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Mit Mentoring zu MINT

BeweggrĂŒnde von Frauen fĂŒr technische StudiengĂ€nge

Welche BeweggrĂŒnde haben Studentinnen der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg (H-BRS) ein MINT Fach zu studieren? Mithilfe einer explorativen Studie ging Sabrina Anna-Maria Meinerzhagen-Brumm, Absolventin des Studiengangs Technikjournalismus/PR der H-BRS, im Rahmen ihrer BA-Thesis dieser Frage nach. Ihr Fazit: Vorbilder in MINT- und Mentoringprogramme begeistern fĂŒr Technik.

Unter den Befragungsteilnehmerinnen befanden sich 30 Studentinnen der kooperativen und Vollzeit-StudiengĂ€nge aus dem MINT-Bereich der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg sowie 40 SchĂŒlerinnen staatlicher Schulen und MĂ€dchenschulen. Die Teilnehmerinnen waren zwischen 15 bis 26 Jahre alt. Die Befragung und Auswertung wurde wĂ€hrend des Sommersemesters 2016 durchgefĂŒhrt.

70 Prozent der MĂŒtter und 73,3 Prozent der VĂ€ter der befragten Studentinnen in MINT-FĂ€chern ĂŒben keinen technischen Beruf aus. Dennoch spielen Vor- und Leitbilder bei der Studienfachwahl eine besonders große Rolle. Auch Vorbilder aus dem persönlichen Umfeld, wie etwa Geschwister, Kommilitoninnen und Freundinnen, sind sehr wichtig. Weiter bestĂ€tigte die Studie, dass sich ein Technikinteresse oft schon zu Schulzeiten zeigt. Etwa die HĂ€lfte der Studentinnen wĂ€hlte FĂ€cher wie Informatik oder nahm an Projekten im Bereich Elektrotechnik und Maschinenbau teil. DarĂŒber hinaus nutzen 53,3 Prozent der befragten Studentinnen das Mentoringprogramm der Hochschule. Somit ist eine Bezugsperson fĂŒr etwa die HĂ€lfte der Studentinnen wichtig.

/dmi

Bachelorthesis: Sabrina Anna-Maria Meinerzhagen-Brumm (2016): BeweggrĂŒnde fĂŒr ein MINT-Studium: Bedeutung der Informationswege der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Studiengang Technikjournalismus/PR der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg.

Foto: Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit e.V. | Ort: Alfred-Wegener-Institut Bremerhaven

Die BeitrĂ€ge mit dem Thema Technik auf dem studentischen Ausbildungsportal Technikjournal sind zum großen Teil mit Alltagsthemen verknĂŒpft. Dadurch wird Technik MĂ€nnern und Frauen auf interessante Weise nĂ€her gebracht.

Technikjournal auf dem PrĂŒfstand

Technikjournal.de: Vorbild fĂŒr gendergerechten Journalismus?

Im Online-Magazin „technikjournal.de“, einem Ausbildungsportal des Studiengangs „Technikjournalismus“ an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, publizieren die Studierenden multimediale Berichte zu Technik- und Umweltthemen. Doch wie gendergerecht berichtet technikjournal.de ĂŒber Technik? Wie viele junge Frauen und MĂ€nner schreiben hier ĂŒber technische Themen und wie viele Technik-Expertinnen kommen in den BeitrĂ€gen zu Wort?  Im Wintersemester 2016/17 sind Studierende im Projekt “Technikjournal auf dem PrĂŒfstand” auch dieser Frage mithilfe einer empirischen Untersuchung nachgegangen. Marcel Tittko und Marvin Sommershof schildern im Folgenden ihre Erfahrungen und Ergebnisse.

Gendergerechtigkeit im Technikjournalismus

Das Thema Gendergerechtigkeit im Journalismus beschĂ€ftigt Fachleute seit einiger Zeit. Dadurch war klar, dass eine entsprechende Untersuchung auch Teil eines PrĂŒfstandes fĂŒr die Lehrredaktion der Hochschule, das “Technikjournal” sein muss.

Der erste Schritt war die Aufarbeitung der bereits vorhandenen Ergebnisse anderer Autoren. Das Wiki der Hochschule zum Thema Gendergerechtigkeit erwies sich in diesem Zusammenhang als essenziell. Schwierig war hierbei der Begriff des “Technikjournalismus”. Denn die Untersuchungen und Studien beziehen sich in vielen FĂ€llen entweder auf Gendergerechtigkeit im Ingenieurberuf oder im Journalismus. Beide Bereiche hatten jedoch eines gemeinsam: Frauen waren im Vergleich mit ihren mĂ€nnlichen Kollegen in der Unterzahl. Und die GrĂŒnde waren vielfĂ€ltig. Ein durch MĂ€nner geprĂ€gtes Umfeld und ungleiche Bezahlung sind dabei nur zwei von vielen.

Frauen, MĂ€nner und Technik

Nach der Sichtung der allgemeinen Ergebnisse wurden die Artikel des Technikjournals unter Zuhilfenahme eines Kodierbuchs einzeln begutachtet. Untersucht wurden Artikel aus dem Zeitraum vom Sommersemester 2015 bis zum Sommersemester 2016. Bei der Analyse ging es unter anderem um die Darstellung von Frauen, MĂ€nnern und Technik in Fotos, die Expertenwahl und das Geschlecht der Autoren. Hinzu kam der Studienschwerpunkt (Umwelt- oder Ingenieurwissenschaften). Mit dem IBM-Tool SPSS und der quelloffenen Alternative PSPP wurden die Daten ausgewertet und grafisch aufbereitet. Im Folgenden ein kurzer Überblick ĂŒber die Ergebnisse.

Viele Autorinnen, wenig Expertinnen

Im Ressort Technik arbeiten nach wie vor ĂŒberwiegend Journalisten. Das ist beim Ausbildungsportal technikjournal anders: Mit etwa 40 Prozent entspricht der Frauenanteil unter den Autoren und Autorinnen hier sogar dem fĂŒr Deutschland geschĂ€tzten Journalistinnen-Anteil ĂŒber alle Ressorts hinweg.

Bei den in den BeitrĂ€gen zu Wort kommenden Expertinnen und Experten ĂŒberwiegen allerdings sowohl in den Texten als auch in Fotos und Videos ganz klar MĂ€nner. So kann etwa fĂŒr die in den Texten erwĂ€hnten Fachleute festgehalten werden, dass MĂ€nner etwa doppelt so hĂ€ufig technische ZusammenhĂ€nge erklĂ€ren und einordnen können wie Frauen.

Der geringe Frauenanteil in der Berichterstattung deutet ein Problem an: Wenn erheblich mehr MĂ€nner als Technik-Experten zu Wort kommen, erscheint der Eindruck, dass Technik eher etwas fĂŒr MĂ€nner ist. Wenn Technik-Expertinnen nicht oder nur wenig prĂ€sent in den Medien sind, fehlt eine Vorbildfunktion fĂŒr junge Frauen, die unschlĂŒssig sind, ob sie sich fĂŒr einen technischen Beruf entscheiden sollten.

Positiv zu werten ist wiederum, dass in mehr als 80 Prozent der BeitrĂ€ge der Nutzen von Technik im privaten Alltag thematisiert wird. Damit dĂŒrfte die Berichterstattung im Online-magazin „Technikjournal“ Frauen wie MĂ€nner gleichermaßen ansprechen.

Technikjournalismus ist Vorbild fĂŒr andere Berufsfelder

Aber zurĂŒck zu den Autorinnen und Autoren: Die Frauenanteile in den journalistischen StudiengĂ€ngen und selbst im Fach Technikjournalismus, das vor wenigen Jahren noch ĂŒberwiegend von jungen MĂ€nnern gewĂ€hlt wurde, zeigen, dass sich eine Frauenquote von 50 Prozent auch im Technikjournalismus realisieren ließe. Gleichzeitig kann ein interdisziplinĂ€rer Studiengang wie Technikjournalismus durch die Abdeckung journalistischer und technischer Kompetenzen junge Frauen und MĂ€nner ausbilden, die sich sowohl fĂŒr Technik als auch fĂŒr deren Vermittlung interessieren.

/Marcel Tittko und Marvin Sommershof editiert von ske

Grafiken von gender2technik auf Grundlage der Daten von Marcel Tittko und Marvin Sommershof 

Fotoprojekt mit Ingenieurinnen

Studierende der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg portrÀtieren Frauen in technischen Berufen

Im kommenden Wintersemester 2015/2016 werden Studierende Geschichten ĂŒber Ingenieurinnen und Technik in Bildern erzĂ€hlen und dabei die Frage klĂ€ren: Welche Bedeutung hat Technik fĂŒr die einzelne Person?

Unter der Leitung von Professorin Susanne Keil werden die angehenden Technikjournalisten die Möglichkeiten von Fotoreportagen ausloten und dabei insbesondere das Thema Frauen und Technik umkreisen.

Die Idee zu dem Projekt lieferte Valeria Brekenkamp mit ihrer Fotoreportage „LÖSUNGEN – Frauen in Ingenieursberufen“. Mehrere Monate begleitete sie sieben Ingenieurinnen mit ihrer Kamera und wurde dafĂŒr 2012 von der acatech mit einem Fotostipendium ausgezeichnet.

/dmi