondern stärker mit Bezug zu den Anwenderinnen gestaltet sein. Die Probandinnen, deren Wünsche an Frauenzeitschriften anhand einer Gruppendiskussion ermittelt wurden, wollen sich mit dem jeweiligen Thema identifizieren und im besten Falle einen praktischen Nutzen aus der Lektüre ziehen.

Die Teilnehmerinnen der Gruppe waren zum Zeitpunkt der Erhebung zwischen 20 und 54 Jahren alt und unterschieden sich in ihren beruflichen Tätigkeiten. Umso interessanter war es, dass alle Probandinnen ähnliche Ansprüche an eine neue Frauenzeitschrift und die Darstellung technischer Inhalte hatten. Auch wenn die Gruppendiskussion nur einen sehr kleinen Ausschnitt der weiblichen Bevölkerung abbildet, können auf Basis ihrer Ergebnisse weitere Forschungen zu eine Konzept für eine neue Art von Frauenzeitschriften, die auch Leserinnen unterschiedlichen Alters ansprechen könnte, betrieben werden.

Grafik: Wunschthemen in Frauenzeitschriften

So könnte die Themenverteilung einer neuen Generation von Frauenzeitschriften nach der Studie aussehen. Dargestellt ist die Anzahl der Teilnehmerinnen (Grundgesamtheit n=6) der Gruppendiskussion, die für das jeweilige Thema stimmen, sowie der Anteil, den das Thema am gesamten Inhalt erhalten soll. Quelle: Schneider

Bachelorthesis: Juliane Schneider (2016): Mode, Make-up oder Motoren – Eine qualitative Untersuchung zur inhaltlichen Konzeption von Frauenzeitschriften. Studiengang Technikjournalismus/PR der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg.

Wissenschaftlerin oder Studentin im Labor mit Schutzbrille von komm mach MINT.

Mit Mentoring zu MINT

Beweggründe von Frauen für technische Studiengänge

Welche Beweggründe haben Studentinnen der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg (H-BRS) ein MINT Fach zu studieren? Mithilfe einer explorativen Studie ging Sabrina Anna-Maria Meinerzhagen-Brumm, Absolventin des Studiengangs Technikjournalismus/PR der H-BRS, im Rahmen ihrer BA-Thesis dieser Frage nach. Ihr Fazit: Vorbilder in MINT- und Mentoringprogramme begeistern für Technik.

Unter den Befragungsteilnehmerinnen befanden sich 30 Studentinnen der kooperativen und Vollzeit-Studiengänge aus dem MINT-Bereich der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg sowie 40 Schülerinnen staatlicher Schulen und Mädchenschulen. Die Teilnehmerinnen waren zwischen 15 bis 26 Jahre alt. Die Befragung und Auswertung wurde während des Sommersemesters 2016 durchgeführt.

70 Prozent der Mütter und 73,3 Prozent der Väter der befragten Studentinnen in MINT-Fächern üben keinen technischen Beruf aus. Dennoch spielen Vor- und Leitbilder bei der Studienfachwahl eine besonders große Rolle. Auch Vorbilder aus dem persönlichen Umfeld, wie etwa Geschwister, Kommilitoninnen und Freundinnen, sind sehr wichtig. Weiter bestätigte die Studie, dass sich ein Technikinteresse oft schon zu Schulzeiten zeigt. Etwa die Hälfte der Studentinnen wählte Fächer wie Informatik oder nahm an Projekten im Bereich Elektrotechnik und Maschinenbau teil. Darüber hinaus nutzen 53,3 Prozent der befragten Studentinnen das Mentoringprogramm der Hochschule. Somit ist eine Bezugsperson für etwa die Hälfte der Studentinnen wichtig.

/dmi

Bachelorthesis: Sabrina Anna-Maria Meinerzhagen-Brumm (2016): Beweggründe für ein MINT-Studium: Bedeutung der Informationswege der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Studiengang Technikjournalismus/PR der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg.

Foto: Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit e.V. | Ort: Alfred-Wegener-Institut Bremerhaven

Ein Thema, zwei Zielgruppen

Ein Vergleich der Technikzeitschriften c’t und smartWoman von Anne Schiebener

SmartWoman ist die erste Technikzeitschrift auf dem deutschen Markt, die sich speziell an Frauen richtet. Jedoch hat diese Zeitschrift nicht viel mit klassischen Technikzeitschriften wie beispielsweise dem c’t magazin für computertechnik gemeinsam. Mit welchen Mitteln werden smartWoman-Leserinnen und die überwiegend männliche Leserschaft der c’t erreicht? Dieser Frage bin ich in meiner BA-Thesis im Studiengang Technikjournalismus/PR an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg nachgegangen.

Frauen lesen selten klassische Technikzeitschriften

Auf dem deutschen Zeitschriftenmarkt gibt es 54 Frauenzeitschriften (Stand 2017). Die inhaltliche Themenpalette ist dabei meist sehr beschränkt und hat sich seit Jahrzehnten nicht verändert. „Pille ja oder nein, die Spargeldiät, mein Freund verlangt von mir xy, was soll ich machen.“ Bei diesem Zitat handelt es sich nicht um Schlagzeilen auf dem Titelblatt einer kürzlich erschienenen Frauenzeitschrift beim Kiosk um die Ecke. Tatsächlich steht das Zitat in einem Buch, das vor über 30 Jahren veröffentlicht wurde.

Frauenzeitschriften vermeiden Technikthemen

Im März 2016 ist eine neue Zeitschrift auf dem Markt erschienen. Dabei handelt es sich um eine Technikzeitschrift speziell für Frauen. Das Konzept der smartWoman ist bislang einzigartig in Deutschland. Während Technik früher nur etwas für Bastler, Programmierer und Nerds war, wird es heute verstärkt mit dem alltäglichen Nutzen in Verbindung gebracht. Beim Durchblättern der Zeitschrift fällt jedoch auf, dass die smartWoman kaum Gemeinsamkeiten mit klassischen Technikzeitschriften aufweist.

Etablierte Technikzeitschriften, erreichen eine zum Großteil männliche Leserschaft. Die Leserschaft der c’t beispielsweise besteht zu über 90 Prozent aus Lesern.

Inhaltsanalyse der smartWoman und c’t

In der Bachelorarbeit wurde erforscht, mit welchen inhaltlichen und formalen Mitteln die Technikzeitschriften c’t und smartWoman ihre Zielgruppen erreichen. Aus dieser Analyse lassen sich Erkenntnisse zu stereotypen Vermittlungsformen gewinnen.

Für die Durchführung der Inhaltsanalyse wurden jeweils fünf Hefte der smartWoman und fünf Hefte der c’t anhand eines Kategoriensystems analysiert und anschließend die Ergebnisse miteinander verglichen. Auf folgende Kategorien wurde dabei ein besonderes Augenmerk gelegt: Titelblatt, Fotos, Werbeanzeigen, Darstellungsformen, Aufhänger, Komplexität der Technikberichterstattung sowie Geschlechterstereotype.

Ergebnisse:

Technik

Die Ergebnisse der Inhaltsanalyse zeigen, dass die c’t ihre Zielgruppe mithilfe von drei Aspekten erreicht: Texte, Technik und Männer. Sowohl bei der Untersuchung des Titelblatts als auch bei der Textanalyse wird deutlich, dass der Fokus auf Texten liegt. Bilder nehmen einen untergeordneten Stellenwert ein. Diesen Punkt bestätigt ebenfalls Jürgen Rink, Chefredakteur der c’t. Er sagt, dass die Leserschaft der c’t an harten Fakten interessiert sei: „Denen ist lieber, dass wir viel Text und viele Informationen in das Heft packen, als dass wir ein lockeres und angenehmes Layout gestalten.“

Texte

Der zweite Aspekt ist das Thema Technik. Alle präsentierten Bilder und Texte haben einen eindeutigen Technikbezug. Das wird dem Kunden bereits bei der Betrachtung des Titelblattes deutlich. Darauf werden ausschließlich Technikthemen und Fotomontagen von technischen Produkten dargestellt. Ebenso haben die Branchen, die in der Zeitschrift Werbeanzeigen schalten, einen technischen Bezug.

Typen

Der dritte Aspekt sind die Männer. Auch wenn sich dieser Punkt nur unterschwellig in der c’t zeigt, zieht er sich dennoch durch die Zeitschrift. Die Leserschaft besteht zu über 90 Prozent aus Lesern. Ebenfalls werden über 90 Prozent der Artikel von Autoren geschrieben. In den Texten werden häufiger Männer als Frauen erwähnt und nur die männlichen Personen agieren in den untersuchten Artikeln als Zitatgeber. Es werden zwar kaum geschlechtsspezifische Stereotypen verwendet, trotzdem entsteht der Eindruck, als würde die c’t vorrangig von Männern für Männer geschrieben werden. Chefredakteur Jürgen Rink sieht ein Problem dabei eher in der Branche: „Mein Eindruck ist, dass es branchenspezifisch ist, dass die c’t von wenig Frauen gelesen wird, und nicht von einer genderspezifischen Sprache abhängt.“

smartWoman: Unterhaltende Themen, wenig Technik

Die smartWoman erreicht ihre Zielgruppe hingegen, indem sie die Frau und das Vergnügen in das Zentrum der Zeitschrift stellt und die Technik in den Hintergrund rückt. Präsentierte Themen auf dem Titelblatt und auch im Heft haben häufig nur einen nebensächlichen Technikbezug. Anja Deininger, Chefredakteurin der smartWoman, bestätigt dieses Ergebnis: „Wir stellen die Technik nicht in den Vordergrund.“ In den meisten Fällen wird ein Technikthema durch ein anderes Thema wie Freizeit oder Vergnügen eingeleitet, um einen Leseanreiz für die Leserinnen zu schaffen.

Es werden darüber hinaus überwiegend Frauen in den Texten erwähnt, die aber zum Teil mit stereotypen Adjektiven beschrieben werden. Auch geschlechtsspezifische Stereotype kommen in der smartWoman vor. Keine der erwähnten Frauen tritt als MINT-Rollenmodell in Erscheinung. Die Zielgruppe der smartWoman stellt eine Frau dar, die kaum Technikkenntnisse und -interessen hat.

Wie können Technikzeitschriften mehr Leserinnen erreichen?

  1. Aufhänger für Technikberichterstattung nutzen

Die Untersuchung hat gezeigt, dass die c’t nur vereinzelt Aufhänger für die Technikberichterstattung nutzt. In der smartWoman hingegen werden häufiger Aufhänger verwendet. Dadurch lässt sich vermuten, dass mehr Frauen die c’t lesen würden, wenn häufiger Aufhänger für die Technikberichterstattung genutzt werden. Einen geschlechterneutralen Aufhänger könnte das Thema Freizeit darstellen, welches in dieser Untersuchung sowohl in der c’t als auch der smartWoman verwendet wurde.

  1. Mehr Fotos von Personen abbilden

Artikel mit Bildern lösen einen stärkeren Leseanreiz für Frauen aus als Artikel ohne Bilder. In dieser Untersuchung hat die smartWoman mehr Bilder pro Artikel verwendet als die c’t. Außerdem können sich die Betrachter am besten mit den Fotos identifizieren, wenn Personen darauf abgebildet sind. Auch das kam bei der smartWoman häufiger vor. Es lässt sich vermuten, dass die c’t mehr weibliche Leserinnen erreichen würde, wenn die Zeitschrift mehr Fotos im Heft abbilden würde. Werden zudem Personen in Verbindung mit Technik gezeigt, kann der Betrachter auch eine Verbindung zur Technik aufbauen.

  1. Geschlechterneutral schreiben

In den untersuchten Texten der c’t werden mehr Männer als Frauen erwähnt. Die c’t könnte mehr weibliche Leserinnen erreichen, wenn sie genauso häufig auch über Frauen schreiben würde. Das sollte geschlechterneutral geschehen. Eine Berichterstattung über erfolgreiche Frauen im Bereich Technik könnte mehr weibliche Leserinnen erreichen und die vorhandenen Geschlechterstereotypen überwinden.

Fazit: Technikzeitschriften schreiben für Männer und Frauen unterschiedlich

Die Inhaltanalyse ist nur eine kleine Stichprobe und ist somit nicht flächendeckend repräsentativ für alle Technikzeitschriften. Trotzdem zeigt sie eine Tendenz des deutschen Technikzeitschriftenmarktes. Die Zeitschriften c’t und smartWoman erreichen ihre Zielgruppen mit unterschiedlichen Mitteln, obwohl es sich in beiden Fällen um Technikzeitschriften handelt. Das liegt einerseits am unterschiedlichen Wissensstand der Leserschaft. Die c’t richtet sich an ein Fachpublikum während die smartWoman für Laien in diesem Themengebiet schreibt. Die anderen Unterschiede lassen sich zum Großteil auf die beiden Geschlechter zurückführen. Daraus lässt sich ableiten, dass Redakteure von Technikzeitschriften für ein bestimmtes Geschlecht schreiben und bei den klassischen Technikzeitschriften ist das zumeist eine männliche Leserschaft.

Die Beiträge mit dem Thema Technik auf dem studentischen Ausbildungsportal Technikjournal sind zum großen Teil mit Alltagsthemen verknüpft. Dadurch wird Technik Männern und Frauen auf interessante Weise näher gebracht.

Technikjournal auf dem Prüfstand

Technikjournal.de: Vorbild für gendergerechten Journalismus?

Im Online-Magazin „technikjournal.de“, einem Ausbildungsportal des Studiengangs „Technikjournalismus“ an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, publizieren die Studierenden multimediale Berichte zu Technik- und Umweltthemen. Doch wie gendergerecht berichtet technikjournal.de über Technik? Wie viele junge Frauen und Männer schreiben hier über technische Themen und wie viele Technik-Expertinnen kommen in den Beiträgen zu Wort?  Im Wintersemester 2016/17 sind Studierende im Projekt “Technikjournal auf dem Prüfstand” auch dieser Frage mithilfe einer empirischen Untersuchung nachgegangen. Marcel Tittko und Marvin Sommershof schildern im Folgenden ihre Erfahrungen und Ergebnisse.

Gendergerechtigkeit im Technikjournalismus

Das Thema Gendergerechtigkeit im Journalismus beschäftigt Fachleute seit einiger Zeit. Dadurch war klar, dass eine entsprechende Untersuchung auch Teil eines Prüfstandes für die Lehrredaktion der Hochschule, das “Technikjournal” sein muss.

Der erste Schritt war die Aufarbeitung der bereits vorhandenen Ergebnisse anderer Autoren. Das Wiki der Hochschule zum Thema Gendergerechtigkeit erwies sich in diesem Zusammenhang als essenziell. Schwierig war hierbei der Begriff des “Technikjournalismus”. Denn die Untersuchungen und Studien beziehen sich in vielen Fällen entweder auf Gendergerechtigkeit im Ingenieurberuf oder im Journalismus. Beide Bereiche hatten jedoch eines gemeinsam: Frauen waren im Vergleich mit ihren männlichen Kollegen in der Unterzahl. Und die Gründe waren vielfältig. Ein durch Männer geprägtes Umfeld und ungleiche Bezahlung sind dabei nur zwei von vielen.

Frauen, Männer und Technik

Nach der Sichtung der allgemeinen Ergebnisse wurden die Artikel des Technikjournals unter Zuhilfenahme eines Kodierbuchs einzeln begutachtet. Untersucht wurden Artikel aus dem Zeitraum vom Sommersemester 2015 bis zum Sommersemester 2016. Bei der Analyse ging es unter anderem um die Darstellung von Frauen, Männern und Technik in Fotos, die Expertenwahl und das Geschlecht der Autoren. Hinzu kam der Studienschwerpunkt (Umwelt- oder Ingenieurwissenschaften). Mit dem IBM-Tool SPSS und der quelloffenen Alternative PSPP wurden die Daten ausgewertet und grafisch aufbereitet. Im Folgenden ein kurzer Überblick über die Ergebnisse.

Viele Autorinnen, wenig Expertinnen

Im Ressort Technik arbeiten nach wie vor überwiegend Journalisten. Das ist beim Ausbildungsportal technikjournal anders: Mit etwa 40 Prozent entspricht der Frauenanteil unter den Autoren und Autorinnen hier sogar dem für Deutschland geschätzten Journalistinnen-Anteil über alle Ressorts hinweg.

Bei den in den Beiträgen zu Wort kommenden Expertinnen und Experten überwiegen allerdings sowohl in den Texten als auch in Fotos und Videos ganz klar Männer. So kann etwa für die in den Texten erwähnten Fachleute festgehalten werden, dass Männer etwa doppelt so häufig technische Zusammenhänge erklären und einordnen können wie Frauen.

Der geringe Frauenanteil in der Berichterstattung deutet ein Problem an: Wenn erheblich mehr Männer als Technik-Experten zu Wort kommen, erscheint der Eindruck, dass Technik eher etwas für Männer ist. Wenn Technik-Expertinnen nicht oder nur wenig präsent in den Medien sind, fehlt eine Vorbildfunktion für junge Frauen, die unschlüssig sind, ob sie sich für einen technischen Beruf entscheiden sollten.

Positiv zu werten ist wiederum, dass in mehr als 80 Prozent der Beiträge der Nutzen von Technik im privaten Alltag thematisiert wird. Damit dürfte die Berichterstattung im Online-magazin „Technikjournal“ Frauen wie Männer gleichermaßen ansprechen.

Technikjournalismus ist Vorbild für andere Berufsfelder

Aber zurück zu den Autorinnen und Autoren: Die Frauenanteile in den journalistischen Studiengängen und selbst im Fach Technikjournalismus, das vor wenigen Jahren noch überwiegend von jungen Männern gewählt wurde, zeigen, dass sich eine Frauenquote von 50 Prozent auch im Technikjournalismus realisieren ließe. Gleichzeitig kann ein interdisziplinärer Studiengang wie Technikjournalismus durch die Abdeckung journalistischer und technischer Kompetenzen junge Frauen und Männer ausbilden, die sich sowohl für Technik als auch für deren Vermittlung interessieren.

/Marcel Tittko und Marvin Sommershof editiert von ske

Grafiken von gender2technik auf Grundlage der Daten von Marcel Tittko und Marvin Sommershof 

Gender und Technik Literatur, eine Auflistung von wissenschaftlichen Beiträgen zum Thema Gender und Technik.

Gender und Technik Literatur

Welttag des Buches und des Urheberrechts

Der 23. April wurde weltweit als Tag des Buches und Urheberrecht gefeiert. Dies nimmt sich „gender2technik“ zum Anlass, um auf Literatur zum Thema Gender und Technik aufmerksam zu machen. Diese Literaturliste wurde im Projekt „Technik-Frauen-Journalismus“ 2014 unter der Leitung von Prof. Dr. Susanne Keil und Dr. Nina Leonhardt an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg zusammengestellt und dient als wissenschaftliche Grundlage des Projekts „Gendergerechter Technikjournalismus“.

Aldag, Isabell (2003): Technikberichterstattung in Frauenzeitschriften. Eine Analyse der Zeitschriften „Brigitte“, „Cosmopolitan“, „Freundin“, „Für Sie“ und „Glamour“ im Zeitraum 2002/2003. Unveröffentlichte Diplomarbeit, Hochschule Bonn-Rhein-Sieg.

Bath, Corinna/Schelhowe, Heidi/Wiesner, Heike (2008): Informatik: Geschlechteraspekte einer technischen Disziplin. In: Becker, Ruth/Kortendiek, Beate (Hrsg.): Handbuch Frauen- und Geschlechterforschung. Theorie, Methoden, Empirie. Geschlecht & Gesellschaft, Band 35, 2. Erweiterte und aktualisierte Auflage, Wiesbaden: VS-Verlag für Sozialwissenschaften, 821-833.

Bertram, Bärbel (2012): Lippenstift und Motoröl. Eine Untersuchung zur Technologiekompetenz weiblicher Auszubildender am Beispiel von Kraftfahrzeugmechatronikerinnen. Dissertation, Universität Bremen, 2012. Bielefeld: W. Bertelsmann Verlag.

Buhr, Regina (2006): Innovationen – Technikwelten, Frauenwelten: Chancen für einen geschlechtergerechten Wandel des Innovationssystems in Deutschland. Berlin: Wostok Verlag.

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Foto: Pixabay.de | lil_foot_

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Portrait von Maria Telkes, die bedeutende Erfindungen in der Solarenergie entwickelte und so den Titel „The Sun Queen“ erhielt.

Maria Telkes

The Sun Queen

22. April war der Tag der Erde – er steht für die Wertschätzung der natürlichen Umwelt und soll zum Überdenken des Konsumverhaltens anregen. „gender2technik“ möchte daher an Maria Telkes erinnern. Ihre Erfindungen machten die Energie der Sonne nutzbar und brachten ihr so den Titel „The Sun Queen“ ein. Sie erfand den ersten funktionierenden Solarofen, ein Heizungssystem betrieben mit Solarenergie und ein Solare Meerwasserentsalzung zur Gewinnung von Trinkwasser.

Telkes wurde am 12. Dezember 1900 in Budapest geboren. Schon vor ihrem Bachelor in der Physikalischen Chemie 1920 an der Universität in Budapest, interessierte sich Telkes für Solarenergie. 1924 promivierte Telkes, ebenfalls in der Physikalischen Chemie. Ein Jahr später emmigrierte sie in die USA um als Biophysikerin an der Cleverland Clinic Foundation zu arbeiten, wo sie an life-transformative energy forschte. Später, 1937 arbeitete und forschte sie bei Westinghouse Electric Corporation an der Energieumwandlung, im speziellen von der Umwandlung von Wäremeenergie zu elektrischer Energie.

1940 wechselte Telkes an das Massachusetts Institute of Technology, wo sie am Solarenergieumwandlungs Projekt arbeitete. 50 Jahre lang forschte Telkes an neuen Möglichkeiten Solarenergie zu nutzen. Maria Telkes und Architektin Eleanor Raymond entwickelten 1948 gemeinsam das erste mit Solarenergie beheizte Haus – das Drover Sun House.

Die Erneuerbaren Energien sind auch heute ein sehr beliebtes Berufsfeld. Durch den konkreten gesellschaftlichen Nutzen sind die technischen Berufe unter Frauen besonders beliebt. Eine Analyse des Wissenschaftsladen Bonn von 2014/15 zeigt, dass im Bereich der Erneuerbaren Energien vor allem technische Berufe wie Elektroniker/innen, Anlagenmechaniker/innen für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, Mechatroniker/innen, Elektroanlagenmonteur/in und Mechaniker/innen gefragt sind.

Um Berufe in den erneuerbaren Energien auch Mädchen näher zu bringen hat der Wissenschaftsladen Bonn in Zusammenarbeit mit dem Game Studios the Good Evil und der Technischen Universität Dresden das Serious Game Serena entwickelt. Serena soll 13- bis 15-jährigen Mädchen auf spielerische Weise Wissen und Kompetenzen vermitteln.

Quellen:

Lemelson-Massachusetts Institute of Technology

Argentur für Erneuerbare Energien (7. März 2017): Erneuerbare Energien motivieren Frauen zu technischen Berufen

Analyse des Wissenschaftsladen Bonn (2015): Technische Ausbildungsberufe im Bereich Erneuerbare Energien

Serena Supergreen, Webseite des Serious Game

Foto: Dr. Maria Telkes New York World-Telegram and the Sun staff photographer – Library of Congress Prints and Photographs Division. New York World-Telegram and the Sun Newspaper Photograph Collection.

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Potrait der ersten Nobellpreisträgerin der Physiologie oder Medizin 1947, Gerty Theresa Cori.

Wegbereiterin Gerty Cori

Erste Nobelpreisträgerin der Physiologie oder Medizin

Am 7. April war der Weltgesundheitstag. Anlass für „gender2technik“ das Leben der Vorreiterin Gerty Cori näher zu beleuchten. 1947 erhielt sie zusammen mit ihrem Mann Carl Ferdinand Cori den Nobelpreis für die Entdeckung des Verlaufs des katalytischen Glykogen-Stoffwechsels, umgangssprachlich auch als Zuckerstoffwechsel bekannt. Sie war die erste Frau, die einen Nobelpreis der Physiologie oder Medizin verliehen bekam und somit Vorbild für viele weitere Wissenschaftlerinnen.

Der zyklische Verlauf des Glykogen-Stoffwechsels wird auch heute noch als Cori-Zyklus bezeichnet. Der Kreislauf beschreibt folgendes: Zucker wird in der Muskulatur zu Energie umgewandelt. Dabei entsteht Lactat als Abfallprodukt. Das Lactat wird dann durch den Blutkreislauf in die Leber transportiert. Hier kann es durch die Energie von Fett(säuren) wieder in Zucker umgewandelt werden. Der entstehende Zucker kann dann entweder gespeichert werden oder er gelangt durch den Blutkreislauf wieder zur Muskulatur. Die Entdeckungen der Coris zum Zucherstoffwechsel legten den Grundstein für weitere Forschungen und Entdeckungen.

Das effektive Cori-Team forschte auch an den Effekten der Hormone Insulin und Adrenalin im Zuckerstoffwechsel. 1936 konnten sie erstmals Glucose-1-phosphat isolieren, welches auch den Namen Cori-Ester trägt. Den Lohn für diese Errungenschaft wurde jedoch zunächst nur ihrem Mann zugeschrieben. Zahlreiche weitere Erfolge auf dem Gebiet der Biochemie folgten. Jedoch wurden ihre wissenschaftlichen Erfolge nicht gewürdigt. Während Carl Cori 1931 auf eine Professur berufen wurde, erhielt Gerty Cori erst 1943 eine Assistenz-Professur. Fünf Jahre später, 1947 wurde auch Gerty auf eine „vollständige“ Professur berufen – dem selben Jahr, in dem Gerty und Carl Cori den Nobelpreis der Physiologie/Medizin erhielten.

Ein Jahr nach der Nobelpreisverleihung wurde bei Gerty Cori die seltene Krankheit Myelofibrose, eine Erkrankung des Knochenmarks, festgestellt. Dennoch arbeitete sie engagiert bis zu ihrem Tod weiter. Sie war somit nicht nur Vorreiterin für Frauen in der Medizin, sondern auch Vorbild für sie. Dennoch vergingen 30 Jahre, bis erneut eine Frau – Rosalyn Sussman Yalow – 1977 den Nobelpreis der Physiologie/Medizin erhielt.

Auch 70 Jahre nachdem die erste Frau einen Nobelpreis in der Physiologie erhalten hat ist der Frauenanteil erschreckend gering: Bisher haben nur 12 Frauen einen Nobelpreis für Physiologie/Medizin erhalten. Im Vergleich dazu liegt der Männeranteil mit 199 Nobelpreisträgern in der Disziplin deutlich höher. Jedoch zeigt sich, dass der Abstand zwischen den Verleihungen an eine Frau sich mittlerweile verkürzt hat. Waren es vor dem Jahre 2000 noch durchschnittlich acht bis neun Jahre, so vergehen nach 2000 im Durchschnitt nur noch rund zwei bis drei Jahre bis zu einer Nobelpreisträgerin in der Physiologie/Medizin.

Nobelpreisträgerinnen für Physiologie oder Medizin:

  • 1947: Gerty Cori und Carl Ferdinand Cori: „für ihre Entdeckung des Verlaufs des katalytischen Glykogen-Stoffwechsels“
  • 1977: Rosalyn Sussman Yalow: „für die Entwicklung radioimmunologischer Methoden der Bestimmung von Peptidhormonen“
  • 1983: Barbara McClintock: „für ihre Entdeckung der beweglichen Strukturen in der Erbmasse“
  • 1986: Rita Levi-Montalcini und Stanley Cohen: „für ihre Entdeckung des Nervenwachstumsfaktors“
  • 1988: Gertrude Belle Elion, James Whyte Black und George Herbert Hitchings: „für ihre wegweisenden Entdeckungen wichtiger biochemischer Prinzipien der Arzneimitteltherapie“
  • 1995: Christiane Nüsslein-Volhard, Edward B. Lewis und Eric F. Wieschaus: „für ihre grundlegenden Erkenntnisse über die genetische Kontrolle der frühen Embryonalentwicklung“
  • 2004: Linda B. Buck und Richard Axel: „für die Erforschung der Riechrezeptoren und der Organisation des olfaktorischen Systems“
  • 2008: Françoise Barré-Sinoussi und Luc Montagnier: „für die Entdeckung des HI-Virus“
  • 2009: Elizabeth H. Blackburn, Carol W. Greider und Jack Szostak: für die Entdeckung, „wie Chromosomen durch Telomere und das Enzym Telomerase geschützt werden“
  • 2014: May-Britt Moser, Edvard Moser und John O’Keefe: „für Entdeckungen von Zellen, die ein Positionierungssystem im Gehirn bilden“
  • 2015: Youyou Tu: „für ihre Entdeckungen betreffend eine neuartige Therapie für Malaria“

Quellen:

Nobelprize.org (2014): „Gerty Cori – Biographical“. Nobel Media AB 2014.

Nobelprize.org: Nobel Prize Awarded Women

Marc Scheloske (2008): Karriere im Schatten: Die Nobelpreisträgerin Gerty Theresa Cori. In: Science Blogs.

Foto: von National Library of Medicine, Images from the History of Medicine, B05353 [Public domain], via Wikimedia Commons

/dmi

Letzte Aktualisierung: 22.05.2017