Potrait der ersten Nobellpreisträgerin der Physiologie oder Medizin 1947, Gerty Theresa Cori.

Wegbereiterin Gerty Cori

Erste Nobelpreisträgerin der Physiologie oder Medizin

Am 7. April war der Weltgesundheitstag. Anlass für „gender2technik“ das Leben der Vorreiterin Gerty Cori näher zu beleuchten. 1947 erhielt sie zusammen mit ihrem Mann Carl Ferdinand Cori den Nobelpreis für die Entdeckung des Verlaufs des katalytischen Glykogen-Stoffwechsels, umgangssprachlich auch als Zuckerstoffwechsel bekannt. Sie war die erste Frau, die einen Nobelpreis der Physiologie oder Medizin verliehen bekam und somit Vorbild für viele weitere Wissenschaftlerinnen.

Der zyklische Verlauf des Glykogen-Stoffwechsels wird auch heute noch als Cori-Zyklus bezeichnet. Der Kreislauf beschreibt folgendes: Zucker wird in der Muskulatur zu Energie umgewandelt. Dabei entsteht Lactat als Abfallprodukt. Das Lactat wird dann durch den Blutkreislauf in die Leber transportiert. Hier kann es durch die Energie von Fett(säuren) wieder in Zucker umgewandelt werden. Der entstehende Zucker kann dann entweder gespeichert werden oder er gelangt durch den Blutkreislauf wieder zur Muskulatur. Die Entdeckungen der Coris zum Zucherstoffwechsel legten den Grundstein für weitere Forschungen und Entdeckungen.

Das effektive Cori-Team forschte auch an den Effekten der Hormone Insulin und Adrenalin im Zuckerstoffwechsel. 1936 konnten sie erstmals Glucose-1-phosphat isolieren, welches auch den Namen Cori-Ester trägt. Den Lohn fĂĽr diese Errungenschaft wurde jedoch zunächst nur ihrem Mann zugeschrieben. Zahlreiche weitere Erfolge auf dem Gebiet der Biochemie folgten. Jedoch wurden ihre wissenschaftlichen Erfolge nicht gewĂĽrdigt. Während Carl Cori 1931 auf eine Professur berufen wurde, erhielt Gerty Cori erst 1943 eine Assistenz-Professur. FĂĽnf Jahre später, 1947 wurde auch Gerty auf eine „vollständige“ Professur berufen – dem selben Jahr, in dem Gerty und Carl Cori den Nobelpreis der Physiologie/Medizin erhielten.

Ein Jahr nach der Nobelpreisverleihung wurde bei Gerty Cori die seltene Krankheit Myelofibrose, eine Erkrankung des Knochenmarks, festgestellt. Dennoch arbeitete sie engagiert bis zu ihrem Tod weiter. Sie war somit nicht nur Vorreiterin fĂĽr Frauen in der Medizin, sondern auch Vorbild fĂĽr sie. Dennoch vergingen 30 Jahre, bis erneut eine Frau – Rosalyn Sussman Yalow – 1977 den Nobelpreis der Physiologie/Medizin erhielt.

Auch 70 Jahre nachdem die erste Frau einen Nobelpreis in der Physiologie erhalten hat ist der Frauenanteil erschreckend gering: Bisher haben nur 12 Frauen einen Nobelpreis für Physiologie/Medizin erhalten. Im Vergleich dazu liegt der Männeranteil mit 199 Nobelpreisträgern in der Disziplin deutlich höher. Jedoch zeigt sich, dass der Abstand zwischen den Verleihungen an eine Frau sich mittlerweile verkürzt hat. Waren es vor dem Jahre 2000 noch durchschnittlich acht bis neun Jahre, so vergehen nach 2000 im Durchschnitt nur noch rund zwei bis drei Jahre bis zu einer Nobelpreisträgerin in der Physiologie/Medizin.

Nobelpreisträgerinnen für Physiologie oder Medizin:

  • 1947: Gerty Cori und Carl Ferdinand Cori: „fĂĽr ihre Entdeckung des Verlaufs des katalytischen Glykogen-Stoffwechsels“
  • 1977: Rosalyn Sussman Yalow: „fĂĽr die Entwicklung radioimmunologischer Methoden der Bestimmung von Peptidhormonen“
  • 1983: Barbara McClintock: „fĂĽr ihre Entdeckung der beweglichen Strukturen in der Erbmasse“
  • 1986: Rita Levi-Montalcini und Stanley Cohen: „fĂĽr ihre Entdeckung des Nervenwachstumsfaktors“
  • 1988: Gertrude Belle Elion, James Whyte Black und George Herbert Hitchings: „fĂĽr ihre wegweisenden Entdeckungen wichtiger biochemischer Prinzipien der Arzneimitteltherapie“
  • 1995: Christiane NĂĽsslein-Volhard, Edward B. Lewis und Eric F. Wieschaus: „fĂĽr ihre grundlegenden Erkenntnisse ĂĽber die genetische Kontrolle der frĂĽhen Embryonalentwicklung“
  • 2004: Linda B. Buck und Richard Axel: „fĂĽr die Erforschung der Riechrezeptoren und der Organisation des olfaktorischen Systems“
  • 2008: Françoise BarrĂ©-Sinoussi und Luc Montagnier: „fĂĽr die Entdeckung des HI-Virus“
  • 2009: Elizabeth H. Blackburn, Carol W. Greider und Jack Szostak: fĂĽr die Entdeckung, „wie Chromosomen durch Telomere und das Enzym Telomerase geschĂĽtzt werden“
  • 2014: May-Britt Moser, Edvard Moser und John O’Keefe: „fĂĽr Entdeckungen von Zellen, die ein Positionierungssystem im Gehirn bilden“
  • 2015: Youyou Tu: „fĂĽr ihre Entdeckungen betreffend eine neuartige Therapie fĂĽr Malaria“

Quellen:

Nobelprize.org (2014): „Gerty Cori – Biographical“. Nobel Media AB 2014.

Nobelprize.org: Nobel Prize Awarded Women

Marc Scheloske (2008): Karriere im Schatten: Die Nobelpreisträgerin Gerty Theresa Cori. In: Science Blogs.

Foto: von National Library of Medicine, Images from the History of Medicine, B05353 [Public domain], via Wikimedia Commons

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Letzte Aktualisierung: 22.05.2017

Kinderbücher für technikbegeisterte Mädchen.

Ina, die Ingenieurin

Weltkinderbuchtag: Wer kennt Kinderbücher für technikbegeisterte Mädchen?

Am 2. April war Weltkinderbuchtag. Anlass für „gender2technik“ einmal nach Ingenieurinnen in Kinderbüchern zu fragen. Immerhin kann davon ausgegangen werden, dass die hier vermittelten Bilder und Rollen von Männern und Frauen Kinder in ihren Berufswünschen beeinflussen.

Wissenschaftliche Untersuchungen belegen Fortschritte: So werden Frauen in der Kinder- und Jugendliteratur heute oft als selbstbewusst und Mütter immer häufiger als berufstätig dargestellt. Bei den weiblichen Hauptfiguren zeigt sich ein Trend zu aktiven, starken Heldinnen. Dennoch bilden Frauen, die in MINT-Berufen arbeiten, hier noch die Ausnahme.

Daher hier einmal die Frage: Wer kennt KinderbĂĽcher, in denen Frauen als Technikerinnen oder Naturwissenschaftlerinnen vorkommen? Schreibt uns, wir stellen Eure Liste dann hier auf „gender2technik“ zusammen.

Wir können zwei Titel beitragen: 2015 ist eine Neuauflage des Pixi-Buchs „Meine Freundin, die ist Ingenieurin“ erschienen. Das Pixi-Buch entstand aus der Zusammenarbeit des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, dem Nationalen Pakt fĂĽr Frauen in MINT-Berufen und dem Haus der kleinen Forscher. Leider ist es zur Zeit nicht frei verkäuflich, beziehungsweise nur ĂĽber den Gebrauchtmarkt erhältlich. Von Lehrern, Ingenieuren, Erziehern, Hochschuldozenten oder ähnlichen institutionellen Nutzern kann es derzeit ĂĽber Think ING bezogen werden.

Auf der Seite gender-kinderbuch.de haben wir das Buch Die Busfahrerin von Vincent Cuvellier gefunden. Auf der Website werden Kinderbücher vorgestellt, die sich mit der Diversität unserer Welt auseinandersetzen.

Also: Welche KinderbĂĽcher kennt Ihr jenseits von Bob dem Baumeister oder Tobi TĂĽftel?

Links und Quellen:

Internationaler Kinderbuchtag

Heilemann, Michael; Hackl, Julia; Neubauer, Tanja & Stöger, Heidrun. (2012). Die Darstellung von Mädchen und Frauen in den Medien. In Heidrun Stöger; Albert Ziegler & Michael Heilemann (Hrsg.), Mädchen und Frauen in MINT – Bedingungen von Geschlechterunterschieden und Interventionsmöglichkeiten (S.77–102). Berlin: LIT.

Foto: pixabay.com / Pezibear

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Studentinnen aus dem Bereich MINT (Informatik) betrachten eine Platine.

Frauenanteil in MINT-Studiengängen steigt

Die MINT-Studiengänge werden bei Frauen immer beliebter, wie der Nationale Pakt für Frauen in MINT-Berufen in einer Pressemitteilung von Ende 2016 mitteilte. Die Statistiken zeigen, dass die Zahlen der MINT-Studienanfängerinnen deutlich gestiegen sind. Dennoch beginnen weniger Frauen ein Studium aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik.

Der Anteil der Studienanfängerinnen in den Fächern Elektrotechnik und Informationstechnik ist mit 15,3 Prozent so hoch wie nie zuvor. Im Vergleich zum Vorjahr 2014 stieg der Anteil der Studienanfängerinnen um fast 10 Prozent. Seit Beginn der Aufzeichnung im Jahre 1976 stieg der Anteil der Studienanfängerinnen kontinuierlich an. Dennoch ist ihr Anteil mit 15,3 Prozent sehr gering. Besser sieht es in der Informatik aus, hier ist mittlerweile fast jeder vierte Studienanfänger eine Frau. Im Bauingenieurswesen liegt der Frauenanteil sogar noch etwas höher. Er steigt erstmals auf über 30 Prozent. Ähnlich gut sieht es in der Physik und Astronomie aus. In der Chemie und Mathematik liegt der Frauenanteil sogar nah an der 50 Prozent Marke.

studienanfaengerinnen-2000-2008-und-2015

Aktuelle Daten aus dem Wintersemester 2015/2016

Elektrotechnik und Informationstechnik

  • Frauenanteil unter den Studienanfängern mit 15,3 % so hoch wie nie zuvor
  • 28.086 Studierende im 1. Fachsemester (Studienbereich Elektrotechnik und Informationstechnik)
  • 4.310 (15,3 %) Studienanfängerinnen | 23.776 (84,7 %) Studienanfänger
  • Veränderung 2014 auf 2015: insgesamt +2,2 % | Frauen: +9,6 % | Männer: +0,9 %

Informatik

  • Fast jeder vierte Studienanfänger in der Informatik ist mittlerweile eine Frau
  • 68.998 Studierende im 1. Fachsemester (Studienbereich Informatik)
  • 16.947 (24,6 %) Studienanfängerinnen | 52.051 (75,4 %) Studienanfänger
  • Veränderung 2014 auf 2015: insgesamt +7,2 % | Frauen: +11,3 % | Männer: +5,9 %

Bauingenieurwesen

  • Frauenanteil unter den Studienanfängern im Bauingenieurwesen steigt erstmals auf ĂĽber 30%
  • 18.896 Studierende im 1. Fachsemester (Studienbereich Bauingenieurwesen)
  • 5.689 (30,1 %) Studienanfängerinnen | 13.207 (69,9 %) Studienanfänger
  • Veränderung 2014 auf 2015: insgesamt +2,7 % | Frauen: +8,3 % | Männer: +0,5 %

Mathematik

  • 12.691 (47,8 %) Studienanfängerinnen | 13.847 (52,2 %) Studienanfänger
  • Veränderung 2014 auf 2015: insgesamt +1,5 % | Frauen: +0,9 % | Männer: +2,0 %

Physik & Astronomie

  • 5.962 (32,5 %) Studienanfängerinnen | 12.363 (67,5 %) Studienanfänger
  • Veränderung 2014 auf 2015: insgesamt: +3,5 % | Frauen: +6,3 % | Männer: +2,2 %

Chemie

  • 8.488 (45,0 %) Studienanfängerinnen | 10.369 (55,0 %) Studienanfänger
  • Veränderung 2014 auf 2015: insgesamt +4,1 % | Frauen: +7,2 % | Männer: +1,6 %

/dmi

Quelle: 

Pressemitteilung vom 19.12.2016: MINT-Fächer stark nachgefragt

Nationaler Pakt fĂĽr Frauen in MINT-Berufen

Grundlage fĂĽr die Statistiken sind Daten des Statistischen Bundesamtes und eigene Berechnungen des Kompetenzzentrums Technik – Diversity – Chancengleichheit

Fotos:

Beistragsfoto: Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit e.V. | Ort: zdi-SchĂĽlerlabor coolMINT.paderborn

Grafik: Kompetenzzentrum Technik – Diversity – Chancengleichheit

 

 

 

 

 

 

Cathrin Fremuth, Diplom-Ingenieurin Maschinenbau, an ihrem Arbeitsplatz in der Maschinenhalle bei Varian Medical Services. Fotografiert von Hanna Diewald.

„An Technik fasziniert mich, dass …“

„An Technik fasziniert mich, dass sie das Leben nicht nur erleichtert, sondern es auch retten kann,“ erklärt Cathrin Fremuth, Maschinenbauingenieurin bei Varian Medical Systems. Sie und 13 weitere haben an einem Kalender Projekt des Studiengangs Technikjournalismus der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg teilgenommen. FĂĽr das Projekt haben Studierende, Absolventinnen und Absolventen der Elektrotechnik und des Maschinenbaus von ihrer Technikfaszination erzählt und sich fotografieren lassen. Entstanden ist ein Kalender fĂĽr 2017 mit 14 Fotos, bei dem Frauen und Männer gleichsam repräsentiert werden. Ziel des Projekts war es, die Motivation von Frauen und Männern, sich mit Technik zu beschäftigen, festzuhalten.

Der Kalender ist im Sommersemester 2016 unter der Leitung von Susanne Keil, Professorin fĂĽr Journalistik an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, dem Fotografen Eric Lichtenscheidt und dem wissenschaftlichen Mitarbeiter Frank Seidel entstanden.

Wer Interesse an einem oder mehreren Exemplaren hat, melde sich bitte per Email: susanne.keil@h-brs.de

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Titelbild:

Cathrin Fremuth, Maschinenbauingenieurin bei Varian Medical Systems, fotografiert von Hanna Diewald

Bild im Beitrag:

Patrick Berninghaus, Studierender der Elektrotechnik im 8. Semester, fotografiert von Freya Wolff

Staunen an der Wasserstrahlschneidemaschine

Als Produktdesignerinnen haben sich zehn Mädchen im Alter von 10 bis 13 Jahren in den Herbstferien an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg betätigt. Mit einem CAD-Programm haben sie Wanduhren, etwa ein Schiff, eine Eule, einen Schmetterling oder den Big Ben, entworfen und per Schneidemaschine aus Styropor ausgeschnitten und gestaltet.

Vor der Arbeit an den eigenen Werken stand ein Besuch in der Maschinenhalle des Fachbereichs Elektrotechnik, Maschinenbau und Technikjournalismus auf dem Programm. An der Wasserstrahlschneidemaschine hat ihnen der Wissenschaftliche Mitarbeiter Sascha Breuer gezeigt, wie Metallformen, die ebenfalls per CAD entworfen worden sind, geschnitten werden.

Auch fĂĽr die kommenden Osterferien hat Gesche Neusel, Mitarbeiterin der Gleichstellungsstelle der Hochschule und zuständig fĂĽr die „Girls explore technidsc_0370cs together“-Kurse (GETogether), bereits wieder ein Programm zuammengestellt: Es werden Roboter gebaut und anschlieĂźend programmiert.

 

 
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Get Together-Kurse werden am Standort Sankt Augustin in der ersten Osterferienwoche für die Klassen 5-7, in der zweiten für Mädchen ab Klasse 8 angeboten. Informationen erteilt Gesche Neusel; E-Mail: gesche.neusel@h-brs.de;  Telefon: +49 2241 865 795.

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Links:

Informationen zu den Get Together-Ferienprojekten an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg

Fotos: Gesche Neusel

Technik-Professorinnen gesucht

Video ĂĽber die Lehre an einer Hochschule fĂĽr angewandte Wissenschaften

Welch spannende Berufsfelder sich für Ingenieurinnen an einer Hochschule bieten, zeigt ein Video, das jetzt in einer Kooperation der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg und der Hochschule Bochum entstanden ist. Im Video erzählen unter anderem die Chemikerin Margit Schulze und die Geoinformatikerin Ulrike Klein (Hochschule Bonn-Rhein-Sieg) sowie die Architektin Karin Lehmann (Hochschule Bochum) von ihrem beruflichen Alltag.

Gerade an den früheren Fachhochschulen, den heutigen Hochschulen für angewandte Wissenschaften, mit ihrer in der Regel stark technischen Ausrichtung werden Professorinnen gesucht. Wenn Fächer wie Elektrotechnik und Maschinenbau nur von wenigen jungen Frauen studiert werden, fehlen anschließend auch Ingenieurinnen, die für eine Karriere als FH-Professorin infrage kommen. Dabei sind weibliche Vorbilder gerade hier besonders wichtig.

Aber auch Fachbereiche, wie Betriebswirtschaft, Sozialversicherungen, Informatik und sogar Journalistik gibt es zunemend an Hochschulen fĂĽr angewandte Wissenschaften.

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Die Professorinnen begeistert an ihrem Beruf, dass sie an aktuellen Themen forschen und dabei Theorie und Praxis miteinander verbinden können. Die Lehre in kleinen Gruppen schaffe eine angenehme Atmosphäre. Familie und Beruf könnten gut miteinander vereint werden. Die Voraussetzungen für eine Berufung zur Professorin können je nach Bundesland variieren. Allen gemeinsam ist jedoch, dass ein abgeschlossenes Hochschulstudium und eine mehrjährige Berufserfahrung vorausgesetzt wird.

Das Video „Professorinnen – wo seid Ihr?“ entstand aus der Zusammenarbeit der Hochschule Bochum und der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Das Projekt begann 2012 mit einer Studie der Hochschule Bochum. Die Studie kam zu dem Schluss, dass das Berufsbild unter geeigneten Bewerberinnen nicht bekannt genug ist. Das Video soll den Beruf der Professorin an angewandten Hochschulen fĂĽr den Nachwuchs bekannter machen. Weitere Informationen zum Berufsbild, den Voraussetzungen, Förderprogrammen und Veranstaltungen finden sich auf der Webseite www.professorin-werden.de.

Weitere Erfahrungen von Professorinnen an Hochschulen für angewandte Wissenschaften finden sich in einem Artikel vom April 2015 der Deutschen Universitätszeitung duz Frauen, wo seid ihr?.

/dmi

Foto: Standbild aus dem Video „Professorinnen – wo seid Ihr?“ der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg und der Hochschule Bochum

 

Gendergerechte Technikmuseen

Strategien gegen den Ausschluss von Frauen

Ende September ist das Projekt „Gender Technik Museum“ mit einer gleichnamigen Publikation abgeschlossen worden. In dem vom Bundesministerium fĂĽr Bildung und Forschung geförderten Vorhaben haben Daniela Döring und Hannah Fitsch Technikmuseen einem Gender-Check unterzogen. „Kommen Frauen in den Geschichtserzählungen von Technik- und Naturwissenschaften angemessen vor?“ war eine der Fragen, denen die Genderforscherinnen der Technischen Universität Berlin nachgegangen sind. Anhand der Ergebnisse von unter anderem 40 Experten- und Expertinnen-Interviews haben sie jetzt zusammen mit Sabine Hark Strategien fĂĽr eine gendergerechte Musemspraxis veröffentlicht.

Die Untersuchung bestand neben den Interviews mit Expert*innen in sechs Partnerinstitutionen aus der kuratorischen Begleitung eines Ausstellungsprojekts sowie einer Auftaktkonferenz, die dem Wissenschafts-Praxis-Dialog und der weiteren Vernetzung diente. Auf dieser diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Thesen zu geschlechtsspezifischen Ungleichheiten im Museum sowie Best Practices und Strategien der Veränderung.

Technikmuseen sind Bildungsinstitutionen, die historische Exponate zeigen und so kulturelle Wertevorstellungen, Vorbilder und gesellschaftliche Erwartungen prägen. Studien der Genderforschung haben gezeigt, dass Technikmuseen jedoch oft eine vergeschlechtliche Sichtweise auf die Technikgeschichte wiedergegeben, die Frauen ausschließt. Werden sie erwähnt, dann als Ehefrauen, Begleiterinnen, Konsumentinnen, Frauen im Haushalt oder Arbeiterinnen in weiblich stigmatisierten Sphären. Als Entwicklerinnen von Technik werden sie als Exotin und Ausnahmefall dargestellt. Zudem ist es gängige Praxis, die Technikausstellung auf technische Daten und Objekte zu reduzieren. Die kulturgeschichtlichen, gesellschaftlichen und geschlechtspolitischen Lebensbedingungen und Kontexte werden so vernachlässigt.

Die Publikation „Gender Technik Museum“ kann ĂĽber die Webseite heruntergeladen werden.

/dmi

Links:

Webseite {Gender; Technik; Museum}

Leseprobe von „Frauen im Technikmuseum. Ursachen und Lösungen für gendergerechtes Sammeln und Ausstellen“ von Anna Döpfner (Mai 2016)

Kurz zuvor ist die Publikation „Frauen im Technikmuseum. Ursachen und Lösungen fĂĽr gendergerechtes Sammeln und Ausstellen“ von Ana Döpfner erschienen. Die Autorin zollt in ihrem Buch dem Ruhr-Museum Essen, dem Science Museum London und dem Technischen Museum Wien Anerkennung. Vor allem bei Letzterem sei die bis 2017 laufende Ausstellung „In Arbeit“ vorbildlich in ihrer Umsetzung von „Gender, Race und Class“.

Rezension des Buches von Anna Döpfner in derStandart.at (23.08.2016)

Grafik: gender2technik

 

 

Was Frauen in MINT-Berufen wichtig ist

Aktuelle Auswertung internationaler Arbeitsmarktstudien

Eine gute Work-Life-Balance, der Abbau von geschlechtsspezifischen Gehaltsdifferenzen und Mentoring-Programme können dem Fachkräftemangel in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – kurz MINT – entgegenwirken. Dies ist das Ergebnis einer Studie des amerikanischen Personaldienstleisters Kelly Services. Befragt wurden 164.000 Personen aus 28 Ländern zu Wünschen und Problemen von Frauen im MINT-Bereich.

Warum beenden Frauen ihre MINT Karriere frühzeitig? Laut der Studie sind ein Mangel an Mentorinnen und weiblichen Vorbildern, Rollenklischees und wenig familienfreundliche Arbeitsbedingungen hierfür ausschlaggebend. Fehlende weibliche Vorbilder seien vor allem für junge MINT-Interessentinnen bis zum Hochschulabschluss ein Hindernis. Der Frauenanteil in den MINT-Studiengängen 2015 in Deutschland lag bei 23 Prozent. Andere europäische Länder verzeichnen ähnliche Anteile an Studentinnen im MINT Bereich. Zusätzlich sei die Wahrscheinlichkeit, dass Frauen mit einem MINT-Abschluss in der Branche arbeiten, niedriger als bei ihren männlichen Kollegen. Als Auslöser dafür nennt die Studie fehlende Unterstützung. Im fortgeschrittenen Berufsleben sind dagegen wenig familienfreundliche Arbeitsbedingungen ein Hindernis. Auch fehlende Aufstiegschancen können ein Problem sein. Auf dem Höhepunkt der Karriere spiele vor allem die Isolation eine Rolle. Frauen in höheren Führungspositionen seien oft alleine unter ihren männlichen Kollegen.

Offenbar trauen sich Frauen in MINT Bereichen auch weniger zu als ihre Kollegen. So seien in Europa nur 56 Prozent der Frauen in MINT-Berufen von ihrem Marktwert überzeugt – im Gegensatz zu 67 Prozent der Männer. Weniger Selbstvertrauen haben vor allem Ingenieurinnen und Mitarbeiterinnen in den Life Sciences. Informatikerinnen und Mitarbeiterinnen in High Tech-Bereichen würden dagegen mehr Selbstvertrauen aufweisen.

Die Lösungsvorschläge der Autorinnen und Autoren der Studie: Wichtig sei vor allem eine gute Work-Life-Balance für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Dazu zählten flexible Arbeitszeiten und erweiterte Optionen für die Elternzeit. Zudem sei es wichtig, geschlechtsspezifische Gehaltsdifferenzen abzubauen und klare, messbare Schritte auf dem Weg zu einer Beförderung zu kommunizieren. Auch könnten Mentoring-Programme und Patenschaften helfen, mehr Frauen auf dem Weg in die Führungsetagen zu unterstützen. Schließlich sollten Unternehmen ihre Stellenausschreibungen gendergerecht formulieren, damit keine Rollenklischees reproduziert werden.

Analysiert wurden Daten, die Kelly Services in eigenen internationalen Arbeitsmarktstudien in den Jahren 2014 und 2015 erhoben haben.

/dmi

Quellen:

Pressemitteilung von Life PR (02.08.2016): Eine neue Studie zeigt, wie der europäische Fachkräftemangel im MINT-Bereich durch eine inklusive Strategie behoben werden kann

Kelly Services: Report Frauen in MINT-Berufen

Grafik von: Kelly Global Workforce Index 2015, Kelly Services

Traumfigur und schmale Taille?

Technikberichterstattung aus Männerperspektive

Wir haben uns ja mit diesem Blog vorgenommen, nicht nur ĂĽber das Thema „Frauen und Männer und Technik“ zu informieren, sondern auch die Technikberichterstattung kritisch unter die Lupe zu nehmen. Ein Beispiel fĂĽr einen aus meiner Sicht nicht gendergerechten Journalismus lieferte unlängst ein Student, der sich mit einer Reportage dem italienischen Motorroller Vespa gewidmet hat. Dieser kam 1946, also vor genau 70 Jahren auf den Markt. Hier der Teaser zu seinem Beitrag:

70 Jahre und noch immer eine Traumfigur. Mit schmaler Taille und wohlgeformtem Hintern zieht die Vespa auch heute noch viele Blicke auf sich. 2016 feiert sie ihren runden Geburtstag. Lernt man die Fahrer der zweirädrigen Wespe kennen, zeigt sich schnell, dass die alte Dame mehr kann als gut auszusehen: Sie verbindet Menschen.

Meine Nachfrage unter den Studentinnen und Studenten in der nächsten Redaktionssitzung ergab, dass dieser Texteinstieg bei den jungen Frauen und Männern gleichermaĂźen Anklang fand: Er wĂĽrde wirklich dazu animieren, die Reportage zu lesen. Zugegeben: Vespa heiĂźt im Italienischen und Lateinischen nun mal Wespe. Weibliche Namen fĂĽr Fahrzeuge sind ja erst einmal nicht verkehrt. Und Maschinen in der Berichterstattung zu personalisieren, ist durchaus ein gängiges journalistisches Mittel, um mehr Aufmerksamkeit zu erzeugen. Warum dann von einer Vespa nicht als 70-jährige alte Dame sprechen? Was meinen Unmut heraufbeschworen hat, war eher, dass die 70-Jährige eine „Traumfigur“ hat und aufgrund ihrer körperlichen Reize immer noch „viele Blicke“ auf sich zieht.

Wie sehr hier mit stereotypen (männlichen) Vorstellungen von Weiblichkeit gearbeitet wird, wird erst deutlich, wenn man ähnlich stereotyp gängige männliche Schönheitsideale verarbeitet. Stellen wir uns den inzwischen in die Jahre gekommenen Opel Senator vor (Produktionszeitraum 1978 bis 1993), heute noch als Gebrauchtwagen erhältlich. Ein vergleichbarer Teaser würde dann in etwa so lauten:

Fast 40 Jahre und noch immer eine Traumfigur. Mit breiten Schultern und knackigem Heck zieht der Senator auch heute noch viele Blicke auf sich. 2018 feiert er seinen runden Geburtstag. Spricht man mit den Fahrerinnen des vierrädrigen Oberklasse-Modells, zeigt sich schnell, dass der stattliche Mann im besten Alter mehr kann als gut auszusehen: Er geht auch heute noch aus jedem Wettbewerb als Sieger hervor.

ske

Gleichberechtigung fĂĽr Emojis

Google-Mitarbeiter entwickeln neue Emojis gegen Klischees

Emojis – das sind kleine Grafiken die man mit Smartphone und Tablet verschicken kann. Emojis können Wörter ersetzen und GefĂĽhle ausdrĂĽcken, zum Beispiel mit einem lachenden Gesicht. Aber sie transportieren auch Geschlechterrollen. So gibt es männliche Polizisten und Handwerker, während weibliche Emojis oft als Braut und Prinzessin dargestellt werden.

Vier Google Mitarbeiter wollen das jetzt ändern. Sie haben 13 zusätzliche Emojis entwickelt und sie dem Unicode Consortium, der gemeinnützigen Organisation die auch den Unicode Standard herausgibt, präsentiert. In ihrem Antrag scheiben sie:

Our proposal is to create a new set of emoji that represents a wide range of professions for women and men with a goal of highlighting the diversity of women’s careers and empowering girls everywhere.

Laut einem Report der Social Times benutzen Frauen am häufigsten Emojis. Die Untersuchungen der Antragsteller haben außerdem ergeben, dass Emojis, die eine Profession darstellen, häufiger gesucht werden, als z.B. ein rennendes Emoji. Die neuen women@work-Emojis haben also beste Chancen auf eine steile Karriere.

/dmi

Quellen:

Rachel Been, Nicole Bleuel, Agustin Fonts, Mark Davis „Expanding Emoji Professions: Reducing Gender Inequality“

Brandy Shaul (30.09.2015): Report: 92% of Online Consumers Use Emoji (Infographic) in Social Times.

Tanja Banner (11.05.2016): „Google-Mitarbeiter wollen weibliche Emoji“ in Frankfrter Rundschau.

mak (11.05.2016): „Frauen-Symbole: Google-Mitarbeiter wollen weibliche Emojis“ in Spiegel Online.

Bildernachweis:

Beide Collagen aus dem Unicode Antrag „Expanding Emoji Professions: Reducing Gender Inequality“ von Rachel Been, Nicole Bleuel, Agustin Fonts, Mark Davis